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Menschenhandel in Europa : „Alarmierender Trend“

  • -Aktualisiert am

Die Zahl der Opfer von Menschenhandel in Europa steigt - in den vergangenen drei Jahren um 18 Prozent. Die Zahl der verurteilten Täter hingegen nimmt nach einer Studie der EU-Kommission ab.

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          Die Statistik wirkt erschreckend, lässt das Ausmaß des Menschenhandels in Europa jedoch allenfalls erahnen. 9528 Personen, davon mehr als zwei Drittel erwachsene Frauen und 15 Prozent Kinder, wurden zuletzt (2010) Opfer von Einzeltätern oder kriminellen Organisationen. Dies entsprach einer Zunahme um 18 Prozent innerhalb von drei Jahren.

          Von einem „alarmierenden Trend“ sprach die für die Bekämpfung des Menschenhandels zuständige EU-Kommissarin Cecilia Malmström am Montag bei der Vorstellung einer umfassenden Studie. Die schwedische Politikerin gab jedoch zugleich zu bedanken, dass es sich bei dem vom EU-Statistikamt Eurostat zusammengetragenen Datenmaterial nur um die „Spitze des Eisbergs“ handele. So schätzt die in Genf ansässige Internationale Arbeitsorganisation (ILO), dass es in Europa 880.000 Opfer des Menschenhandels gibt.

          Zweck der EU-Studie ist es nicht nur, einen genaueren Einblick in das kriminelle Treiben der Täter zu erhalten, die Menschen in die Prostitution und vielfältige Formen der Zwangsarbeit treiben. 62 Prozent der in der statistischen Übersicht erfassten Fälle entfielen auf sexuelle Ausbeutung der Opfer, 25 Prozent auf Zwangsarbeit sowie 14 Prozent auf andere Formen wie illegalen Handel mit menschlichen Organen oder „Verkauf“ von Kindern.

          Malmström prangerte „Sklavenarbeit“ in der Landwirtschaft, in Fabriken und in Privathaushalten an. Sie erinnerte ferner an das Schicksal vieler zur Bettelei gezwungen Menschen, unter ihnen viele Angehörige der Roma-Minderheiten aus Bulgarien und Rumänien. 2010 stammten 2603 und damit mehr als ein Viertel der von der offiziellen Statistik registrierten Opfer aus den beiden südosteuropäischen Ländern. Sogar mehr die Hälfte der insgesamt fast 1200 Strafverfahren gegen EU-Bürger wegen Menschenhandels entfiel 2010 auf Staatsbürger Rumäniens (530) und Bulgariens (195).

          Die meisten Opfer aus Ländern außerhalb der EU stammten zuletzt aus Nigeria (338), China (248) sowie Paraguay und der Dominikanischen Republik (jeweils 142). Der EU-Bericht zeigt ferner, dass einer Zunahme der in den Jahren 2008, 2009 und 2010 offiziell festgestellten Zahl der Missbrauchsopfer um 18 Prozent ein Rückgang der Zahl der verurteilten Menschenhändler um fast 13 Prozent - von 1534 auf 1339 - gegenübersteht. Kommissarin Malmström führte dafür vor allem zwei Gründe an: Einerseits sei es oft schwer, die Vergehen zu weisen, andererseits hätten die Opfer oft Angst, gegen ihre Peiniger auszusagen.

          Sie zeigte sich wenig angetan davon, dass mit Finnland. Lettland, Polen, Schweden, der Tschechischen Republik und Ungarn erst sechs der 27 EU-Staaten die 2011 vereinbarte europäischen Rahmengesetzgebung zur Bekämpfung von Menschenhandel fristgerecht bis Anfang April in ihr innerstaatliches Recht übertragen haben. Mit der Regelung soll es zum ersten Mal eine für alle EU-Länder gleichlautende Definition des Begriffs „Menschenhandels“ geben, die eine strafrechtliche Verfolgung erleichtern soll.

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