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Kartell in Mexiko : Anwärter auf „Chapos“ Thron geht Militär ins Netz

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Video-Standbild: Der Anführer des Drogenkartells von Sinaloa nach seiner Festnahme. Bild: dpa

„El Licenciado“ wollte die Nachfolge von „El Chapo“ an der Spitze des Sinaloa-Kartells antreten und legte sich sogar mit den Söhnen des legendären Drogenbarons an. Jetzt haben ihn die Ermittler festgenommen. El Chapos Familie dürfte triumphieren.

          Im Herzen der mexikanischen Hauptstadt hat sich Dámaso López Núñez sicher gefühlt. Der mächtige Drogenbaron residierte standesgemäß in einer eleganten Wohnanlage mit Spa, Fitness-Center und Swimmingpool im bürgerlichen Viertel Nueva Anzures. Noch vor einigen Tagen schlenderte der mögliche Nachfolger von Joaquín „El Chapo“ Guzmán als Chef des Sinaloa-Kartells zum nahe gelegenen Revolutionsdenkmal und ließ sich Meeresfrüchte in einem Restaurant schmecken.

          Am Dienstag im Morgengrauen bereiten die Sicherheitskräfte dem Treiben ein Ende. Schwerbewaffnete Soldaten und Polizisten stürmen die Wohnung von López Núñez und nehmen den Verbrecherboss fest. Die Behörden feiern den Zugriff als Erfolg. Sogar Präsident Enrique Peña Nieto gratuliert.

          In diesem Gebäude wurde der Kartellchef gefasst.

          Allerdings dürften nicht nur im Regierungspalast, sondern auch in der Residenz der Familie Guzmán die Sektkorken geknallt haben. „El Licenciado“ (Der Akademiker) war nämlich nicht nur einer der meistgesuchten Verbrecher des Landes, sondern auch der wichtigste Konkurrent von „El Chapos“ Söhnen im Kampf um die Kontrolle des Kartells.

          „Die Festnahme von López Núñez ist nur ein Schlag gegen einen Flügel des Sinaloa-Kartells, nicht gegen die Struktur der ganzen kriminellen Organisation. Schon vor zwei Jahren hat sich das Kartell gespalten“, sagt der Sicherheitsexperte und Journalist Ricardo Ravelo. López Núñez habe sich zwar zum Nachfolger von „El Chapo“ erklärt, werde aber vor allem von dessen Söhnen nicht akzeptiert.

          Über 140 Menschen kamen seit Jahresbeginn ums Leben

          „Der Konflikt hatte sich nach der zweiten Festnahme von „El Chapo“ und seiner Auslieferung in die USA verschärft“, sagt der Sicherheitsexperte Alejandro Hope. „Möglicherweise steckte er (López Núñez) hinter der Entführung der Söhne von „El Chapo“ im August.“ López Núñez soll sogar ein Attentat auf die Sprösslinge seines einstigen Ziehvaters durchgeführt haben, bei dem allerdings nicht sie, sondern ein Leibwächter der Familie ums Leben kam.

          Um seine Chancen im internen Machtkampf zu erhöhen, soll „El Licenciado“ zudem versucht haben, eine Allianz mit dem Kartell Jalisco Nueva Generación zu schmieden. Die Bande tritt extrem aggressiv auf und hatte zuletzt die mexikanische Unterwelt aufgerollt. Vor allem an der Pazifikküste des Landes forderten die Auseinandersetzungen zwischen der Fraktion von „El Licenciado“ und seinem Sohn „Mini Lic“ auf der einen und dem Bruder und den Söhnen von „El Chapo“ auf der anderen Seite einen hohen Blutzoll. Über 140 Menschen kamen seit Jahresbeginn ums Leben.

          Mit der Festnahme von López Núñez könnte die Welle der Gewalt etwas abebben, hofft der Gouverneur von Sinaloa, Quirino Ordaz. „Ich glaube, dass die Festnahme einen positiven Effekt haben wird und wir die Sicherheit und Ruhe wieder herstellen können“, sagte der Regierungschef im Radiosender Fórmula.

          Sicherheitsexperte Hope ist da nicht so optimistisch: „Möglicherweise wird es noch heißer am Pazifik.“ Schließlich ist die Gang von López Núñez noch immer bis an die Zähne bewaffnet und sein Sohn „Mini Lic“ könnte auf Rache sinnen. Tatsächlich flammt nach spektakulären Festnahmen die Gewalt in Mexiko häufig besonders heftig auf. Schließlich hinterlässt jeder Zugriff ein Machtvakuum, das gefüllt werden muss und Nachfolgefragen werden in Mexikos Kartellen üblicherweise mit Schusswaffen geklärt.

          Experten raten seit Jahren, die Finanz- und Logistikstrukturen der Verbrechersyndikate ins Visier zu nehmen statt nur die prominenten Köpfe zu jagen. Die Verhaftung der Bosse schade den Kartellen nicht wirklich, glaubt auch die Journalistin und Expertin für organisierte Kriminalität, Anabel Hernández. „Es gibt Hunderte von neuen Drogenbossen.“

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