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Festnahme von „El Chapo“ : Der Kurze ist geschnappt

  • -Aktualisiert am

Wieder in Haft: Joaquín Guzmán nach seiner Festnahme durch eine mexikanische Elite-Einheit Bild: AP

Dem mexikanischen Drogenboss „El Chapo“ ist seine Eitelkeit zum Verhängnis geworden – und ein Treffen mit dem Schauspieler Sean Penn.

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          Nach der neuerlichen Festnahme von „El Chapo“ spuckte Mexikos Generalstaatsanwalt große Töne. Befragt nach Auslieferungsbegehren aus Washington sagte Jesús Murillo Karam: „Ich habe nichts dagegen – aber erst, wenn ich es sage. ,El Chapo‘ muss zunächst seine Zeit hier absitzen, dann liefere ich ihn aus. Also in dreihundert oder vierhundert Jahren.“ Das war vor gut einem Jahr.

          Andreas Ross

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Nachrichten.

          Joaquín Guzmán Loera alias „der Kurze“ („El Chapo“) saß in einer kargen Einzelzelle von Mexikos angeblich sicherstem Gefängnis. Murillo Karam versicherte, von dort aus werde er weder sein Sinaloa-Kartell weiterführen können, wie er es in den neunziger Jahren aus der Haft getan hatte, noch abermals fliehen wie schon 2001. Einige Wochen später entließ Präsident Enrique Peña Nieto den Generalstaatsanwalt, nachdem Murillo Karam mit patzigen Worten die Empörung über das Verschwinden von 43 Studenten aus Guerrero angefacht hatte. Noch ein bisschen später entließ sich „El Chapo“ selbst aus dem Hochsicherheitsgefängnis.

          Ein Tunnel bis zur Dusche der Zelle

          Seine Helfer hatten einen anderthalb Kilometer langen Tunnel bis zur Dusche seiner Zelle gebohrt. Die Wärter hörten und schauten beflissen weg. Am Freitagabend wetzten nun Elitekräfte der Marine diese Scharte im Stolz der Nation aus. Das Wochenende hat „El Chapo“ schon wieder in dem Gefängnis verbracht, aus dem er 181 Nächte zuvor geflohen war. Peña Nieto verkündete den Erfolg persönlich. Washington lobte die „von Mexiko geplante und durchgeführte Aktion“ in der Küstenstadt Los Mochis. Doch auf Mexikos Souveränität mochte die Regierung Peña Nieto diesmal nicht mehr so laut pochen. Am Samstag verkündete die neue Generalstaatsanwätin Arely Gómez González, der Drogenboss habe drei Tage Zeit, Einspruch gegen seine Auslieferung einzulegen. Er ist in sieben amerikanischen Bundesstaaten wegen Drogenschmuggels und Mordes angeklagt.

          Offenbar sieht der unpopuläre Peña Nieto inzwischen eine größere Gefahr für Mexikos Ruf in der Aussicht, dass „El Chapo“ ein weiteres Mal entwischen könnte, als in einer Auslieferung – auch wenn diese einem Eingeständnis der unbeherrschbaren Korruption gleichkäme. Überraschend ist es nicht, dass das Sinaloa-Kartell das Armdrücken gegen den Justizvollzug wieder und wieder gewinnt. Seinen Marktwert veranschlagen Fachleute auf drei Milliarden Dollar.

          Und Guzmáns Privatarmee aus allzeit mordbereiten „Sicarios“ besitzt ihre eigene Überredungskunst. Allerdings ist auch diesmal nicht damit zu rechnen, dass sich „El Chapo“ bald im orangefarbenen Häftlingsoverall eines amerikanischen Bundesgefängnisses zeigen muss. Denn die Mexikaner wollen beweisen, dass sie das rechtsstaatliche Verfahren einhalten. Erst kürzlich ist ein Drogenboss der Justiz wegen formaler Versäumnisse vom Haken gegangen. Guzmáns Anwälte haben schon Einspruch angekündigt. Bis zu einer Entscheidung oder gar Auslieferung dürften viele Monate vergehen.

          Guzmán plante einen Film über sein Leben

          Niemand bezweifelt, dass Guzmáns Helfer mit umso größerem Eifer an ihrem nächsten Befreiungscoup arbeiten werden. Allerdings haben sich die Sicherheitskräfte als lernfähig erweisen. Auf das Haus in Los Mochis, wo sich Guzmán versteckte, waren sie aufmerksam geworden, weil sie Tunnelbauer observiert hatten, die auch in diesem Haus einen Fluchttunnel für „El Chapo“ gegraben hatten. Deshalb lieferten sich die Soldaten diesmal nicht nur ein langes Feuergefecht mit den „Sicarios“ vor dem Haus. Als „El Chapo“ versuchte, über die Kanalisation zu flüchten, erwarteten ihn dort weitere Soldaten. Trotzdem gelang es dem nach langer Verfolgungsjagd nassen und stinkenden Guzmán, durch einen Kanaldeckel auf die Straße zurückzugelangen und ein Auto zu kapern. Vor der Autobahnauffahrt war die Reise dann zu Ende.

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