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Mehr als 1000 Opfer : Mehr Tote in USA durch Polizeischüsse

  • -Aktualisiert am

Polizeiabsperrung nach einer Schießerei im Juli 2021 in Brooklyn Bild: AFP

Im ersten Jahr der Pandemie ist nicht nur die Zahl der Waffengewalt in Amerika gestiegen, auch die tödlichen Einsätze der Polizei haben einen neuen Negativrekord erreicht. Was hat sich seit den ersten Black-Lives-Matter-Protesten geändert?

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          Breonna Taylor schlief, als zwei Polizisten in Zivil im März 2020 nach Mitternacht ihre Wohnung aufbrachen. Was folgte, beschrieb die Polizei in Louisville in Kentucky als schief gegangenen Einsatz. Doch der Mann, den sie suchten, hielt sich nicht in Taylors Wohnung auf. Ihr Freund gab einen Schuss ab, der einen der Polizisten ins Bein traf. Die Beamten schossen sechs Mal auf die 26 Jahre alte Rettungssanitäterin, die an ihren Verletzungen starb. Einer der Beamten wurde später angeklagt, weil er Taylors Nachbarn in Gefahr gebracht hatte. Für den Tod der Afroamerikanerin mussten sich die Polizisten nicht verantworten. Demonstranten riefen Taylors Namen bei unzähligen Protesten in den Monaten, die folgten. Taylor war eine von 1021 Männern und Frauen, die von Polizisten im Jahr 2020 erschossen wurden – im Vorjahr waren es 999 gewesen. Das erste Jahr der Pandemie brachte nicht nur einen Anstieg der Waffengewalt auf den Straßen – auch die Zahl der tödlichen Waffeneinsätze von Polizisten erreichte damit einen neuen Negativrekord.

          Seit dem Jahr 2015 haben Polizisten laut der Zeitung Washington Post mindestens 6400 Menschen erschossen, das sind jährlich fast 1000 und täglich beinahe drei Getötete. Die Daten wurden bisher nicht zentral von den Behörden gesammelt, das Zählen übernahmen Nicht-Regierungsorganisationen, Wissenschaftler und Journalisten. Die Zeitung begann ihre Erhebung nachdem 2014 der weiße Polizist Darren Wilson den 18 Jahre alten Schwarzen Michael Brown in Ferguson erschossen hatte. Monatelange Proteste folgten und die 2013 gestartete Black-Lives-Matter-Bewegung gewann breitere Unterstützung.

          Keine Körper-Kameras

          Der National Academy of Sciences zufolge liegt das Risiko aller amerikanischen Männer, von der Polizei getötet zu werden, bei 1 zu 2000, unter schwarzen Männern bei 1 zu 1000. Bemühungen, die Polizei zu reformieren und in der Ausbildung stärker auf Deeskalationsstrategien zu setzen, scheiterten bislang vielerorts. Fachleuten zufolge tragen die Beamten in den meisten Bezirken auch heute noch keine Körper-Kameras, die eine zentrale Forderung der Protestbewegung bleiben. Das Training an der Polizeiakademie dauert laut Rekrutierungs-Webseiten zwischen fünfzehn und zwanzig Wochen.

          Mehr als 15.000 lokale Polizeien können von den Regierungen der Bundesstaaten und von den Kommunalverwaltungen reformiert werden, nicht aber von der Bundesregierung in Washington. Die kann nur allgemeine Vorgaben machen, wie etwa die bundesweite Datenerhebung über Gewalttaten von Polizisten. Der Kongress könnte aber grundlegendere Schritte zur Kontrolle von Schusswaffenbesitz unternehmen. Dass Kriminelle so leicht an Revolver und Gewehre kommen, lässt sich von der Frage der Polizeireform nicht trennen. Während der Pandemie stieg auch die Zahl der Schusswaffendelikte. Im Jahr 2020 starben fast 20.000 Menschen durch Schüsse, hinzu kamen rund 24.000 Selbsttötungen mit Revolvern oder Gewehren. In den meisten Fällen töten Polizisten Menschen, die bewaffnet waren. In aller Regel folgt eine Untersuchung, die den Vorfall als gerechtfertigt einstuft. Nur in den seltensten Fällen müssen sich Polizisten vor Gericht verantworten – auch, weil mächtige Berufsverbände sie schützen. Und immer wieder erschießen Polizisten Unbewaffnete. Auch dazu gibt es keine bundesweiten Zahlen.

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