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Manila : Geiselnahme endet unblutig - alle Kinder sind frei

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Es ist vorbei: Geiselnehmer Ducat gibt seine Handgranate ab Bild: AP

Die Geiselnahme in Manila ist beendet. Wie angekündigt ließen der stadtbekannte Aktivist Jun Ducat und seine Komplizen die 31 Vorschulkinder, die sie in ihrer Gewalt hatten, frei. Ducat wollte mit der Tat eine gute Ausbildung für 145 Slum-Kinder erzwingen.

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          Aus Protest gegen Korruption, schlechte Bildungschancen und miserablen Wohnraum hatte ein Kindergartenbesitzer mit zwei Komplizen in Manila seine eigenen Schützlinge in einem Bus entführt. Jun Ducat, der für spektakuläre Protestaktionen stadtbekannt ist, fuhr am Mittwoch mit 32 Kindern und zwei Betreuern zum Rathaus der philippinischen Hauptstadt. Dort drohte er, den Bus mit Granaten in die Luft zu sprengen, falls die Polizei Gewalt anwenden sollte. Doch dann endete die Geiselnahme für alle Kinder glücklich: Wie von den Tätern angekündigt wurden die Jungen und Mädchen am Abend nach neun endlosen Stunden frei gelassen.

          Die Polizei hatte zuvor stundenlang den Bus umstellt, weil sie zunächst von einer Entführung aus rein kriminellen Motiven ausgegangen waren. Der Verkehr im Zentrum von Manila brach zusammen. Ein Regierungsvertreter erklärte, man halte dem Mann seine Sorge um das Wohl aller Kinder zu Gute. Deshalb wollten die Sicherheitskräfte nichts unternehmen, was zur Eskalation hätte führen können. Der Senatsabgeordnete Bong Revilla, der Ducat persönlich kennt, wurde während des Tages zu Verhandlungen in den Bus vorgelassen und konnte schließlich ein fieberkrankes Kind vorzeitig frei bekommen. Ebenso konnten Rundfunkjournalisten mit Ducat und seinen Geiseln sprechen, wodurch die Aktion die vom Initiator gewünschte Öffentlichkeitswirksamkeit erhielt.

          Entsicherte Granate in zitternder Hand

          Ducat gründete die Kindertagesstätte Musmos vor vier Jahren in Manilas Slum-Viertel Tondo. Diese wird zurzeit von 145 Kindern besucht. Er hat schon häufig öffentlich dazu aufgerufen, die Bildungschancen sowie die generellen Lebensbedingungen für Kinder aus armen Familien zu verbessern. Diese Forderung verbreitete er wiederholt auch über den Rundfunk. Den Politikern des Landes warf er Korruption und Versagen vor.

          Angst vor dem Geiselnehmer hatten die Kinder nicht, sie kannten ihn

          Ducat hat 1989 schon einmal zwei Priester als Geiseln genommen, um seinen Protest gegen gesellschaftliche Missstände zu bekunden. Damals benutzte er Attrappen von Granaten. Diesmal jedoch waren die Sprengkörper echt. Senator Revilla berichtet Ducat habe eine bereits entsicherte Granate permanent „in seiner zitternden Hand“ gehalten. Nach Polizeiangaben hatte er außerdem ein Sturmgewehr und eine Pistole bei sich. Mit in dem Bus befanden sich zudem zwei Helfer des Entführers.

          Methoden nicht akzeptabel

          Ducat wurde 2001 als Kandidat für die Parlamentswahl ausgeschlossen. Ein klarer Grund für diese Entscheidung wurde nie genannt. Er selbst hat einmal gegen die Zulassung eines seiner Ansicht nach unqualifizierten Politikers mit der Besteigung eines Turms in Manila protestiert. Um auf zu hohe Preise für Reis hinzuweisen, zog er einst einen mit Reissäcken beladenen Karren 100 Kilometer weit durch die Straßen. „Er vertritt seine Ideen mit größter Leidenschaft“, erklärte der Bürgermeister von Manila, Lito Atienza. „Aber wir können seine Methoden nicht akzeptieren.“

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