https://www.faz.net/-gum-8vwc0

Neue Betrugsmasche : Fangfragen am Telefon

Betrug per Telefon: Ganz gleich mit welcher Masche man betrogen wurde, man sollte in jedem Fall Anzeige erstatten, rät das LKA. Bild: dpa

Ein merkwürdiger Anruf, eine vorgetäuschte technische Störung und dann die Frage „Können Sie mich hören?“ – Bloß nicht mit „ja“ antworten, warnt das Landeskriminalamt.

          2 Min.

          Wer demnächst einen Anruf bekommt, in dem die simple Frage „Können Sie mich hören?“ gestellt wird, der sollte sofort wieder auflegen. Es handelt sich nämlich mit hoher Wahrscheinlichkeit um eine neue Betrugsmasche, die seit längerem in Amerika verbreitet ist und nun auch in Deutschland angewandt wird. Die Täter rufen wahllos Bürger an und täuschen während des Gesprächs eine technische Störung vor, um dann die genannte Frage zu stellen. Sagt der Angerufene „ja“, ist er in die Falle getappt.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Antwort wird nämlich mitgeschnitten und von den Tätern anschließend in einen völlig anderen Zusammenhang eingefügt. Demnach hat das Opfer mit seinem „Ja“ einen Kaufvertrag abgeschlossen. Der Vertrag ist rechtlich gesehen zwar wertlos, sagen Polizeibehörden und Verbraucherzentralen. Aber die Opfer erhalten trotzdem Rechnungen und werden, wenn sie diese nicht begleichen, durch Schreiben von vermeintlichen Inkasso-Unternehmen so unter Druck gesetzt, dass nicht wenige die geforderten Beträge zahlen. Unter anderem wird mit einem schlechten Schufa-Eintrag gedroht.

          Das hessische Landeskriminalamt (LKA) warnt nun vor dieser perfiden Masche. Noch gebe es in Hessen zwar keine angezeigten Fälle, sagt Sprecher Christoph Schulte. Es sei aber wohl nur eine Frage der Zeit. Mehrere Versuche, auf diese Weise an Geld zu kommen, hat es in anderen Bundesländern schon gegeben. So wurde gestern ein Fall aus Bonn bekannt, wie die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen mitteilt. Christine Steffen, die in der Behörde als Juristin arbeitet, sagt: „Wir bekommen immer wieder Beschwerden von Verbrauchern, die sich am Telefon dazu gezwungen sehen, ,ja‘ zu sagen.“

          Grundsätzlich seien Vertragsschlüsse am Telefon zwar möglich, so Steffen. „Hat der Verbraucher aber gar keine Vertragserklärung abgegeben, kommt ein Vertrag auch nicht wirksam zustande.“ Demzufolge müsse der Verbraucher auf unberechtigte Forderungen nicht reagieren. „Hilfsweise empfehlen wir dennoch, den Vertrag zu widerrufen.“ Das sei innerhalb einer Frist von 14 Tagen möglich. Sollte einem der Anruf ohnehin merkwürdig erscheinen, „raten wir dringend, auf keinen Fall auf Fragen zu antworten und im Zweifel einfach aufzulegen“.

          Vor allem ältere Menschen sind beliebte Telefon-Opfer

          Das rät auch das LKA, das auf immer neue Maschen aufmerksam macht. Viele von ihnen beginnen am Telefon, etwa der bekannte Enkel-Trick, der in jüngerer Zeit vom sogenannten Call-ID-Spoofing „abgelöst“ worden ist. Bei dieser Masche geben sich die Anrufer als Polizisten aus und untermauern dies, indem sie im Display des Opfers die Nummer 110 erscheinen lassen. Sie erschleichen sich das Vertrauen vor allem älterer Menschen und nutzen es dann aus, um mit Hilfe erfundener Geschichten an Geld zu gelangen.

          „Ganz gleich, mit welcher Masche jemand betrogen worden ist, in jedem Fall sollte immer Anzeige erstattet werden“, sagt Christoph Schulte vom LKA. Auf die Schreiben sollte nicht reagiert werden, im Zweifel sei es gut, sich einen Anwalt zu nehmen. In der Regel gäben die Täter dann auf. Nach den Worten von Christine Steffen braucht der Geschädigte vor allem eins: „starke Nerven“.

          Weitere Themen

          Südkorea bleibt am Wochenende zuhause

          Liveblog zu Coronavirus : Südkorea bleibt am Wochenende zuhause

          Jens Spahn kündigt für Montag eine Sondersitzung des Gesundheitsausschusses an +++ Dritter Virus-Fall In Hessen gemeldet +++ Automobilsalon in Genf und ITB Berlin abgesagt +++ Südkoreaner soll am Wochenende zu Hause bleiben+++ Alle Entwicklungen im Liveblog.

          Bulgarien vs. Louvre

          Ausstellung abgesagt : Bulgarien vs. Louvre

          Besucher des Pariser Louvre werden im Sommer keine Schau bulgarischer Kunst aus vergangenen Jahrhunderten zu sehen bekommen. Der Grund: Die bulgarische Orthodoxie will die Artefakte Pilgern vorbehalten.

          Mindestens 19 Tote bei Zugunfall

          Pakistan : Mindestens 19 Tote bei Zugunfall

          Im Süden des Landes ist ein Zug mit einem Passagierbus zusammengestoßen. Das pakistanische Eisenbahnministerium glaubt schon den Verantwortlichen der Tragödie zu kennen.

          Topmeldungen

          In der südkoreanischen Stadt Daegu versprühen Soldaten in Schutzanzügen Desinfektionsmittel.

          Liveblog zu Coronavirus : Südkorea bleibt am Wochenende zuhause

          Jens Spahn kündigt für Montag eine Sondersitzung des Gesundheitsausschusses an +++ Dritter Virus-Fall In Hessen gemeldet +++ Automobilsalon in Genf und ITB Berlin abgesagt +++ Südkoreaner soll am Wochenende zu Hause bleiben+++ Alle Entwicklungen im Liveblog.

          Reformstau in Deutschland : Deutschland, wie geht es dir?

          Ein Jahrzehnt Daueraufschwung neigt sich dem Ende entgegen, wirtschaftlich macht sich ein Gefühl des Stillstands breit. Politisch aber bahnen sich Umbrüche an. Zeit zu handeln also – diese Vorschläge hat die F.A.Z.-Redaktion.
          Deutschland am Boden: Infanteristen der amerikanischen Armee suchen im Frühjahr 1945 in den Ruinen von Zweibrücken nach Scharfschützen der Wehrmacht.

          Die letzten Kriegswochen : Immer noch sowjetische Gefangene

          Trotz aussichtsloser Lage der Wehrmacht ergeben sich ihr immer noch gegnerische Soldaten an der Ostfront. Ihre Motive hängen damit zusammen, was ihre Befehlshaber mit ihnen vorhaben. Die F.A.Z.-Chronik vom 29. Februar 1945.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.