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Prozess in Berlin : Ist ein ehemaliger Polizist der „Maskenmann“?

  • Aktualisiert am

Der Mann hinter dem gelben Hefter behauptet, nicht der „Maskenmann“ zu sein. Stimmt das? Bild: dpa

Im „Maskenmann“-Prozess steht ein früherer Dachdecker vor Gericht, weil er Millionärsfamilien erpresst haben soll. Neue Informationen rücken aber einen anderen Tatverdächtigen in den Vordergrund: einen ehemaligen Polizisten.

          Im spektakulären „Maskenmann“-Prozess gibt es kurz vor dem geplanten Urteil neue Erkenntnisse. Wie der Berliner Rechtsanwalt Axel Weimann am Samstag sagte, liefern Recherchen des „Tagesspiegel“ bislang unbekannte Informationen zu einem weiteren Verdächtigen. Dem Zeitungsbericht vom Samstag zufolge soll der Verdacht gegen einen ehemaligen Polizisten vorschnell zu den Akten gelegt worden sein. Aussagen seiner von ihm getrennten Frau erschüttern demnach das Alibi des Mannes.

          In dem Kriminalfall geht es um drei Überfälle 2011 und 2012 auf Millionärsfamilien in Ostbrandenburg und um die Entführung eines Managers auf eine Schilfinsel, um Lösegeld zu erpressen. Bei einem der Überfälle war ein Wachmann von dem maskierten Täter angeschossen worden, der die Tochter einer Millionärsfamilie im Visier hatte. Das Opfer sitzt seither im Rollstuhl.

          Angeklagt ist ein 47 Jahre alter früherer Dachdecker, der die Vorwürfe jedoch bestreitet. Die Staatsanwaltschaft hat in dem Indizienprozess vor dem Landgericht Frankfurt (Oder) eine lebenslange Haftstrafe gefordert. Die Nebenklage hat darüber hinaus Sicherungsverwahrung verlangt. Am kommenden Freitag (22. Mai) sind die Plädoyers der Verteidigung geplant.

          Vermutlich wird Anwalt Weimann dabei abermals auf den ehemaligen Polizisten eingehen. Dieser spielte in dem Prozess bereits eine Rolle. Aus Sicht des Verteidigers erklären die vorliegenden Akten nicht, wie der ehemalige Polizist ins Visier der Ermittler geriet. Er habe darum beantragt, die Unterlagen zu vervollständigen, so Weimann. Auch die Staatsanwaltschaft setzte sich mit dem damaligen Hubschrauberpiloten auseinander. „Wir haben diese Verdachtsrichtung ausgeschlossen“, sagte Staatsanwältin Dorina Dubrau.

          Polizist kannte die Opferfamilien

          Nach Recherchen des „Tagesspiegel“ soll unter anderem das Handy des ehemaligen Polizisten bei allen Taten zur Tatzeit in der jeweiligen Funkzelle erfasst worden sein. Anhand des Dienstplanes konnte er aber ein Alibi vorweisen. Dies wurde nun dem Zeitungsbericht zufolge durch seine Frau erschüttert. Auch ein Motiv nennt der „Tagesspiegel“: hohe Schulden. Zudem habe der frühere Beamte beide Opferfamilien gekannt und passe zur Täterbeschreibung.

          Laut Polizeipräsidium Brandenburg hat der ehemalige Polizist das Beamtenverhältnis selbst beendet. Zuvor habe die Einleitung eines Disziplinarverfahrens im Raum gestanden, sagte ein Sprecher. Nach dem Zeitungsbericht ging es um Bestechlichkeit.

          Die Polizeiarbeit in dem Fall stand in der Vergangenheit immer wieder in der Kritik und beschäftigte auch die Landespolitik. Die Rede war von einseitigen Ermittlungen. Kritik traf auch den früheren Polizeipräsidenten und derzeitigen Innenstaatssekretär Arne Feuring, der vor allem wegen Manipulationsvorwürfen an der Kriminalstatistik unter Druck geriet. Feuring kündigte im April den Rückzug von seinem Amt an. Ein Zeitpunkt ist bislang jedoch nicht bekannt.

          Auf den „Tagesspiegel“-Bericht reagierte nun die CDU-Fraktion im Landtag: „Eine umfängliche Ausermittlung des Falls kann nur durch die Wiedereröffnung der Beweisaufnahme vor Gericht erfolgen“, meinte der innenpolitische Sprecher Björn Lakenmacher. Es scheine empfehlenswert, die Zuständigkeit einem anderen Staatsanwalt zu übertragen.

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