https://www.faz.net/-gum-84qgv

Massaker in Charleston : „Du hast mir meine Mutter genommen, aber ich vergebe dir“

  • Aktualisiert am

Eine Frau trauert während einer Mahnwache in Charleston um die Opfer. Bild: AFP

Mit einem bewegenden Auftritt vor dem Haftrichter haben Angehörige der Opfer von Charleston dem Täter Dylann Roof vergeben. Präsident Obama kritisiert die laxen Waffengesetze, will aber Waffenbesitzer nicht „dämonisieren“.

          2 Min.

          Unter Tränen traten die Angehörigen der Opfer des Massakers von Charleston am Freitag vor den Haftrichter und blickten über einen Monitor in das Gesicht von Dylann Roof, der ihre Worte ohne jedes Zeichen der Regung zur Kenntnis nahm. Zwei Tage zuvor hatte er neun Menschen bei einer Bibelstunde in der Emanuel African Methodist Episcopal Church getötet.

          Es war überraschend, dass der Richter die Angehörigen beim Haftprüfungstermin zu Wort kommen ließ, und umso überraschender, wie sie auf die Tat reagierten. Sie sei zwar böse und traurig, sagte eine Frau, deren Schwester erschossen wurde. Es dürfe aber „keinen Raum für Hass“ geben, fügte sie hinzu. „Wir müssen vergeben.“

          „Du hast mir etwas sehr Wertvolles genommen“, sagte Nadine Collier, die Tochter der getöteten 70 Jahre alten Ethel Lance. „Ich werde nie wieder mit ihr sprechen können. Ich werde sie nie wieder in den Armen halten können. Aber ich vergebe dir. Ich bin deiner Seele gnädig.“

          Der Richter legte eine Kaution auf eine Million Dollar (880.000 Euro) fest. Ein erster Gerichtstermin wurde auf den 23. Oktober festgesetzt.



          Präsident Barack Obama verwies erneut auf einen vermutlich rassistischen Hintergrund des Verbrechens. „Rassismus bleibt ein Übel, das wir gemeinsam bekämpfen müssen.“ Zugleich kritisierte er die laxen Waffengesetze. „Wir wissen nicht, ob dies die Tat von Charleston verhindert hätte, denn keine Reform kann das Ende von Gewalt garantieren“, sagte Obama am Freitag bei einem Treffen mit amerikanischen Bürgermeistern in San Francisco. „Wir könnten aber dennoch mehr Amerikaner an unserer Seite haben“, fügte der Präsident hinzu. „Das Mindeste ist, dass wir als Bürger über diese Thematik sprechen können – ohne alle Waffenbesitzer zu dämonisieren, die sich ganz überwiegend an Recht und Gesetz halten“, sagte Obama. Auch müssten nicht allen Bürgern die Waffen weggenommen werden. Er glaube, „dass wir irgendwann das Richtige tun werden“, sagte Obama. „Wir haben die Kraft zum Wandel, wir müssen uns aber der Dringlichkeit bewusst werden.“

          Die Familie des mutmaßlichen Todesschützen äußerte Beileid für die Angehörigen der Toten. „Wir sind bestürzt und traurig“, schrieben sie in einem in einer Lokalzeitung veröffentlichten Brief. Worte könnten den Schock und die Trauer nicht ausdrücken.

          Roof, ein Amerikaner weißer Hautfarbe, soll am Mittwoch in der  Methodistenkirche in Charleston während einer Bibelstunde neun Afroamerikaner erschossen haben. Er habe rassistische Sprüche von sich gegeben und das Feuer eröffnet, berichtete eine Überlebende. Das Justizministerium und die Bundespolizei FBI ermitteln wegen des Verdachts eines „Verbrechen des Hasses“.

          Die Gouverneurin von South Carolina, die Republikanerin Nikki Haley, sprach sich dafür aus, den Täter mit dem Tode zu bestrafen. Ähnlich äußerte sich auch der Bürgermeister von Charleston, Joseph Riley.

          Amerikanische Medien beschrieben den Täter als Einzelgänger, der 2010 seine Schulausbildung abgebrochen habe. Zuletzt sei er mehrmals mit der Polizei in Konflikt geraten, etwa wegen unerlaubten Besitzes von verschreibungspflichtigen Medikamenten. Er habe häufig in seinem Auto geschlafen und sei wegen sonderbaren Verhaltens aufgefallen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Identitätspolitik : Junge Linke gegen alte Linke

          Was alte Linke über Minderheiten sagen, finden junge Linke rassistisch. Und was die Jungen sagen, galt bei den Alten früher als Vorstufe des Faschismus. Es geht ein tiefer Riss durch das linke Lager.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.