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Vandalismus in Russland : Metro-Pavillons in Moskau abgerissen

„Moskau wird nie wieder das alte sein“, heißt es bei Twitter. Bild: dpa

Die Pavillons um die Metro-Stationen Moskaus sind eine beliebte Anlaufstelle – etwa für einen Imbiss, Blumen oder um das Handy-Guthaben aufzuladen. 97 von ihnen wurden nun über Nacht abgerissen. Einen ähnlichen Fall gab es schon mal.

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          Für Bewohner der russischen Hauptstadt waren die Pavillons um die Metro-Stationen immer eine feste Anlaufstelle. Man ging hin, um einen Imbiss zu nehmen, Blumen zu kaufen, das Handy-Guthaben aufzuladen. In der Nacht auf Dienstag hat die Moskauer Stadtverwaltung 97 dieser Bauten abgerissen, von der Bude bis zum geräumigen Laden. Zuvor war eine Frist für die Besitzer abgelaufen, die Bauten selbst zu entfernen.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Bürgermeister Sergej Sobjanin begründete den Schritt mit einer „Gefahr“, die von den in den neunziger Jahren entstandenen Bauten ausgehe, und mit „Unbequemlichkeiten“, die sie den Moskauern auf dem Weg zur U-Bahn verursachten. Sobjanin versprach den Besitzern, sie dürften an anderer Stelle neue Läden bauen. Wo und wann, war nicht klar, auch von finanziellen Hilfen für die Händler war nichts zu hören.

          Ähnlich war der Bürgermeister schon in früheren Jahren gegen Händler vorgegangen, die sich in Unterführungen und um Metro-Stationen angesiedelt hatten. Im Dezember hatte die Stadtführung beschlossen, dass insgesamt 104 Pavillons als Schwarzbauten weichen müssten. Viele der Besitzer konnten auf Erlaubnisse und Gerichtsentscheidungen bis in die höchste Instanz verweisen, die bestätigten, dass sie ihre Bauten gesetzmäßig errichtet hätten. Ihr Protest blieb fruchtlos.

          Auch Plakate mit dem Foto von Präsident Wladimir Putin, der in Russland oft als Schutzpatron gegen Unbotmäßigkeiten niederer Chargen fungiert, halfen nichts. In der Nacht wurden einige Verkäufer festgenommen, die ihre Läden nicht räumen wollten. Von der Stadtverwaltung hieß es am Dienstag, man erwäge, an Stelle der Pavillons Parkplätze einzurichten. Auf Twitter wurden unter einem Hashtag, der auf Deutsch „Nacht der langen Bagger“ lautet, Fotos verbreitet, die eindrucksvoll die Zerstörungen dokumentieren. „Moskau wird nie wieder das alte sein“, schrieb eine Nutzerin.

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