https://www.faz.net/-gum-9ww1s

Reaktionen auf Weinstein : „Das ist nur der Beginn der Gerechtigkeit“

  • -Aktualisiert am

Harvey Weinstein am 24. Februar im New Yorker Gericht. Bild: AFP

Eine Gruppe um #MeToo-Initiatorinnen bezeichnete die Verurteilung Harvey Weinsteins als Teilsieg, zeigte sich jedoch enttäuscht vom Umfang des Urteils. Weinsteins Verteidigerin kündigte an, in Berufung gehen zu wollen.

          2 Min.

          Harvey Weinsteins Verteidiger müssen geahnt haben, was auf ihren Mandanten zukommt. Kurz vor dem Schuldspruch unternahmen sie am Montag einen letzten Versuch, den Vergewaltigungsprozess gegen Hollywoods früheren Filmmogul doch noch platzen zu lassen. Immer wieder hatten sich die Geschworenen aus dem Beratungsraum des Obersten Gerichtshofs des Bundesstaats New York gemeldet. Mal baten sie um Protokolle der Zeugenaussagen, mal fragten sie nach Hinweisen zu juristischen Feinheiten. Dass die Jury nach fünf Tagen Beratungen doch noch zu einem einstimmigen Urteil kam, scheint niemandem mehr überrascht zu haben als Weinstein.

          Auf dem Weg zur Gefängnisinsel Rikers Island, wo der 67-Jährige die Wochen bis zur Strafmaßverkündung am 11. März verbringen sollte, erlitt er einen Zusammenbruch. Mit stark erhöhtem Blutdruck und Herzschmerzen wurde der Produzent in die Gefängnisstation des Bellevue Hospital Center in Manhattan gebracht. Wie seine Anwältin Donna Rotunno einige Stunden später versicherte, gehe es ihrem Mandanten gesundheitlich wieder besser. Vertraute sagten der „New York Post“, der schauspielererfahrene Filmemacher habe mit den angeblichen Beschwerden „etwas zu dick aufgetragen“.

          Nach Schuldsprüchen zu zwei der insgesamt fünf Anklagepunkte riefen die „Silence Breakers“, eine Gruppe um #MeToo-Initiatorinnen wie Rose McGowan, Taylor Swift und Megyn Kelly, derweil einen Teilsieg aus. „Es ist enttäuschend, dass das Urteil der Gerechtigkeit nicht in vollem Umfang Genüge getan hat. Zumindest ist Harvey Weinstein von heute an als verurteilter Serienverbrecher bekannt“, teilten sie mit. Die Geschworenen hatten den Gründer der Filmgesellschaften Miramax und The Weinstein Company (TWC) wegen Vergewaltigung der früheren Schauspielerin Jessica Mann 2013 und erzwungenem Oralsex bei der Produktionsassistentin Mimi Haleyi 2006 für schuldig erklärt. Die übrigen drei Anklagepunkte zu „Predatory sexual assault“, besonders schwerwiegenden sexuellen Übergriffen gegen die beiden Opfer, sah die Jury aber nicht als erwiesen an.

          Weinstein will in Berufung gehen

          Weinstein droht nun eine Höchststrafe von 29 Jahren. „Das ist nur der Beginn der Gerechtigkeit. Es wird mehr folgen“, schrieb die Schauspielerin Mira Sorvino in sozialen Medien. Zur Überraschung vieler Prozessbeobachter trat auch Cyrus Vance, der Bezirksstaatsanwalt von Manhattan, vor die Mikrofone. „Heute ist ein großer Tag. Wir haben für die Opfer von sexueller Gewalt ein neues Klima geschaffen. Harvey Weinstein wurde endlich für seine Verbrechen zur Verantwortung gezogen“, sagte der Demokrat, der vor fünf Jahren nach Anschuldigungen des italienischen Models Ambra Gutierrez unerwartet auf eine Anklage gegen den Produzenten verzichtet hatte. Schon im Jahr 2011 waren Vorwürfe gegen Vance laut geworden, als er die Ermittlungen gegen Dominique Strauss-Kahn, den früheren Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), nach der mutmaßlichen Vergewaltigung eines Zimmermädchens abrupt einstellte.

          Weinsteins Verteidigerin Rotunno kündigte inzwischen an, „so schnell wie möglich“ einen Berufungsantrag zu stellen. In Kalifornien erwartet den Produzenten bereits der nächste Prozess. Nach einer Anklage wegen sexuellen Missbrauchs von zwei mutmaßlichen Opfern drohen ihm in Los Angeles unter Umständen weitere 28 Jahre Haft.

          Weitere Themen

          Fährt dieser Wagen noch einmal vor?

          Streit um Goldene Kutsche : Fährt dieser Wagen noch einmal vor?

          Sie bringt den niederländischen König zur Thronrede, doch laut Kritikern verherrlicht eine Abbildung auf der Goldenen Kutsche den Kolonialismus. Nun ist das royale Gefährt im Museum zu besichtigen – für immer?

          Topmeldungen

          Aktivisten der Bewegung Fridays for Future in Berlin

          F.A.Z. Frühdenker : Folgt auf das Klimaschutzgesetz ein Sofortprogramm?

          Armin Laschet und Markus Söder stellen das Wahlprogramm der Union vor. Deutschland bereitet sich auf die Ausbreitung der Delta-Variante vor. Und in Frankfurt wird der Preisträger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels verkündet. Der F.A.Z.-Newsletter für Deutschland.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.