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Todesfall in Österreich : Mord mit Maiglöckchen?

Ein Maiglöckchenstrauch, fotografiert im Jahr 2015. Die Pflanze ist stark giftig. Bild: AFP

In Österreich sorgt ein Geständnis für Aufsehen: Eine Frau, die bereits anderer Straftaten verdächtigt wird, will einen Senioren ermordet haben – mit einem Püree aus Maiglöckchen-Blättern.

          Ein merkwürdiger Mordanschlag hat sich offenbar im österreichischen Bundesland Kärnten zugetragen. Und ist dabei nur die neueste Wendung in einem ohnehin aufsehenerregenden Kriminalfall. Eine 44 Jahre alte Frau, die wegen eines weiteren Mordes in Untersuchungshaft war, hat laut Medienberichten gestanden, einen 95 Jahre alten Kärntner mit einem Püree aus Maiglöckchen-Blättern vergiftet zu haben.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent für Österreich und angrenzende Länder mit Sitz in Wien.

          Tatsächlich war der Mann im vergangenen Mai verstorben. Damals wurde eine natürliche Todesursache bescheinigt – obwohl der Mann die Frau offenbar wenige Wochen vor seinem Tod angezeigt hatte, weil sie versucht habe, ihm „etwas in den Mund“ zu spritzen oder einzuführen. Unklar ist, ob sein Tod womöglich von jenem Ereignis herrührt oder es einen weiteren Giftanschlag gab. Eine Obduktion ist nicht mehr möglich, der Leichnam wurde eingeäschert. Maiglöckchen sind sehr giftig. Ihre Blätter ähneln denen des Bärlauchs, der sich von ihnen vor allem durch seinen Knoblauchgeruch unterscheidet.

          Die Geständige gab an, zu der Tat von einer anderen, 48 Jahre alten Frau, die als Margit T. bezeichnet wird, angestiftet worden zu sein. Margit T. habe es auf das Erbe des alten Mannes abgesehen gehabt. Aus dem gleichen Grund habe die andere sie auch zum Mord an einer 72 Jahre alten Frau aus Villach angestiftet, den sie schon früher gestanden hatte. Die Frau wurde erdrosselt. In beiden Fällen will die Frau, die die Taten ausführte, von der Anstifterin in eine Art Trance versetzt worden sein und unter dieser Einwirkung gehandelt haben. Sie habe selbst nichts davon gehabt, die andere habe aber „Millionen eingestreift“. T. bestreitet die Vorwürfe laut ihrem Anwalt.

          Geld durch Trickbetrug erbeutet

          Die beiden Frauen wurden im November zusammen mit einer dritten verhaftet, ursprünglich wegen Brandstiftung. Dann kam heraus, dass sie offenbar mit Trickbetrügereien von mehreren alten Menschen Geld erbeutet hatten. Von bis zu einer Million Euro war die Rede. Beispielsweise sollen sie Krankheiten vorgetäuscht und um Geld für Arztrechnungen gebeten haben. Eine andere Methode, die in diesem Fall freilich fehlschlug, wurde Anfang März bekannt: Die dritte der festgenommenen Frauen, Melitta O., heute 61 Jahre alt, hatte 2013 einen Bauern beschuldigt, er habe ihr 114.000 Euro abgenommen.

          Sie ging vor Gericht, um dieses Geld zu erstreiten. Zwar wurde sie dort abgewiesen, aber der Bauer blieb auf den Prozesskosten – laut der „Kleinen Zeitung“ rund 23.000 Euro – sitzen. Jetzt gab die Frau zu, das alles nur erfunden zu haben. Auch sie gab an, von Margit T. unter allerlei esoterischen Einwirkungen (eine „höhere Macht“ wolle es, sie spreche durch ein „Medium“) angestiftet worden zu sein. Margit T., die als „Energetikerin“ firmiert, ist bereits wegen Betrugs vorbestraft. Auch da ging es um Geld, das durch obskure Versprechungen ergaunert wurde.

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