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Mainz : Haftstrafen im Schlangenmädchen-Prozess

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Müssen ins Gefängnis: Tungalag L. (36) und Gerhard H. (44) Bild: ddp

Wegen Misshandlungen bei der artistischen Ausbildung eines „Schlangenmädchens“ ist ein Ehepaar aus Rheinland-Pfalz zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Das Landgericht Mainz sah die angeklagte 36 Jahre alte Mongolin als Haupttäterin an und verhängte gegen sie fünf Jahre Gefängnis.

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          Das Ingelheimer „Schlangenmädchen“ wurde monatelang schwer misshandelt und entkam seinen Peinigern am Ende nur durch eine mutige Flucht: Für die Quälereien ist das angeklagte Ehepaar am Donnerstag vor dem Mainzer Landgericht zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Die 36 Jahre alte Artistiktrainerin erhielt eine Haftstrafe von fünf Jahren, ihr 44 Jahre alter Ehemann muss für dreieinhalb Jahre hinter Gitter. „Sie dachten, sie hätten sich ein Sportgerät aus Asien importiert, doch es funktionierte nicht, weil es ein Mensch mit Gefühlen war. Das kindliche Opfer wurde gehalten wie ein Hund im Zwinger“, fasste der Vorsitzende Richter das durchlittene Trauma des Mädchens zusammen.

          Das Publikum nahm diese Worte zufrieden auf. Der Verwaltungsbeamte und seine mongolische Ehefrau hielten ihre Blicke gesenkt. Die Art und Weise, mit der dem damals 13 Jahre alten mongolischen Mädchen zwischen April und Juli 2007 Disziplin, Gehorsam und die nötige Geschmeidigkeit einer Bewegungskünstlerin antrainiert werden sollten, sei „unmenschlich und grausam gewesen“, urteilte der Richter. Das Opfer habe unsägliche Schmerzen erlitten, als es gefesselt, getreten und mit Bambusstöcken geschlagen wurde. Das Urteil erging wegen Misshandlung, gefährlicher Körperverletzung und Freiheitsberaubung.

          Beide Angeklagte akzeptierten die Strafen. Das Paar hatte sich zuvor in einem Vergleich mit dem Opferanwalt auf eine Schmerzensgeldzahlung von 40.000 Euro für das Mädchen geeinigt. Man wolle auch für die Kosten etwaiger Folgeschäden aufkommen, etwa psychologische Betreuung, versicherten sie.

          „Ich wünsche dem Kind für die Zukunft alles Gute“

          Der Beamte hatte ausgesagt, anfangs Vatergefühle für das Mädchen empfunden zu haben. Doch dann sei es „arrogant und frech“ geworden. Später besann er sich: „Ich wünsche dem Kind für die Zukunft alles Gute.“ Seine Frau entschuldigte sich mit knappen Worten. Sie selbst sei als Artistikschülerin ein Ausnahmetalent gewesen. „Ich war fleißig und ehrgeizig. Ich musste nie geschlagen werden“, sagte sie. „Sie waren eine Artistin der Weltklasse, pädagogisch und charakterlich aber sind sie ungeeignet, junge Mädchen zu trainieren“, urteilte die Kammer über die 36-Jährige.

          Die 13-Jährige war im November 2006 zu der von ihrer 36 Jahre alten Cousine geleiteten Artistiktruppe nach Ingelheim gekommen. Weil sie den Anforderungen nicht entsprach, wurde sie laut Anklage regelmäßig mit Bambusstöcken malträtiert. In drei Fällen wurde das Kind an Händen und Füßen hinter dem Rücken gefesselt an einem Wandhaken aufgehängt, geknebelt, weiter geschlagen und mit den spitzen Enden der Stöcke gestochen. Im Juli 2007 gelang dem Kind die Flucht. Zu Fuß schlug es sich nachts bis nach Mainz durch, wo es morgens auf einem Spielplatz schlafend gefunden und in eine Klinik gebracht wurde. Der Körper sei mit Blutergüssen übersät gewesen. „Nicht auszudenken, was geschehen wäre, wenn meiner Mandantin die Flucht nicht gelungen wäre“, sagte der Opferanwalt. Ihr gehe es heute gut, sie leide aber nach wie vor an den erlittenen Qualen.

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