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Ermittlungen gegen Mafia : Hohe Haftstrafe für Stuttgarter Gastwirt gefordert

Dem Mafia-Clan Farao-Marincola wird vorgeworfen, rund um die kalabrische Gemeinde Cirò bedeutende Wirtschafts- und Handelszweige unter seine Kontrolle gebracht zu haben. Bild: Ricardo Wiesinger

Mario L. ist schon seit vielen Jahren als Gastwirt im Raum Stuttgart aktiv. Italienische Ermittler werfen ihm vor, ein wichtiger Statthalter der ’Ndrangheta in Deutschland zu sein.

          Im Prozess gegen mutmaßliche Mitglieder des Mafia-Clans Farao-Marincola hat die Staatsanwaltschaft im italienischen Catanzaro eine lange Haftstrafe für Mario L. gefordert. Der Gastwirt betreibt schon seit vielen Jahren Pizzerien und Restaurants im Raum Stuttgart. Er war Anfang 2018 im Rahmen der länderübergreifenden „Operation Styx“ festgenommen worden. Die Ermittler werfen ihm vor, ein wichtiger Statthalter der ’Ndrangheta in Deutschland zu sein. In dieser Woche forderte die Antimafia-Staatsanwaltschaft deshalb 14 Jahre Gefängnis für L., wie aus entsprechenden Gerichtsdokumenten hervorgeht, die der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vorliegen.

          David Klaubert

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Der Prozess, der als „abgekürztes Verfahren“, also ohne eigentliche Hauptverhandlung, geführt wird, richtet sich gegen 104 Angeklagte, unter ihnen die mutmaßlichen Bosse das Mafia-Clans Farao-Marincola, kalabrische Lokalpolitiker und Unternehmer. Ihnen wird vorgeworfen, in der Region um die Gemeinde Cirò bedeutende Wirtschafts- und Handelszweige unter ihre Kontrolle gebracht zu haben, darunter die Herstellung und den Vertrieb von Wein, Brot, Fisch und anderen Lebensmitteln. Einen Teil dieser Waren soll der Clan italienischen Gastwirten in Deutschland zu überhöhten Preisen aufgezwungen haben. Die Forderungen der Staatsanwaltschaft reichen nun von einem Freispruch über acht Monate bis zu 20 Jahren Haft.

          In Deutschland war Mario L. schon einmal in den neunziger Jahren ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Italienische Ermittler verdächtigten ihn, ein führendes Mafiamitglied zu sein und Rauschgift- und Waffentransporte sowie Geldwäsche in deren Auftrag zu organisieren. Großes Aufsehen erregten die Vorwürfe, als bekannt wurde, dass Günther Oettinger, damals CDU-Fraktionsvorsitzender in Baden-Württemberg und heute EU-Haushaltskommissar, Stammkunde in L.s Restaurant war. Verurteilt werden konnte L. damals nur wegen Steuerhinterziehung. Oettinger betonte seither, keinen Kontakt mehr zu L. zu pflegen.

          Neben Mario L. wurden während der „Operation Styx“ elf Verdächtige in Deutschland festgenommen – überwiegend im Raum Stuttgart und in Nordhessen. Nicht alle wurden auch nach Italien ausgeliefert, da der deutschen Justiz die Vorwürfe zum Teil nicht ausreichten. Im Rahmen des „abgekürzten Verfahrens“ sind neben L. nun vier mutmaßliche Mafiosi aus Deutschland angeklagt, darunter auch Gastwirt und Fischhändler Domenico P. aus Fellbach (Baden-Württemberg), für den die Staatsanwaltschaft eine Haftstrafe von zwölf Jahren fordert. Gegen weitere Verdächtige aus Deutschland wird im Rahmen eines „normalen“ Prozesses verhandelt. Dieser richtet sich gegen insgesamt 80 Angeklagte und hat am 4. März unter großen Sicherheitsvorkehrungen vor dem Gericht in Crotone begonnen.

          Eine ausführliche Recherche zu den Machenschaften des Mafiaclans Farao-Marincola in Deutschland lesen Sie hier (mit Fplus).

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