https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/lueneburg-zwoelf-jahre-haft-fuer-19-jaehrigen-nach-mord-an-freundin-17528602.html

Neunzehnjähriger verurteilt : Mehr als zwölf Jahre Haft nach Mord an Freundin

  • Aktualisiert am

Der Angeklagte im Juni im Landgericht Lüneburg Bild: dpa

Ein Neunzehnjähriger ist dafür verurteilt worden, eine gleichaltrige Abiturientin in ihrem Auto erstochen zu haben. Der Vater des Opfers hatte seine Tochter nachts gefunden.

          2 Min.

          Monatliche Geschenke zum Kennenlerntag, 88 000 Handy-Nachrichten ohne handfesten Streit in nicht einmal eineinhalb Jahren – wie aus heiterem Himmel passiert in einer kalten Januarnacht in einem Auto in Lüneburg ein grausames Verbrechen an einer Abiturientin. Eine plausibles Motiv, warum der 19 Jahre alte Freund 40 Mal teilweise tief mit einem 30 Zentimeter langen Küchenmesser auf seine gleichaltrige Freundin einstach, findet auch das Gericht nicht. Die Jugendkammer des Landgerichts verurteilte den Angeklagten am Donnerstag nach dem Erwachsenenstrafrecht wegen Mordes zu zwölfeinhalb Jahren Haft (AZ: 31 KLs 1501 Js). Sie sieht keine niedrigen Beweggründe, befindet aber auf Heimtücke.

          Das Strafmaß entspricht der Forderung der Staatsanwaltschaft, die nicht auf lebenslang plädierte, weil er noch Heranwachsender sei. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, Revision kann innerhalb einer Woche eingelegt werden. Der Täter muss für die Gerichtskosten und die Ausgaben der Nebenklage aufkommen. „Eine Affekttat schließen wir aus“, sagt der Vorsitzende Richter Volker König in seiner einstündigen Urteilsverkündung. Er habe Reue gezeigt und ein schriftliches Geständnis vorgelegt, schwer ins Gewicht falle aber der „unbedingte Vernichtungswille“.

          Motiv bleibt ungeklärt

          Die Tat bewegt die Hansestadt, an vielen Prozesstagen müssen Zuschauer abgewiesen werden, unter ihnen Mitschülerinnen des Opfers. Zur Urteilsverkündung kommen Freunde in Shirts mit der Aufschrift: „Liebe Jana – wir vermissen Dich.“ Sie alle – besonders die Familie – erhoffen sich eine Antwort auf das Warum. Und bekommen keine. Angeblich soll die Gymnasiastin ihren Partner urplötzlich mit Vorwürfen überhäuft haben, auch in Bezug auf ihr Liebesleben, hieß es in dem vom Anwalt verlesenen Geständnis. Dies entspreche aber gar nicht ihrem Wesen nach ständiger Harmonie, sagen Zeugen. „Eine schwere Provokation ist ebenso wie eine verminderte Schuldfähigkeit des Angeklagten auszuschließen“, betont Richter König.

          Ein psychiatrischer Gutachter beurteilt das Verbrechen nicht als Affekthandlung. Dagegen spreche, dass der Täter die Spuren verwischen wollte, ihr tiefe Schnitte am Handgelenk zufügte, die auf Suizid schließen lassen sollten und später eine Sprachnachricht auf ihrem Handy hinterließ. Der junge Mann habe zwei Gesichter, nach außen freundlich und großzügig, dann wieder aufbrausend und berechnend. Er habe eine narzisstische Persönlichkeitsakzentuierung – ein gestörtes Selbstwertgefühl und die Suche nach Zuwendung seien typisch, befindet der Gutachter. Es habe viele Lügen, überzogene Konten und Diebstahl gegeben, kommt zudem heraus.

          Die Nebenklage sah Heimtücke und niedrige Beweggründe bei der brutalen Tat mit einem Küchenmesser. Wegen einer besonderen Schwere der Schuld plädierten die Vertreter der Familie auf lebenslang. Das Urteil bewerten sie aber als sehr ausgewogen. „Das kann für die Familie hoffentlich ein Schlusspunkt sein“, sagt Anwalt Steffen Hörning. Die Kammer sei sehr behutsam vorgegangen.

          Der Vater des Opfers, der seine Tochter nachts fand, weil sie von ihrem Job in einem Lokal nicht nach Hause gekommen war, bricht im Gerichtssaal immer wieder in Tränen aus. Richter König gibt dem Täter, der mit gesenktem Kopf dasitzt, mit auf den Weg, die Tat aufzuarbeiten und eines Tages der Familie, in der er wie ein Sohn behandelt wurde, das Warum zu erklären.

          Topmeldungen

          Donald Trump – hier unter der Woche vor dem Trump Tower in New York – hat die Opferrolle einstudiert.

          Geheime Dokumente : Trump steht nicht über dem Gesetz

          74 Millionen Amerikaner hielten Trump 2020 die Treue. Bidens Staatsanwälte werden die wenigsten von ihnen umstimmen – im Gegenteil. Doch darauf darf die Justiz keine Rücksicht nehmen.
          Auf der Oder: In Widuchowa (Polen) wird der Fluss mithilfe eines flexiblen Damms von toten Fischen gereinigt.

          Fischsterben in der Oder : Suche nach Ursachen der Verseuchung dauert an

          Feuerwehrleute, Polizisten und Freiwillige haben am Wochenende tonnenweise tote Fische aus der Oder geholt. Die Bundesumweltministerin plant ein Treffen mit ihrer polnischen Amtskollegin. Zuvor hatte Steffi Lemke kritisiert, Polen habe zu spät reagiert.
          Schwaches Bild von sich selbst: Wer unter dem Impostor-Syndrom leidet, traut seiner eigenen Berufsbiographie nicht über den Weg.

          Impostor-Syndrom : Wenn man sich niemals gut genug fühlt

          Ein geringes Selbstwertgefühl kann im Beruf dazu führen, dass Hochqualifizierte denken, ihre Stellung gar nicht verdient zu haben. Das Phänomen hat einen Namen: Impostor-Syndrom. Doch was können Betroffene dagegen unternehmen?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.