https://www.faz.net/-gum-9m9sg

Missbrauch bei Pfadfindern : Akte der Perversion

  • -Aktualisiert am

„Nicht nur die Zahlen sind alarmierend“, sagte der Rechtsanwalt Jeff Anderson, der verschiedene Missbrauchsopfer vertritt. Bild: AP

In den vergangenen 75 Jahren sollen mehr als 12.000 Mitglieder der Pfadfinderorganisation Boy Scouts of America durch Betreuer belästigt oder vergewaltigt worden sein. Fast 8000 Gruppenleiter stehen unter Verdacht.

          1 Min.

          Bei den amerikanischen Pfadfindern sind angeblich mehr Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht worden als bislang angenommen. Nach einer Untersuchung der Universität von Virginia sollen in den vergangenen 75 Jahren mehr als 12.000 Mitglieder der Pfadfinderorganisation Boy Scouts of America (BSA) durch Betreuer belästigt oder vergewaltigt worden sein. Fast 8000 der ehrenamtlichen Gruppenleiter stehen in Verdacht, Kinder zu sexuellen Handlungen gezwungen zu haben. „Nicht nur die Zahlen sind alarmierend. Auch der Umstand, dass die Boy Scouts die Namen der Betreuer nie öffentlich gemacht haben, verstört“, sagte der Rechtsanwalt Jeff Anderson, der verschiedene Missbrauchsopfer vertritt, am Dienstag bei der Vorstellung der Ergebnisse der Recherchen.

          Um das Ausmaß der jahrzehntelangen Übergriffe zu beziffern, hatte die Universität von Virginia in den vergangenen Monaten die sogenannten Perversionsakten der Pfadfinderorganisation ausgewertet. Der 1910 gegründete Jugendverband ließ die geheimen Akten schon vor Jahrzehnten anlegen, um Missbrauchsfälle zu registrieren. Nach Klagen von Eltern hatten verschiedene amerikanische Gerichte in den vergangenen Jahren angeordnet, zumindest einen Teil der „perversion files“ offenzulegen. Da aber nur die Akten einzelner Jahrgänge oder Bundesstaaten geöffnet wurden, blieb eine Auswertung des gesamten Bestands bislang aus.

          Die Missbrauchsaufzeichnungen waren 2010 erstmals während eines Prozesses in Oregon erwähnt worden. Damals entschied der Oberste Gerichtshof des Bundesstaats, dass die Öffentlichkeit ein Recht auf Einsicht habe. Anschließend wurden etwa 20.000 Seiten aus den Jahren 1965 bis 1985 veröffentlicht. Die Akten beschrieben Übergriffe von mehr als 1200 ehrenamtlichen BSA-Betreuern.

          Nach Debatten über die Aufhebung der Verjährungsfrist erwartet die Pfadfinderorganisation, die etwa 2,3 Millionen Mitglieder zählt, in den kommenden Monaten voraussichtlich eine Klagewelle. Der Bundesstaat New York hat schon ein Gesetz verabschiedet, das Jahrzehnte nach den mutmaßlichen Übergriffen juristische Schritte ermöglicht. Auch New Jersey, Pennsylvania und Kalifornien erwägen eine Aussetzung der Verjährungsfrist, um die Boy Scouts of America durch Schadenersatzklagen doch noch zur Verantwortung zu ziehen.

          Weitere Themen

          Die Pandemie im Überblick

          Zahlen zum Coronavirus : Die Pandemie im Überblick

          Das Coronavirus hat Deutschland und die Welt weiterhin fest im Griff. Wie sich die Infektionszahlen im In- und Ausland entwickeln – unsere Karten und Diagramme geben einen Überblick.

          Topmeldungen

          Wohnen in Berlin : Ausgedeckelt

          Karlsruhe hat das Prestigeprojekt der rot-rot-grünen Landesregierung für nichtig erklärt. Bedauerlich ist jedoch, dass das Gericht keine inhaltliche Bewertung des Mietendeckels vornimmt – und absehbar, was Grüne, SPD und Linke nun tun werden.
          Janina Kugel war bis 2020 Vorstandsmitglied bei Siemens.

          Kind und Karriere : „Meine Herren, ich muss jetzt leider abpumpen“

          Kinder und Karriere – das kann nicht funktionieren? Doch, aber es ist anstrengend: Die ehemalige Siemens-Managerin Janina Kugel schildert in ihrem neuem Buch, wie ein Leben zwischen Langstreckenflügen und Elternabenden gelingt.
          Chinas Seidenstraße ist ein viele Länder umfassendes Infrastrukturprogramm mittlerweile.

          Neue Seidenstraße : Montenegro tut sich schwer mit einem chinesischen Kredit

          Trotz vieler Warnungen hat sich der kleine Adria-Staat für den Bau einer neuen Autobahn mit etwa einer Milliarden Euro in China verschuldet. Die Strecke ist zwar noch nicht fertig, doch die Rückzahlung steht an – und Geld fehlt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.