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Missbrauchsfall in Lügde : Wichtige Beweismittel erst bei Abrissarbeiten entdeckt

  • Aktualisiert am

Wohnwagen des Verdächtigen: In einem doppelt eingebauten Boden fand ein Abrissunternehmen wohl wichtige Beweismittel. Bild: dpa

Im Missbrauchsfall in Lügde übersah die Polizei offenbar wieder wichtige Beweismittel. Ein Abrissunternehmen fand im Wohnwagen des Verdächtigen mehrere Datenträger. Das setzt den Innenminister Nordrhein-Westfalens Herbert Reul weiter unter Druck.

          Bei Abrissarbeiten am mutmaßlichen Tatort des Kindesmissbrauchs in Lügde sind weitere Datenträger gefunden worden. Bereits am Donnerstag legten Arbeiter einen Zwischenraum in dem doppelten, fest verbauten Holzboden des Wohnwagens des Hauptbeschuldigten frei. Dort kamen in einem Hohlraum eine CD und zwei Disketten zum Vorschein, wie die Polizei bestätigte. Zuvor hatten der WDR, der NDR und die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet. Am Freitag wurde demnach im Abrissschutt eine weitere CD entdeckt. Die Datenträger hätten mit bei einer Durchsuchung zulässigen Mitteln nicht gefunden werden können, hieß es. Allerdings ist es nicht das erste Mal, dass die Behörden Beweismittel in dem Fall übersahen.

          Das Abrissunternehmen habe den Fund an die Polizei übergeben. Ein Ermittlerteam habe die Fundstelle untersucht. Das Datenmaterial werde nun ausgewertet und als Beweismittel gegebenenfalls zum Gegenstand der gerichtlichen Beweisaufnahme, teilte die Polizei weiter mit.

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          Innenminister Herbert Reul (CDU) schloss am Freitagabend weitere Funde nicht aus: „Ich halte alles für möglich, dass auf dem Gelände auch noch irgendwas liegt. Das ist ja so eine vermüllte Gegend, da kann man ja nur das sehen, was man selber wahrnimmt oder weggeräumt hat“, sagte er dem WDR. Der Politiker steht wegen der Pannen rund um den Missbrauchsfall und zwei weiteren Fällen von vermeintlichem Polizeiversagen in NRW unter Druck. Die nordrhein-westfälische SPD-Fraktion fordert mittlerweile seinen Rücktritt. „Der Innenminister hat Aufklärung versprochen, er ist gescheitert“, sagte Hartmut Ganzke, der innenpolitische Sprecher der SPD dem „Spiegel“. Er müsse nun Verantwortung übernehmen und zurücktreten.

          In dem Wohnwagen hatten die Ermittler Festplatten und andere Datenträger mit rund 3,3 Millionen Bildern und fast 86.300 Videos sichergestellt. 155 CDs und DVDs waren dann aus der Obhut der Polizei verschwunden, woraufhin die Staatsanwaltschaft Detmold ein Strafverfahren gegen Unbekannt eingeleitet hatte. Außerdem hatten Beamte der Kreispolizeibehörde Lippe jahrelang Hinweise auf die Taten des vermeintlichen Kindesgefährderer nicht ernst genommen.

          Am Ort des mutmaßlich massenhaften Kindesmissbrauchs auf dem Campingplatz hatten Mittwoch Abrissarbeiten begonnen. Die Parzelle soll eine Grünfläche werden. Der Bereich war Ende März von den Behörden freigegeben worden.

          Auf dem Campingplatz in Lügde soll der 56 Jahre alte Dauercamper mit einem Komplizen (33) über Jahre hinweg mindestens 40 Kinder missbraucht und dabei gefilmt haben. Die beiden Verdächtigen sowie ein 48-Jähriger aus dem niedersächsischen Stade sitzen in Untersuchungshaft.

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