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Metalldiebstahl auf Friedhöfen : Altmetall statt Totenruhe

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Künstliche DNA unter UV-Licht
Künstliche DNA unter UV-Licht : Bild: dapd

Metalldiebe in Deutschland lassen sich in zwei Gruppen einteilen. Zum einen gibt es organisierte Banden, welche - nicht nur auf Friedhöfen - an schweren Gegenständen aus Buntmetall interessiert sind. Auf Friedhöfen sind das vor allem Grabschalen. Eine Begräbnisstätte unterscheidet sich für sie nur unwesentlich von einem Lagerplatz für Altmetall. Das Diebesgut verkaufen sie anschließend an Altmetallhändler. Eine Grabschale bringt dort bis zu 50 Euro. Es gibt aber auch die Einzeltäter, die ihr Diebesgut nicht beim Altmetallhändler verkaufen, sondern auf dem Schwarzmarkt oder auf Flohmärkten. Sie klauen Grabinschriften, die dreisteren unter ihnen auch ganze Statuen. Solche Täter gab es schon vor dem Anstieg der Buntmetallpreise. Die Einzeltäter haben es nicht auf den Schrottwert des Metalls abgesehen, sondern auf den Marktwert der kunstvollen Diebesgüter. Gegen sie sind Polizei und Opfer meistens machtlos. Flohmärkte abzusuchen, um einzelne Buchstaben von Grabinschriften wiederzufinden, deren Herkunft kaum nachweisbar ist, gleicht einem sinnlosen Unterfangen.

Seltene Ermittlungserfolge

Den organisierten Banden hingegen können Ermittler durch die Überwachung der Altmetallhändler eher auf die Spur kommen. Die Anzahl der Diebstähle nimmt in verschiedenen Regionen Deutschlands in Phasen zu und wieder ab. „Das sind Gruppen, die suchen erst in einer Gegend nach Diebesgut, dann kommen sie wieder und schrauben alles Wertvolle ab“, sagt ein Sprecher der Frankfurter Polizei. Die Täter schlagen zu, bis alle wertvollen Gegenstände gestohlen sind oder das Entdeckungsrisiko zu hoch wird. Dass manche Altmetallhändler nicht die Polizei rufen, wenn ihnen Dutzende Grabschalen zum Kauf angeboten werden, könnte mit Gutgläubigkeit, aber auch mit Geldgier zu tun haben.

Im April 2012 gelang der Wiesbadener Polizei einer der seltenen Ermittlungserfolge im Zusammenhang mit Friedhofsdiebstählen. Bei einem Altmetallhändler fand die Polizei 150 Grabschalen, nachdem zuvor in der Region vermehrt Diebstähle auf Friedhöfen gemeldet wurden. Eine Gruppe Bulgaren hatte die Schalen abwechselnd beim Altmetallhändler verkauft. Dieser hatte vorschriftsgemäß die Personalien und Kennzeichen der Männer notiert. Durch die Fahndung nach den Kennzeichen konnte schließlich einer der Täter gefasst werden. Weshalb der Altmetallhändler in kürzester Zeit massenhaft Grabschalen aufkaufte, ohne von sich aus die Polizei zu informieren, konnte er den Ermittlern nicht erklären.

„Das sind die Ärmsten der Armen“

Der Hintergrund der Buntmetalldiebe ist schwer zu ermitteln. Je nach Region scheint die überwiegende Herkunft der festgenommenen Täter zu variieren. Deutsche Täter finden sich überall, im Nordosten Deutschlands sind zudem viele Täter aus Polen aktiv, aber auch aus dem Balkan. Im Süden des Landes weisen mehrere Kriminalstatistiken der Polizei darauf hin, dass es sich bei den meisten Festgenommenen im Zusammenhang mit Buntmetalldiebstählen um Bulgaren oder Rumänen handelt. „Die Täter kommen fast alle aus Rumänien oder Bulgarien“, sagt auch ein Polizeisprecher in Frankfurt. Obwohl die Statistik keine ethnischen Zugehörigkeiten erfasst, heißt es in Kreisen der Ermittler, dass es sich bei vielen Tätern wahrscheinlich um Roma handelt.

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