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Misshandelte Haushaltshilfen : Bedroht, verbrüht und geschlagen

  • Aktualisiert am

Vor dem Gerichtsgebäude demonstrieren Unterstützer der Indonesierin. Bild: Reuters

Es muss die Hölle gewesen sein, was eine indonesische Haushaltshilfe bei einer Familie in Hongkong durchgemacht hat. Nun wurde die Täterin zu einer überraschend hohen Strafe verurteilt. Doch Misshandlungen von Gastarbeiterinnen sind in vielen Ländern an der Tagesordnung.

          In einem wegweisenden Prozess ist eine Hongkongerin für die Misshandlung ihrer Putzfrau zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Zudem verurteilte ein Gericht die 44-Jährige am Freitag zur Zahlung einer Strafe von 15.000 Hongkong-Dollar (1700 Euro), wie lokale Medien berichteten.

          Die Richterin sah es als erwiesen an, dass die Hongkongerin ihre aus Indonesien stammende Haushälterin unter anderem regelmäßig geschlagen, mit kochendem Wasser verbrüht und ihr den Schlauch eines Staubsaugers in den Mund gerammt hatte. Schlafen musste das Dienstmädchen auf dem Fußboden.

          Aufgeflogen kurz vor Ausreise

          Die Hongkongerin drohte der Indonesierin, ihre Angehörigen töten zu lassen, sollte sie sich beschweren. Die Misshandlungen flogen auf, als sie die Frau mit einem Rückflugticket zum Flughafen brachte und andere Indonesierinnen die Verletzungen bemerkten.

          Im Prozess gaben die 18 und 16 Jahre alten Kinder der Beschuldigten als Zeugen an, während des siebenmonatigen Aufenthalts der Indonesierin in ihrer Wohnung keine Misshandlungen bemerkt zu haben.

          Weit verbreitetes Problem

          Der Fall der Haushaltshilfe aus Indonesien hatte die Situation der Dienstmädchen in Hongkong international bekannt gemacht. Die Zeitschrift Time nahm die misshandelte Frau in ihre Liste der 100 einflussreichsten Menschen 2014 auf.

          Etwa die Hälfte der 320.000 Haushaltshilfen im wohlhabenden Hongkong sind Frauen aus Indonesien, viele stammen auch von den Philippinen.

          Eine Studie der Behörden hatte 2013 das Ausmaß des Problems offenbart. Demnach haben 58 Prozent der Haushaltshilfen verbale Angriffe erdulden müssen, 18 Prozent wurden körperlich misshandelt und 6 Prozent berichteten von sexuellem Missbrauch.

          Viel schuften für wenig Geld

          Ausländische Helferinnen arbeiten seit dem wirtschaftlichen Aufschwung Hongkongs in den Siebziger Jahren in der Stadt. Neben dem Haushalt kümmern sie sich um die Kinderbetreuung oder pflegen alte Menschen. Ihr Mindestlohn liegt derzeit bei umgerechnet rund 130 Euro im Monat.

          Aus anderen wohlhabenden Ländern der Region wie Singapur, Malaysia oder Taiwan sind vergleichbare Probleme bekannt.

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