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Zwei Tote im Regionalzug : Mutmaßlicher Täter erst vor wenigen Tagen aus Haft entlassen

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Nach der Attacke: Sicherheitsleute der Deutschen Bahn stehen im Morgengrauen auf dem Bahnsteig im Bahnhof von Brokstedt. Bild: dpa

Der Mann, der in einem Regionalzug zwei Menschen mit einem Messer getötet und mehrere verletzt haben soll, war erst vor wenigen Tagen aus der Haft entlassen worden. Laut eines Berichts soll der Haftgrund ein ähnliches Delikt gewesen sein.

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          Im Fall des Angriffs in einem Regionalzug von Kiel nach Hamburg, bei dem ein Mann am Mittwoch zwei Menschen getötet und mehrere verletzt hat, gibt es laut Ermittlern keine Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund. Das sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Itzehoe, Peter Müller-Rakow der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag.

          Am Mittwochnachmittag hatte der Mann während der Fahrt auf mehrere Fahrgäste eingestochen. Bei dem Täter handelt es sich den Angaben zufolge um einen 33 Jahre alten staatenlosen Palästinenser. Der mutmaßliche Täter saß bis vor kurzem noch in einer Hamburger Justizvollzugsanstalt (JVA). Grund sei ein Körperverletzungsdelikt gewesen, teilte die Polizeidirektion im schleswig-holsteinischen Itzehoe am Donnerstag mit. Nach dpa-Informationen war der Mann in der Hamburger JVA Billwerder untergebracht. Zuletzt war der staatenlose Palästinenser nach Polizeiangaben ohne festen Wohnsitz. Zuvor soll er der dpa zufolge mehrere Jahre lang im nordrhein-westfälischen Euskirchen gemeldet gewesen sein.

          Laut dem „Spiegel“ saß der Mann bis zum 19. Januar wegen eines ganz ähnlichen Delikts in Untersuchungshaft. Demnach soll der Mann im Januar 2022 bei einer Essensausgabe für Wohnungslose auf einen Mann eingestochen haben. Der „Spiegel“ beruft sich auf die Aussage des Hamburger Gerichtssprechers Kai Wantzen. Die zugefügten Verletzungen seien laut Wantzen „potenziell lebensbedrohlich“ gewesen. Der mutmaßliche Täter hatte angegeben, vor der Tat große Mengen Kokain, Heroin und Alkohol konsumiert zu haben.

          Der mutmaßliche Täter war außerdem noch kurz vor der Tat am Mittwoch in der Kieler Ausländerbehörde. Der 33-Jährige habe eine Aufenthaltskarte beantragt, sagte Schleswig-Holsteins Innenministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU) am Donnerstag in einer Sondersitzung des Landtags. Von dort sei er zum Einwohnermeldeamt geschickt worden.

          Mutige Passagiere verhinderten Schlimmeres

          Der mutmaßliche Täter soll am Nachmittag dem Haftrichter vorgeführt werden. Dutzende Menschen wurden Zeugen des Verbrechens, mutige Passagiere verhinderten wohl Schlimmeres.

          Bei den beiden Opfern des Angriffs handelt es sich um einen 19 Jahre alten Mann und eine 17 Jahre alte Frau. „Die Opfer sind einmal weiblich und einmal männlich. Alles Weitere folgt im Laufe des Tages“, sagte eine Sprecherin der Polizei am Donnerstag in Itzehoe. Die Identität der beiden Toten sei ebenfalls geklärt. „Da werden wir heute sicher auch was sagen.“ Der Zustand und die Schwere der Verletzungen der übrigen Opfer war am Morgen zunächst unklar.

          Auch  Innenministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU) äußerte sich am Donnerstag in der Sondersitzung zur Identität der 17-Jährigen und des 19-Jährigen, die getötet wurden: „Sie kannten sich.“ Am Morgen hatte die Ministerin das Alter des Mädchens noch mit 16 Jahren angegeben.

          Hinweise, dass der Angreifer geistig verwirrt sein könnte

          Nach Polizeiangaben kam der mutmaßliche Täter mit leichten Verletzungen in ein Krankenhaus. „Die Hintergründe sind noch unklar“, sagte eine Polizeisprecherin. Es gab erste Hinweise, dass der mutmaßliche Angreifer geistig verwirrt sein könnte. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen. Nach vorläufigen Erkenntnissen war er in Norddeutschland bislang nicht als Extremist aufgefallen.

          Nach übereinstimmenden Medienberichten soll der Mann aber mehrfach polizeilich in Erscheinung getreten und mehrfach vorbestraft sein. Insgesamt zwölfmal sei gegen ihn ermittelt worden. Laut Sicherheitskreisen ging es unter anderem um Verfahren wegen Bedrohung, Körperverletzung, Sachbeschädigung, Ladendiebstahls und sexueller Belästigung. Laut „Bild“ spielten sich die Taten zwischen 2015 und 2020 in Euskirchen, Bonn, Bad Münstereifel und Köln ab.

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