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Missbrauchsprozess in der Türkei : Bewährungsstrafe für Marco W.

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Ein Bild von Marco W. aus der Zeit seiner Untersuchungshaft in der Türkei Bild: AP

Ein türkisches Gericht hat zwei Jahre nach dem Vorfall den 19-jährigen Marco W. wegen Vergewaltigung und sexuellen Missbrauchs eines 13-jährigen Mädchens für schuldig befunden. Marco W. hatte die Tat stets bestritten und will das Urteil anfechten.

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          Schuldspruch und Bewährung für Marco W. nach zweijährigem Missbrauchsprozess in der Türkei: Das Gericht in Antalya hat den 19-jährigen Schüler aus Uelzen am Mittwoch zu zwei Jahren, zwei Monaten und 20 Tagen Haft auf Bewährung wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt. Das Gericht befand Marco für schuldig, im Türkeiurlaub Ostern 2007 die damals 13-jährige Britin Charlotte missbraucht zu haben. Marco hatte dies stets bestritten.

          Der Staatsanwalt hatte eine Verurteilung wegen Vergewaltigung und sexuellen Missbrauchs, die Verteidigung einen Freispruch gefordert. Nach dem Urteil kündigten beide Seiten Berufung an, Marco und seine Familie reagierten empört und enttäuscht. Der Schüler will das Urteil nicht hinnehmen. Marco war für den Urteilsspruch nicht in die Türkei gereist, sondern erfuhr in seiner niedersächsischen Heimat von der Entscheidung der Richter. „Marco will das so nicht stehen lassen“, sagte seine Mutter Martina Weiss. „Dieses Urteil sagt nichts über Schuld oder Unschuld aus. Wir erkennen dieses Urteil selbstverständlich nicht an. Es ist falsch und ungerecht.“ Marcos Vater Ralf Jahns erklärte: „Wir sind maßlos enttäuscht, Marco empfindet das Urteil als ungerecht.“ Aus Sicht von Marcos deutschem Anwalt Jürgen Schmidt sah das Gericht sich durch die lange Verfahrensdauer und die Untersuchungshaft unter Druck. „Wie das Gericht zu diesem Urteil kommen konnte, wissen wir nicht.“

          Marco hatte stets ausgesagt, dass es mit Charlotte nach einem Discobesuch zu einvernehmlichen Zärtlichkeiten gekommen sei. Das Mädchen habe ihm gesagt, es sei 15 Jahre alt. Er war am 12. April 2007 in einem Urlaubshotel an der türkischen Riviera festgenommen worden. Marco saß 247 Tage in türkischer Untersuchungshaft und konnte dann nach Deutschland ausreisen. Inzwischen setzt er in seiner Heimat eine Ausbildung fort und musste zu den Prozessterminen nicht mehr in die Türkei reisen.

          Heimkehr : Uelzen freut sich auf Marco W.

          Beide Seiten kündigen Berufung an

          Charlottes Anwalt Ömer Aycan, der zehn Jahre Haft verlangt hatte, zeigte sich unzufrieden mit dem Urteil. „Ich werde meinem Klienten ein Revisionsverfahren vorschlagen“, sagte er im Gericht in Antalya. Dort kündigte Marcos Verteidiger Mehmet Iplicioglu ebenfalls Berufung gegen das Urteil an. In seinem Plädoyer hatte er die Beweisführung als „nicht wissenschaftlich und professionell genug“ gerügt. Zwar seien in Charlottes Körper Spermien gefunden worden, es sei aber unklar, ob diese von Marco stammten. Außerdem habe ein Gutachter ausgesagt, dass das Mädchen noch Jungfrau sei. „Die Beweise sind nicht ausreichend, um Marco zu bestrafen.“

          Wie von Marcos Verteidigung für den Fall eines Schuldspruchs gefordert, gaben die türkischen Richter dem Schüler einen Strafnachlass wegen guter Führung und seinem jugendlichen Alter zum Zeitpunkt des Vorfalls. Die grundsätzlich veranschlagte Strafe von vier Jahren wurde von dem Gericht auf gut zwei Jahre verringert. Die Forderungen nach einer harten Strafe in der Türkei standen im Gegensatz zu einer Entscheidung der deutschen Justiz, die ein Ermittlungsverfahren gegen Marco eingestellt hatte. Der Verdacht des sexuellen Missbrauchs habe sich nicht bestätigt, hatte die zuständige Staatsanwaltschaft Lüneburg erklärt.

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