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Beziehungstat in Goslar : Fünfeinhalb Jahre Haft nach Messerattacke in Schule

  • Aktualisiert am

Der 19 Jahre alte Angeklagte wird in Handschellen in den Gerichtssaal in Braunschweig geführt. Bild: dpa

Auf dem Schulflur sticht ein junger Mann mit zwei Küchenmessern auf seine frühere Freundin ein, die wird dabei lebensgefährlich verletzt. Das Gericht urteilt nun eindeutig gegen den 19 Jahre alten Angreifer.

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          Für die Messerattacke auf seine frühere Freundin in einer Schule ist ein 19-Jähriger zu fünfeinhalb Jahren im Gefängnis verurteilt worden. Der junge Mann wurde am Montag wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung vom Landgericht Braunschweig verurteilt. Er hatte im Februar in einem Berufsschulzentrum in Goslar seine damals 18 Jahre alte ehemalige Freundin niedergestochen und lebensgefährlich verletzt.

          Rund zwei Dutzend Schüler erlebten den Gewaltexzess auf dem Flur der Berufsschule Goslar-Baßgeige damals mit. Der Angeklagte nahm an dem Tatmorgen noch an einer Doppelstunde Mathe teil, bevor er in der Pause seine damals 18 Jahre alte frühere Freundin mit zwei Messern angriff. Die junge Frau erlitt 13 Stichverletzungen im Rücken, Hals, Bauch, Brust und Unterarm. Sie wurde notoperiert und blieb rund eine Woche im Krankenhaus. Einige Schüler mussten von Seelsorgern betreut werden. Nach Angaben des Anwalts leidet das Opfer noch immer unter den Folgen des Angriffs und ist in Behandlung.

          Das letzte Wort vor dem Urteil nutzte der junge Deutsche für eine Entschuldigung. Es tue ihm leid, was er dem Opfer und dessen Umfeld angetan habe. „Ich bin froh, dass sie überlebt hat“, sagte der 19-Jährige. Schon während des Prozesses hatte er ein umfassendes Geständnis abgelegt. Die Zeit im Gefängnis wolle er für eine Therapie nutzen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, weil noch eine Revision möglich ist. Das Opfer war bei der Urteilsverkündung nicht im Saal.

          Die Stiche auf dem Schulflur waren das tragische Ende einer zunächst harmonischen Beziehung. Im Prozessverlauf wurde klar, dass sich Streitigkeiten und Meinungsverschiedenheiten bei dem Paar häuften. Nach einer einvernehmlichen Trennung wünschte sich nur der Angeklagte wieder eine Beziehung. Kurz vor der Tat tauchten dann Fotos von der jungen Frau im Internet auf, von denen sich Angeklagte gekränkt fühlte.

          Am Tattag konnte die Schülerin nach Auffassung des Gerichts überhaupt nicht mit dem Angriff rechnen. Der Angeklagte habe heimtückisch gehandelt. Niedrige Beweggründe für die Attacke sah die Kammer hingegen nicht. Denn als Hauptmotiv erkannte das Gericht die Verzweiflung über die Trennung. Trotz einer bescheinigten Persönlichkeitsstörung war der 19 Jahre alte Schüler aus Sicht der Richter voll schuldfähig.

          Mit der Verurteilung zu einer Jugendstrafe von fünfeinhalb Jahren, blieben sie dennoch deutlich unter den Forderungen von Staatsanwaltschaft und Nebenklage. Diese hatten siebeneinhalb und neuneinhalb Jahre Gefängnis gefordert, der Verteidiger hatte keinen Antrag gestellt.

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