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Festgenommene Touristen : Nackt am Kinabalu

Malaysia trauert um die Opfer des Erdbebens auf Borneo. Bild: dpa

Vier westliche Touristen sitzen in Malaysia in Untersuchungshaft, weil sie sich nackt auf einem heiligen Berg fotografierten. Ein Minister gibt ihnen die Schuld an einem Erdbeben. Sie hätten die Geister erzürnt.

          Ein einfacher Schnappschuss reicht oft nicht mehr, um Aufmerksamkeit für die Urlaubsfotos zu bekommen. Seit einiger Zeit scheint es deshalb einen Trend zu geben, sich vor Sehenswürdigkeiten nackt fotografieren zu lassen. Die Ergebnisse werden dann in den sozialen Netzwerken ausgestellt. An den Inka-Ruinen von Machu Picchu in Peru war das Phänomen vor einiger Zeit sogar so verbreitet, dass die Polizei einschritt. Auch in Angkor Wat, den mittelalterlichen Hindu-Tempeln in Kambodscha, zogen sich mehrfach Touristen aus. Es folgte ein Aufschrei der empörten Bevölkerung.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Den Touristen scheint das Verständnis dafür zu fehlen, dass die Gesellschaften in den Reiseländern häufig konservativer sind als in ihren Herkunftsländern. Nicht viel dabei gedacht haben sich wohl auch die zehn westlichen Bergwanderer, als sie sich an einem Tag im Mai auf dem Mount Kinabalu in Ostmalaysia gegen den Willen des Bergführers ihrer Kleidung entledigten. Die Beweisfotos der Aktion stellten sie etwas später ins Internet, was zu einem zunächst noch milden Empörungssturm führte. Der 4000 Meter hohe Berg gilt den indigenen Völkern im Norden der Insel Borneos als heilig.

          Doch die Geschichte war damit noch nicht zu Ende. Am 5. Juni erschütterte ein Erdbeben der Stärke 5,9 das Klettergebiet; achtzehn Personen erlitten tödliche Verletzungen. Ein Minister warf den Touristen vor, die Geister erzürnt zu haben und an dem Beben schuld zu sein. Mit Hilfe der Fotos konnten in den folgenden Tagen nun einige aus der Gruppe, zu der auch ein Deutscher gehören soll, identifiziert werden.

          Am Mittwoch ordnete ein Gericht die Festnahme der zehn Verdächtigen an. Ein kanadisches Geschwisterpaar, ein Niederländer und eine Britin sitzen seither in Untersuchungshaft. Die anderen werden noch gesucht. Ihnen drohen bis zu drei Monate Haft.

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