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Rauschgiftkriminalität : Mehr Konsum von Crystal und Kokain

Ein Ermittler des Bundeskriminalamtes hält bei einer Pressekonferenz die Droge Crystal in seinen Händen. (Archivbild) Bild: dpa

Insgesamt steigt die Drogenkriminalität in Deutschland weiter: Im Jahr 2020 wurden insgesamt 365.753 Fälle registriert.

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          Die Corona-Pandemie hat kaum Auswirkungen auf die Beschaffungskriminalität und den Konsum von Rauschgiften gehabt. Der Präsident des Bundeskriminalamts, Holger Münch, sagte bei der Vorstellung des Rauschgift-Lageberichts für das vergangene Jahr, lediglich bei der „Partydroge“ Ecstasy habe es einen spürbaren Rückgang um knapp zwölf Prozent der registrierten Fälle gegeben. Insgesamt steige die Drogenkriminalität in Deutschland weiter: Im Jahr 2020 seien insgesamt 365.753 Fälle registriert worden, das seien 1,7 Prozent mehr als im Jahr davor.

          Johannes Leithäuser
          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Die größten Zuwächse bei den Deliktgruppen habe es bei Konsum und Handel von kristallinem Metamphetamin (Crystal) mit 18,9 Prozent und von Kokain mit 6,9 Prozent gegeben. Cannabis ist laut Münch aber weiter die in Deutschland am meisten gehandelte und konsumierte Drogenart. Den Behörden wurden demnach 31.961 Fälle von Handel mit Cannabis bekannt, bei Amphetaminen waren es 5581 erfasste Delikte.

          Bei Crystal beobachten die Polizeibehörden eine Verlagerung der Herstellung von der Tschechischen Republik in die Niederlande, was zu höheren Produktionen und steigenden Transitgeschäften führe. Bei Kokain setze sich der Anstieg von Handel und Konsum der vergangenen Jahre fort. 2020 sei eine Rekordmenge von mindestens elf Tonnen Kokain in Deutschland sichergestellt worden, die im laufenden Jahr sicherlich abermals übertroffen werde – allein im vergangenen Februar habe es eine Beschlagnahmung von 16 Tonnen Kokain im Hamburger Hafen gegeben.

          Münch warnte, die Rauschgiftkriminalität gewinne „weiter an sicherheitspolitischer und gesellschaftlicher Bedeutung“. Er wies auf die Entwicklung in den Niederlanden und Belgien hin, die kürzlich durch den Mordanschlag auf den Journalisten Peter R. de Vries in die öffentliche Aufmerksamkeit rückte. In den Niederlanden gebe es seit fast zehn Jahren heftige Auseinandersetzungen zwischen Rauschgiftkartellen, deren Mitglieder marokkanischer oder albanischer Herkunft seien oder aus anderen Balkanländern stammten; jährlich würden dabei zwanzig bis dreißig Tötungsdelikte registriert.

          Straftaten immer brutaler

          Der Chef des Bundeskriminalamts berichtete auch von Fahndungserfolgen durch die Aufdeckung von Mobilfunkgesprächen Krimineller in dem verschlüsselten Funkdienst EncroChat. Mehr als 2300 Ermittlungsverfahren seien aufgrund dieser Indizien inzwischen eingeleitet, 805 Haftbefehle seien erwirkt worden. Im Zuge der Ermittlungen habe man 310 Schusswaffen mit 13000 Schuss Munition, mehr als drei Tonnen Cannabis und 200 Millionen Euro mutmaßlich illegaler Vermögenswerte sichergestellt.

          Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, die CSU-Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig, sagte, die Straftaten in der Drogenkriminalität würden „immer brutaler, immer skrupelloser“ ausgeführt. Es müsse eine Allianz der Strafverfolgungsbehörden entstehen, die mit Fahndungserfolgen dem Eindruck entgegentreten könne, dass sich Kriminelle im Drogenhandel in Deutschland wie in einem rechtsfreien Raum fühlen könnten.

          Ludwig verlangte, es müsse mehr Augenmerk auf Prävention gelegt werden, um die Nachfrage nach Drogen zu vermindern. Sie kündigte eine eigene große Aufklärungskampagne an, die auf Konsumenten von Kokain zielen soll. Positiv hob Ludwig hervor, dass in jüngerer Zeit die Nachfrage nach Substitutionsbehandlungen, etwa durch Heroinsüchtige, stark gestiegen sei; sie sah hier einen positiven Effekt der Corona-Pandemie.

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