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Ludwigsfelde : Wie in einem guten Krimi

Zu Lebzeiten eine fröhliche Frau: Brigitte Scholl Bild: dpa

Eine tote Frau wird gefunden. Es ist die Gattin des ehemaligen Bürgermeisters der Stadt. Ist ein von ihm verfasster Roman der Schlüssel zur Aufklärung des Verbrechens?

          2 Min.

          Es war der 29. Dezember des vergangenen Jahres. Brigitte Scholl verabschiedete sich zu einem Spaziergang mit ihrem hellbraunen Cockerspaniel Ursus in ein Waldgebiet unweit ihrer Heimatstadt Ludwigsfelde bei Berlin. Die Spaziergänge mit ihrem geliebten Hund gehörten zum Tagesablauf der Siebenundsechzigjährigen. Doch an diesem Dezembernachmittag kehrte sie nicht zurück. Ihr Ehemann Heinrich Scholl meldete seine Frau noch am selben Abend bei der Polizei als vermisst. Das Ehepaar Scholl ist bekannt bei den Ludwigsfeldern, denn Heinrich Scholl war bis 2008 achtzehn Jahre lang ihr Bürgermeister. Noch in der Nacht zum 30. Dezember begann die Polizei das Waldgebiet zu durchsuchen, in dem Brigitte Scholl für gewöhnlich spazieren ging. Am Mittag des vorletzten Dezembertags meldeten die Beamten dann den Fund einer unter Ästen verdeckten Frauenleiche und schlossen schon wenige Stunden später ein Gewaltverbrechen nicht aus.

          Lucia Schmidt

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nach einer DNA-Analyse hatte Heinrich Scholl die Gewissheit: Bei der Leiche handelte es sich um seine Ehefrau. Derweil tuschelte man in Ludwigsfelde, die Identifizierung habe länger gedauert, weil der Leichnam schrecklich entstellt gewesen sein soll. Nur wenige Meter neben der getöteten Frau fand man auch ihren Hund – ebenfalls unter Ästen vergraben und tot. Verschwunden blieb allerdings zuerst noch das Auto, mit dem Frau Scholl zum Spazierengehen gefahren war. Erst auf den Hinweis eines Anwohners hin fand die Kriminalpolizei den silberfarbenen Mercedes geparkt – vermutlich vom Mörder selbst – mitten in Ludwigsfelde. Nach dem mysteriösen Mord hatte niemand in der Stadt eine Erklärung dafür, wer die freundliche Bürgermeisterfrau getötet haben könnte – bis zum 25. Januar. An diesem Tag verhaftete die Polizei Heinrich Scholl. Der Ehemann der Getöteten sitzt nun in Untersuchungshaft. Was die Gründe angeht, hüllen sich die Ermittler in Schweigen, sprechen aber von heimtückischem Mord.

          Ein Wald in Ludwigsfelde, unweit von Berlin. Bilderstrecke
          Ein Wald in Ludwigsfelde, unweit von Berlin. :

          Bei der Durchsuchung des gemeinsamen Hauses des Ehepaars stießen die Ermittler auf ein kleines Buch mit dem Titel „Wachgeküsst“. Das hat Heinrich Scholl selbst geschrieben, wie mehrere Medien meldeten. In dem Buch erzähle der Titelheld von seinen erotischen Abenteuern und Eheproblemen – und auch von Mord soll die Rede sein. Der ehemalige Bürgermeister weist bislang alle Vorwürfe zurück. Der für Dienstag geplante Haftprüfungstermin vor dem Amtsgericht Potsdam wurde kurzfristig verschoben, weil noch weitere Zeugen gehört werden sollen. In Ludwigsfelde geht derweil weiter die Angst um. Elf Ludwigsfelder wurden in einem anonymen Anruf bei der Polizei namentlich mit dem Tod bedroht. Die Polizei hat einen Tatverdächtigen.

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