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Methadon-Tod einer Elfjährigen : Chantals Pflegeeltern zu Bewährungsstrafen verurteilt

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Chantals Pflegeeltern am Donnerstag auf dem Weg ins Gericht Bild: dpa

Chantal starb im Alter von elf Jahren an einer Überdosis Methadon, das sie in der Wohnung fand. Das Hamburger Landgericht sah die Verantwortung dafür bei ihren drogensüchtigen Pflegeeltern. Die beiden wurden nun zu Bewährungsstrafen verurteilt.

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          Das Mädchen Chantal starb an einer Überdosis Methadon – deshalb hat das Hamburger Landgericht die Pflegeeltern der Elfjährigen am Donnerstag wegen fahrlässiger Tötung zu Bewährungsstrafen verurteilt. Der 54 Jahre alte Pflegevater erhielt ein Jahr Haft auf Bewährung, die vier Jahre jüngere Pflegemutter acht Monate auf Bewährung. Das Mädchen soll in der Wohnung seiner drogenabhängigen Pflegeeltern in Hamburg-Wilhelmsburg Zugang zu der Heroin-Ersatzdroge gehabt haben.

          Damit blieb das Gericht unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die für den Vater eine zweieinhalbjährige Haftstrafe und für die Mutter eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verlangt hatte. „Sicherheitsmaßnahmen trafen die Angeklagten nicht, obwohl ihnen als langjährige Betäubungsmittelkonsumenten die Gefahren bewusst waren“, erklärte der Vorsitzende Richter. Chantal war vor drei Jahren an den Folgen einer Methadon-Vergiftung gestorben.

          Von Drogenabhängigen zu Drogenabhängigen

          Die meisten Menschen im kurzen Leben der kleinen Chantal waren entweder Alkoholabhängige, Junkies, Ex-Junkies auf Ersatzdroge - oder tot. Ihre Mutter war alkoholabhängig und starb, der Vater war drogensüchtig. Mit acht Jahren kommt sie zu Pflegeeltern, die ebenfalls drogenabhängig sind. Sie haben eine Tochter, die auch dem Rauschgift verfällt. Und da sind Freunde von Freunden, für die Alkohol und illegale Drogen feste Bestandteile ihres Lebens sind.

          Am 16. Januar 2012 stirbt Chantal an einer Methadon-Tablette, eine Ersatzdroge für Rauschgiftabhängige. Chantal wurde nur elf Jahre alt.

          Der Richter Rüdiger Göbel ist in seiner einstündigen Urteilsbegründung betont um Sachlichkeit bemüht. Zu sehr waren die Emotionen immer wieder hochgekocht, damals, als über den Fall berichtet wurde - und jetzt wieder während der elf Verhandlungstage.

          Sorglose Pflegeeltern

          Was passierte damals? Nach Ansicht des Gerichts ließen die Pflegeeltern Chantal und die drei anderen Kinder an dem Abend allein. Als der Elfjährigen schlecht wurde, rief Chantal erst den Pflegevater, dann die Pflegemutter an. Die 50 Jahre alte Frau habe sich damit begnügt, an dem unglückseligen Abend telefonische Anweisungen zu geben, welches Medikament das Mädchen nehmen solle. Sie kehrte erst am Nachmittag des nächsten Tages nach Hause zurück.

          Der Pflegevater habe sich nicht gründlich genug vergewissert, wie es dem Mädchen ging, sagt Richter Göbel. Am nächsten Tag ging der 50-Jährige kurz vor Mittag zur Arbeit. „Er hätte versuchen müssen, sie zu wecken.“ Da wäre sie noch zu retten gewesen, hatten Sachverständige betont.

          Das Urteil gegen beide lautet auf fahrlässige Tötung. Und beide Angeklagte, die längst kein Paar mehr sind, nehmen den Schuldspruch ohne äußere Regung hin. Bis zu fünf Jahre Haft hätte der Richter verhängen können. Er entscheidet sich aber für Haftstrafen, die zur Bewährung ausgesetzt werden. Zugleich erinnert der Richter beide an ihre lebenslange Strafe: „Sie werden damit leben müssen, den Tod Chantals verschuldet zu haben.“

          Chantal nur ein Fall vieler misshandelter Kinder

          Chantals Tod wurde und wird von vielen in eine Reihe mit anderen Fällen misshandelter und getöteter Kinder gestellt - wie dem der dreijährigen Yagmur: Das Mädchen stand von Geburt an unter der Aufsicht der Jugendämter. Dennoch wurde das Kind von seiner Mutter über viele Monate so schwer misshandelt, dass es schließlich starb. Doch der Richter sagt: „Der Vergleich mit anderen traurigen Fällen in Hamburg ist nicht zulässig.“ Denn Chantal sei nicht verwahrlost gewesen. Dennoch habe es in den Medien quasi Vorverurteilungen gegeben.

          Aber auch die immer wieder geäußerten Vorwürfe gegen das Jugendamt seien falsch, hob der Richter besonders hervor. Die Arbeit des Jugendamts sei nicht Gegenstand des Verfahrens gewesen. Unabhängig davon könne das Gericht kein Fehlverhalten erkennen. Die Ermittlungen gegen Jugendamtsmitarbeiter seien darum zu Recht eingestellt worden.

          Der Tod Chantals hatte bereits 2012 Konsequenzen. Die Sozialbehörde verschärfte die Regeln für Pflegeeltern. Seitdem sind Drogentest und Führungszeugnis für alle Straftaten notwendig. Die Leiterin des Jugendamtes Hamburg-Mitte musste kurz darauf gehen, der Leiter des Bezirksamtes Mitte trat zurück. Später stellte der Untersuchungsbericht der Behörden fest: Chantal hätte nie in diese Familie kommen dürfen.

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