https://www.faz.net/-gum-1115x

„Meine 247 Tage im Knast“ : Marco W. mit Buch, aber ohne Anwälte

Mit längeren Haaren und neuer Brille: Marco Weiss ist erwachsen geworden Bild: dpa

Marco Weiss hat ein Buch geschrieben und zwei Verteidiger verloren. Die Anwälte waren gegen eine Veröffentlichung von „Meine 247 Tage im Knast“, weil der Prozess noch läuft. Sie legten ihr Mandat nieder. Die Verantwortung liegt bei Marco.

          1 Min.

          Marco Weiss will allen die Wahrheit erzählen. Nun ist er mit seinem Buch allein - jedenfalls vor Gericht. Der Junge aus Uelzen, der vor eineinhalb Jahren in der Türkei verhaftet wurde, weil er eine 13 Jahre alte Engländerin vergewaltigt haben soll, hat in dieser Woche seine juristischen Beistand verloren.

          Beide Verteidiger haben ihr Mandat niederlegt, weil Marco seine Biografie „Meine 247 Tage im Knast“ veröffentlicht hat und Auszüge in der „Bild” vorabdrucken ließ, ohne seine Anwälte zu informieren und obwohl der Prozess noch läuft. „Der Schritt war nun unvermeidbar“, sagte Anwalt Matthias Waldraff.

          „Entsetzt“ und enttäuscht

          Die Verlage haben riskiert, dass das Buch möglichweise negative Auswirkungen auf den weiteren Prozessverlauf haben könnte. Doch die Verantwortung lag offensichtlich bei Marco Weiss. Er hat eine bewusste Entscheidung für die vorzeitige Veröffentlichung getroffen. Und er hat sich gegen seine Verteidiger gewendet, die bisher zwar keinen Freispruch, aber immerhin seine Freilassung erreicht haben.

          Die Strategie der Anwälte war von Anfang an konsequent: Nagel und Waldraff haben sich in Talkshows, Interviews und Stellungnahmen mit Wertungen und Spekulationen zurückgehalten, um der türkischen Justiz keine Gründe für eine Verurteilung zu liefern. Dass die Verteidiger nun „entsetzt“ und enttäuscht sind, überrascht nicht. „Der Junge wird es selber nicht gewesen sein, der die Strategie der maximalen medialen Vermarktung ausgewählt hat“, sagen sie.

          „Hässliches Buch“

          Auch wenn sich viele Experten einig sind, dass Marcos Prozess sehr zäh verläuft und ungewöhnlich lange dauert, gab es unterschiedliche Spekulationen über die Ursachen. Die türkischen Richter seien überlastet und verschöben daher immer wieder den Prozess, mutmaßten die einen. Andere glaubten, dass die türkeikritischen Aussagen deutscher Politiker und Prominenter zu Anfang des Prozesses die Souveränität der dortigen Gerichte in Frage gestellt hätten. Deswegen seien die Richter sauer und demonstrierten ihre autonome Macht.

          Sollte letzteres zutreffen, hat Marco einen Fehler gemacht. Denn türkische Medien berichten bereits über ein „hässliches Buch“. Dort will man nicht lesen, dass sich der damals 17-Jährige „eingepfercht zwischen Mördern und Straßenräubern“ vorkam. In Erinnerung geblieben seien ihm „wässrige Suppe“ oder die Toilette ohne Spülung für 36 Mann. „Und gleich neben mir spritzten sie sich Heroin oder berauschten sich am heimlich selbst gebrannten Schnaps.“

          Weitere Themen

          Tat im Drogenrausch

          Lastwagenattacke in Limburg : Tat im Drogenrausch

          Vergangenes Jahr soll Umar A. in Limburg einen Lastwagen in seine Gewalt gebracht und damit mehrere Autos gerammt haben. Am Freitag hat er die Tat gestanden.

          Topmeldungen

          Ein Moschee in Xinjiang im Juni 2019 (Symbolbild)

          Muslimische Symbole : China geht gegen Minarette vor

          Peking soll zielgerichtet muslimische Kulturstätten in Xinjiang vernichten. Einem Bericht zufolge wurden in den vergangenen drei Jahren fast 16.000 Gebetshäuser beschädigt oder zerstört. China bestreitet das.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.