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Anschlag in Nizza : Mann in Tunesien nach Bekenntnis zu Angriff festgenommen

  • Aktualisiert am

Botschaften, Blumen und Kerzen vor der Kirche Notre-Dame in der südfranzösischen Küstenstadt Nizza Bild: dpa

In Tunesien ist ein Mann festgenommen worden, der sich im Namen einer bisher unbekannten Gruppe zu dem Messerangriff in Nizza bekannt hatte. Die Behörden bezweifeln, ob es diese Gruppe wirklich gibt.

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          Tunesische Sicherheitskräfte haben einen Mann festgenommen, der sich im Namen einer bislang unbekannten Gruppe zu dem Messerangriff in Nizza bekannt hatte. Wahrscheinlich gebe es noch eine zweite Person, die ihm bei der Aufnahme des vorgeblichen Bekennervideos geholfen habe, sagte ein Justizsprecher am Samstag. Das Video war nach dem Angriff in den sozialen Medien aufgetaucht. Darin reklamierte ein Mann die Tat für eine Gruppe mit dem Namen „Ansar al-Mahdi in Tunesien und im Mahgreb“. Die Justizbehörden meldeten jedoch Zweifel an, dass eine derartige Gruppe überhaupt existiert. Bisher sei sie noch nicht in Erscheinung getreten.

          Unterdessen wurde bekannt, dass der französische Präsident Emmanuel  Macron am Freitag mit Papst Franziskus gesprochen hatte. Macron habe dem Papst versichert, „dass er weiterhin unerbittlich gegen den Extremismus kämpfen werde, damit alle Franzosen ihren Glauben in Frieden und ohne Angst leben können“, zitierte die Zeitung „Le Figaro“ am Samstag den Präsidenten unter Berufung auf den Elysee-Palast. Macron habe „zu einem Zeitpunkt, da die Katholiken Frankreichs so heftig verwundet und die Franzosen insgesamt von diesem Angriff schockiert waren“, mit dem Oberhaupt der katholischen Kirche sprechen wollen.

          Der Papst habe seine brüderliche Unterstützung für die Franzosen zum Ausdruck gebracht, hieß es. Bereits am Donnerstag hatte Franziskus den Anschlag von Nizza aufs Schärfste verurteilt und das französische Volk zur Einheit aufgerufen. Ein Telegramm von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin an den Bischof der südfranzösischen Stadt, Andre Marceau, sprach von einem „gewalttätigen Terrorakt“. Der Papst sei den betroffenen Familien im Gebet verbunden und teile deren Trauer.

          Französischer Islamrat verurteilt Anschlag scharf

          Der Papst und Macron teilten auch die Ansicht über „die absolute Ablehnung des Terrorismus und der Ideologie des Hasses, der spaltet, tötet und den Frieden gefährdet“, sowie über die Bedeutung des Dialogs zwischen den Religionen, so Figaro. Von Seiten des Vatikans gab es keine Informationen zu dem Gespräch.

          Der Vorsitzende der Französischen Bischofskonferenz, Erzbischof Eric de Moulins-Beaufort, hatte am Freitagabend in seiner Bischofsstadt Reims einen Gedenkgottesdienst für die Opfer des Terrorangriffs gefeiert. Dabei erinnerte er auch an den wenige Tage zuvor in einem Pariser Vorort ermordeten Lehrer Samuel Paty sowie an den Priester Jaques Hamel, der 2016 bei einem Anschlag von zwei Islamisten brutal getötet wurde. Zugleich dankte der Erzbischof den Sicherheitskräften für ihr beherztes Eingreifen in Nizza.

          Zu Beginn des Gottesdienstes in Reims verurteilte der Regionalvorsitzende des Französischen Islamrats, Anouar Alami, den Anschlag in Nizza scharf. „Lassen wir nicht zu, dass der Terrorismus Hass sät“, mahnte er. Man stehe an der Seite der Christen und weise jede Form von Gewalt zurück. „Sie können auf uns zählen“, betonte Alami. Für das Allerheiligenwochenende gelten in Frankreich verstärkte Sicherheitsmaßnahmen für christliche Gotteshäuser.

          Komplizen in Tunesien?

          Wie die französische Nachrichtenagentur AFP am Samstag unter Bezug auf Justizkreise berichtete, befinden sich in Frankreich seit Freitag zwei weitere Männer im Alter von 35 und 33 Jahren in Polizeigewahrsam. Der ältere der beiden soll mit dem mutmaßlichen Täter
          am Tag vor dem Anschlag direkten Kontakt gehabt haben. Der andere Verdächtige hielt sich während der Festnahme im Haus des 35 Jahre alten Mannes auf. Bereits am Donnerstag hatte sich ein 47 Jahre alter Mann gestellt und war dann in Gewahrsam genommen worden. Er soll am Vorabend der Tat ebenfalls Kontakt mit dem Angreifer gehabt haben.

          Zwei Polizeibeamte stehen auf dem Vorplatz der Basilika Sacré-Coeur auf dem Montmartre in Paris Wache.
          Zwei Polizeibeamte stehen auf dem Vorplatz der Basilika Sacré-Coeur auf dem Montmartre in Paris Wache. : Bild: dpa

          Bei der Attacke in der Kirche Notre-Dame in Nizza waren am Donnerstag drei Menschen von einem aus Tunesien stammenden Angreifer getötet worden. Der 21 Jahre alte mutmaßliche Täter war am 20. September mit anderen Migranten über die italienische Insel Lampedusa in die EU eingereist. Der mutmaßliche Täter wurde von der Polizei schwer verletzt und befindet sich nun in einem Krankenhaus. Er soll erst kurz vor dem Anschlag in Nizza aufgetaucht sein. Zunächst konnte er nicht vernommen werden. Die Polizei geht von einem islamistischen Motiv aus.

          Frankreich hat nach dem Angriff die höchste Terrorwarnstufe ausgerufen. Der Schutz von Schulen oder Gotteshäusern wurde verstärkt. Auch die tunesischen Behörden ermitteln gegen den Tatverdächtigen. Ein Justizsprecher sagte, gemäß tunesischem Recht werde jeder Tunesier strafrechtlich verfolgt, der in Terrorakte verstrickt sei, egal ob im Inland oder Ausland. Zudem soll ermittelt werden, ob der mutmaßliche Täter in Tunesien möglicherweise Komplizen hatte.

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