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Mexikanischer Drogenboss : „El Chapo“ muss lebenslang ins Gefängnis

  • -Aktualisiert am

Der mexikanische Drogenboss Joaquin „El Chapo“ Guzman (Archivbild) Bild: dpa

Der mexikanische Drogenboss Joaquín „El Chapo“ Guzmán muss lebenslang ins Gefängnis. Das Strafmaß wurde am Mittwoch in New York verkündet. Zuvor hatte „El Chapo“ das Gericht mit einer Beschwerde überrascht.

          Der mexikanische Drogenbaron Joaquín „El Chapo“ Guzmán verbringt den Rest seines Lebens hinter Gittern. Ein Bundesgericht in Brooklyn verurteilte den Zweiundsechzigjährigen am Mittwoch wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung zu lebenslanger Haft. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft verlängerte das Gericht die Mindeststrafe um weitere 30 Jahre wegen Verstößen gegen Waffengesetze. Nach zwei Jahren in dem berüchtigten Südflügel des Metropolitan Correctional Center, wo vor knapp zwei Wochen auch der Milliardär und mutmaßliche Vergewaltiger Jeffrey Epstein eine Zelle bezog, wird Guzmán seinen Lebensabend voraussichtlich im Bundesgefängnis ADX Florence in Colorado verbringen, das als am besten gesichertes Gefängnis Amerikas gilt.

          Vor der Verkündung des Strafmaßes hatte Guzmán das Gericht mit einer Beschwerde über die Haftbedingungen der vergangenen zwei Jahre überrascht. „Ich wurde gezwungen, verunreinigtes Wasser zu trinken, mir wurden frische Luft und Sonnenlicht verwehrt. Um schlafen zu können, musste ich meine Ohren mit Toilettenpapier zustopfen. Ich wurde jeden Tag 24 Stunden lang körperlich, psychisch und seelisch gefoltert“, klagte der Drogenbaron in seinem ersten Statement vor einem amerikanischen Gericht. Zudem sei das elfwöchige Verfahren gegen ihn durch das angebliche Fehlverhalten der Jury „beschmutzt“ worden.

          Nach der Auslieferung in die Vereinigten Staaten im Januar 2017 und einer Anklage wegen Drogenhandels, Geldwäsche, Entführung und weiterer Verbrechen hatte eine Jury Guzmán vor fünf Monaten schuldig gesprochen. Die Geschworenen sahen es als erwiesen an, dass der ehemalige Führer des Sinaloa-Kartells in den vergangenen fast drei Jahrzehnten mehr als 200 Tonnen Kokain aus Südamerika und Mexiko in den Norden brachte.

          Widersacher in den eigenen Reihen und Mitglieder rivalisierender Banden ließ Guzmán, der wegen einer Körperlänge von 1,68 Metern den Beinamen „Der Kurze“ trägt, immer wieder durch Auftragsmörder hinrichten. Neben Kaltblütigkeit war der Drogenbaron auch durch aufsehenerregende Gefängnisausbrüche bekanntgeworden. Im Jahr 2001 gelang ihm in einem Wäschewagen die Flucht aus einem mexikanischen Gefängnis. Im Sommer 2015 entkam „El Chapo“ durch einen mit Schienen und Belüftung ausgestatteten Tunnel aus der Justizvollzugsanstalt in Altiplano bei Mexiko-Stadt.

          Guzmán ist nicht der einzige Drogenbaron aus Mexiko in einem amerikanischen Gefängnis. Im vergangenen Sommer sprachen Geschworene in Texas schon Juan Francisco Treviño Chavez schuldig, einen Führer des berüchtigten Kartells Los Zetas. Vor „Comandante Kiko“, wie der Neununddreißigjährige genannt wird, war bereits sein Onkel José Treviño wegen Geldwäsche durch Pferderennen zu 20 Jahren Haft in einer amerikanischen Justizvollzugsanstalt verurteilt worden.

          Nachdem ihre Führer festgenommen wurden, beobachten die Justizbehörden seit Jahren ein Zersplittern der Kartelle, das zu Verteilungskämpfen zwischen den einzelnen Gruppen führt. Als Marcos Arturo Beltrán-Leyva, der Chef des Beltrán-Leyva-Kartells, vor zehn Jahren bei einem Schusswechsel mit mexikanischen Soldaten umkam, wurde der Nordwesten des Landes durch Gewaltexzesse heimgesucht. Beltrán-Leyva und seine Brüder hatten bis zum Jahr 2008 eng mit Guzmáns Sinaloa-Kartell zusammengearbeitet. Nach einer Auseinandersetzung sollen „El Chapos“ Anhänger den Drogenclan damals aber an die mexikanischen Justizbehörden verraten haben.

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