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Suizid oder Mord? : Der mysteriöse Tod eines kolumbianischen Models

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Diese Diskothek besuchte die Kolumbianerin Stephanie Magón am vergangenen Freitag. Wenige Stunden später war sie tot. Bild: Imago

Ein kolumbianisches Model wird tot in einer Straße von Mexiko-Stadt gefunden. Sie ist nackt, ihr Körper voller Wunden. Ein Unfall, sagen Ermittler. Ein Mord, sagen kolumbianische Frauen. Und zwar der zweite innerhalb einer Woche.

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          Innerhalb einer Woche sind in Mexiko zwei kolumbianische Frauen unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen. Die eine, Stephanie Magón, war 23 Jahre alt und lebte seit etwa drei Monaten in der mexikanischen Hauptstadt, wo eine Model-Agentur sie unter Vertrag genommen hatte. Die andere, Sara Ramírez Bonilla, war 22 Jahre alt und mit ihrem Freund im Urlaub im südmexikanischen Badeort Cancún. Beide sollen sich das Leben genommen haben, indem sie sich von hohen Häusern stürzten. Familie und Freunde der beiden wollen daran nicht glauben. Diverse Indizien sprechen gegen Suizid.

          Stephanie Magón starb in den Morgenstunden des 30. Juli. Als sie gefunden wurde, war sie laut der spanischen Zeitung „El Mundo“ nackt, hatte einen gebrochenen Kiefer und gebrochene Rippen, ihr fehlten Zähne und ihr Körper wies Zeichen stumpfer Schläge auf. Wenig später erklärte der Präsident des obersten Gerichtshofs von Mexiko, es handele sich um einen Femizid, einen Mord an einer Frau aufgrund ihres Geschlechts.

          Doch kurz darauf widersprach laut der Zeitung die Generalstaatsanwaltschaft dieser Darstellung. Die Autopsie habe keine Hinweise auf einen Kampf ergeben. Deshalb gehe man jetzt von einem Unfall aus. Die junge Frau, verheiratete Mutter eines vierjährigen Sohnes, habe sich aus dem Fenster ihres Hauses gestürzt.

          Den Freund der Verstorbenen haben die Behörden nicht befragt

          Seither spekulieren Freunde Magóns sowie spanische und lateinamerikanische Medien über den rätselhaften Tod. Dessen Umstände sind nach wie vor unklar. Die Kolumbianerin hatte am Abend eine Disko besucht. Ihr Freund sagte der mexikanischen Zeitung „El Universal“, sie sei angetrunken gewesen und zuletzt im Bad des Nachtclubs gesehen worden. Weiter heißt es in dem Bericht, die junge Frau sei in der Mitte der Straße, fast fünfeinhalb Meter von ihrem Haus entfernt, gefunden worden. Um an dieser Stelle zu landen, hätte sie erst auf die Dachterrasse des Gebäudes klettern und dann mit Anlauf herunterspringen müssen. Die Zeitung zitiert den Ehemann der Toten mit den Worten, bisher hätten sich die Ermittler nicht an ihn gewandt. Er bat die Behörden um eine sorgfältige Aufklärung, „weil ein Mädchen, das sein Land verlassen hat, unter merkwürdigen Umständen gestorben“ sei.

          Die 22 Jahre alte Sara Ramírez Bonilla lebte in den Vereinigten Staaten und war mit ihrem Freund verreist, einem Venezolaner mit spanischem Pass. Ihr lebloser Körper wurde mit mehren Knochenbrüchen und Verletzungen im Garten des Luxushotels Villas del Palmar aufgefunden. Die Stiefmutter Bonillas erzählte der kolumbianischen Zeitung „El País“, der Freund sei nach einem Diskobesuch schon ins Hotelzimmer gegangen, während seine Freundin noch eine Zigarette rauchen wollte. Als sie nicht nachgekommen sei, habe er die Polizei informiert. Die habe ihn mehrere Stunden festgehalten und nur gegen eine Geldzahlung von 5000 Dollar frei gelassen. Man habe ihr außerdem gesagt, der Leichnam ihrer Stieftochter, die betrunken Selbstmord begangen haben soll, könne nur eingeäschert nach Kolumbien überstellt werden. 

          Eine Gruppe, die für die Rechte kolumbianischer Frauen in Mexiko eintritt, machte in einem Schreiben darauf aufmerksam, dass dies nicht die ersten mysteriösen Todesfälle von Kolumbianerinnen in Mexiko seien. Mindestens zwei weitere Kolumbianerinnen seien seit 2013 in Mexiko-Stadt ermordet worden. In allen Fällen, so die Gruppe, hätten die Behörden dies verschleiert. Kolumbianische Frauen würden in Mexiko aufgrund ihres Geschlechts und ihres Migrationshintergrunds diskriminiert. Ihr Aufruf, sich für die Rechte von Frauen und Migranten in Mexiko einzusetzen endet mit den Worten: „In Mexiko ist es ein Risiko, eine kolumbianische Frau zu sein.“

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