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Von Drogenkartell unterwandert : Stadt in Mexiko entlässt alle 100 Polizisten

  • Aktualisiert am

Ein Sicherheitsbeamter in Mexiko steht Wache. (Symbolbild) Bild: Pedro Pardo/AFP

Ein Kartell soll die Polizeitruppe von Juventino Rosas unterwandert haben. Nun übernehmen andere Beamte. Mexikos Regierung warnt außerdem davor, dass Drogenhändler Kinder über Videospiele rekrutieren.

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          Wegen mutmaßlicher Verbindungen zum organisierten Verbrechen sind in einer mexikanischen Stadt alle örtlichen Polizisten entlassen worden. Auf Antrag der Stadtverwaltung von Juventino Rosas übernahmen Beamte der Landespolizei die Kontrolle in der Ortschaft im Bundesstaat Guanajuato, wie die örtliche Regierung am Mittwoch mitteilte. Waffen, Munition, Ausrüstung und Fahrzeuge seien sichergestellt worden. Bei zwei Beamten wurden demnach Drogen gefunden.

          Die etwa 100 städtischen Polizisten wurden entlassen, berichtete die Zeitung La Jornada. Die Behörde sei von dem Verbrechersyndikat Cártel Santa Rosa de Lima unterwandert worden. Die Gruppe ist vor allem in Benzindiebstahl verwickelt. Juventino Rosas sei eine „Bastion krimineller Gruppen“, sagte Gouverneur Diego Sinhue Rodríguez Vallejo. Der industriell geprägte Bundesstaat Guanajuato im Zentrum des lateinamerikanischen Landes hatte sich zuletzt zu einem Schwerpunkt der Bandenkriminalität entwickelt.

          In ganz Mexiko werden derzeit fast 100 Tötungsdelikte jeden Tag registriert. Die Gewalt geht zu einem großen Teil auf das Konto von Kartellen und Gangs, die in Drogenschmuggel, Schutzgelderpressung und Benzindiebstahl verwickelt sind. Viele unterhalten Beziehungen zu Politikern und Sicherheitskräften.

          Wie das Kartell Kinder rekrutiert

          Mexikos Regierung warnte vor einer Infiltrierung von Videospielen durch Drogenbanden und die daraus resultierende Gefahr für Kinder. Das organisierte Verbrechen nutze Videospiele sowie Online-Netzwerke wie TikTok und Instagram, um junge Menschen zu rekrutieren, sagte der für Sicherheitsfragen zuständige Staatssekretär Ricardo Mejia vergangenen Mittwoch.

          Als Beispiel führte er den Fall von drei Kindern an, die nach einer mutmaßlichen Kontaktaufnahme im Internet vorübergehend verschwunden waren. Die Polizei habe die drei Kinder im Alter von elf bis 14 Jahren am 9. Oktober wiedergefunden, nachdem ihre Familien sie vermisst gemeldet hatten. Eines der Kinder war demnach im August über ein kostenloses Handy-Spiel in Kontakt mit einem mutmaßlichen Kriminellen gekommen. Der Verdächtige habe dem Kind einen Job angeboten, nachdem sie ihre Unterhaltung auf Facebook weitergeführt hatten, sagte Mejia.

          Die Arbeit habe darin bestanden, „Funkfrequenzen zu überwachen, um vor Polizeipräsenz zu warnen“, sagte er weiter. Die Bezahlung lag demnach bei 8000 Pesos (umgerechnet 340 Euro). Der Minderjährige habe das Angebot angenommen und zudem zwei Schulfreunde angeworben.

          Dem Netzwerk für Kinderrechte in Mexiko (Redim) zufolge werden in Mexiko jedes Jahr tausende Kinder von Drogenhändlern und anderen organisierten Banden rekrutiert.

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