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Missbrauchsfälle in Münster : Folter in der Gartenlaube

Die Gartenlaube, in der der vermutliche Haupttäter Teile seiner Server-Anlage unterbrachte. Bild: dpa

Die Polizei in Münster hat einen überregional vernetzten Ring von Pädokriminellen enttarnt. Die Polizei ist überzeugt, erst die Spitze des Eisbergs entdeckt zu haben.

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          Die Schrebergartenanlage „Am Bergbusch“ liegt am nördlichen Rand von Münster. Wie alle anderen 75 Parzellen ist auch der Kleingarten rund um die Laube vorbildlich gepflegt, die einer der Tatorte einer Gruppe hemmungsloser Pädokrimineller ist. Sieben Tatverdächtige aus drei Bundesländern sitzen mittlerweile in Haft. Drei Opfer hat die Polizei Münster bisher identifizieren können. Die Jungen sind fünf, zehn und zwölf Jahre alt.

          Reiner Burger
          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Eine besonders abscheuliche Tat hat sich in der Nacht vom 25. auf den 26. April in der Gartenlaube abgespielt. Auf rekonstruierten Videoaufzeichnungen ist zu sehen, wie vier Männer das fünf und das zehn Jahre alte Kind „abwechselnd über Stunden auf das Schlimmste“ missbraucht haben, wie Kriminalhauptkommissar Joachim Poll berichtet. Der erfahrene Ermittlungsleiter ringt um angemessene Worte für etwas, das mit „Missbrauch“ viel zu beschönigend beschrieben ist. Was die beiden kleinen Jungen erleiden mussten, ist Folter.

          Polizei und Staatsanwaltschaft Münster befänden sich ganz am Anfang der Arbeit, sagt Poll. „Ich bin überzeugt, in der Laube wurden noch wesentlich mehr Taten begangen.“ Und nicht nur dort. Schon jetzt gibt es neben den sieben festgenommenen Personen noch vier weitere Verdächtige. Im Zentrum der Ermittlungen steht der 27 Jahre alte Adrian V. Er ist nach bisherigem Stand der Erkenntnisse der Organisator einer überregional agierenden Pädokriminellen-Gruppe, die die Möglichkeiten der virtuellen Welt konsequent nutzte, um fürchterlichste Phantasien Wirklichkeit werden zu lassen.

          Laube war „systematisch technisch ausgerüstet“

          Seinen zehn Jahre alten Stiefsohn soll V. nicht nur selbst vergewaltigt und misshandelt haben, er soll das Kind auch regelmäßig an andere Männer verkauft haben. Neben V. sitzen ein 30 Jahre alter Mann aus Staufenberg in der Nähe von Gießen, ein Fünfunddreißigjähriger aus Hannover, drei 41, 42 und 43 Jahre alte Männer aus Köln, Schorfheide in Brandenburg und Kassel sowie eine 45 Jahre alte Frau in Haft. Sie ist die Mutter von Adrian V. und auch die Pächterin der Laube in Münster. Gegen die Frau, die bisher als Erzieherin in einer Kita arbeitete, wird wegen Beihilfe zum schweren sexuellen Missbrauch ermittelt. Denn sie überließ ihrem Sohn den Schlüssel für die Laube – „und zwar im Wissen, was dann dort passieren würde“, ist Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt überzeugt. V. hatte die Laube systematisch technisch aufgerüstet. Nicht nur an der Außenfassade brachte er Videokameras an, sondern auch im Inneren, über dem Doppelbett und dem Stockbett – um das Martyrium seiner Opfer aus verschiedenen Positionen in Highend-Qualität in Bild und Ton aufzuzeichnen.

          Der 27 Jahre alte Computertechniker Adrian V. ist ein amtlich bekannter Pädokrimineller. Schon zwei Mal ist er wegen des Besitzes und der Verbreitung kinderpornographischer Schriften auf Bewährung verurteilt worden. In Haft genommen werden konnte V. nach Darstellung der Staatsanwaltschaft nicht, weil er die Taten, die zum zweiten Urteil führten, nach der Bewährungszeit beging. Das Familiengericht wiederum sah keinen Anlass, den Stiefsohn des Beschuldigten aus der Familie zu nehmen – obwohl V. seine pädophile Neigung immer offen bekundet hatte.

          Seit 2018 hatte die Polizei V. wieder im Blick, kam aber lange nicht voran. Erst im April 2019 ergab sich ein Anfangsverdacht. Über eine IP-Adresse führte eine Spur zu einem landwirtschaftlichen Betrieb in Coesfeld, in dem Adrian V. als IT-Administrator arbeitete. Als Polizeibeamte wenig später die Wohnung des Mannes in Münster durchsuchten, konnten sie dann zwar große Mengen an Datenträgern sicherstellen. Doch sie waren hochprofessionell verschlüsselt.

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