https://www.faz.net/-gum-8vwc0

Neue Betrugsmasche : Fangfragen am Telefon

  • -Aktualisiert am

Betrug per Telefon: Ganz gleich mit welcher Masche man betrogen wurde, man sollte in jedem Fall Anzeige erstatten, rät das LKA. Bild: dpa

Ein merkwürdiger Anruf, eine vorgetäuschte technische Störung und dann die Frage „Können Sie mich hören?“ – Bloß nicht mit „ja“ antworten, warnt das Landeskriminalamt.

          Wer demnächst einen Anruf bekommt, in dem die simple Frage „Können Sie mich hören?“ gestellt wird, der sollte sofort wieder auflegen. Es handelt sich nämlich mit hoher Wahrscheinlichkeit um eine neue Betrugsmasche, die seit längerem in Amerika verbreitet ist und nun auch in Deutschland angewandt wird. Die Täter rufen wahllos Bürger an und täuschen während des Gesprächs eine technische Störung vor, um dann die genannte Frage zu stellen. Sagt der Angerufene „ja“, ist er in die Falle getappt.

          Die Antwort wird nämlich mitgeschnitten und von den Tätern anschließend in einen völlig anderen Zusammenhang eingefügt. Demnach hat das Opfer mit seinem „Ja“ einen Kaufvertrag abgeschlossen. Der Vertrag ist rechtlich gesehen zwar wertlos, sagen Polizeibehörden und Verbraucherzentralen. Aber die Opfer erhalten trotzdem Rechnungen und werden, wenn sie diese nicht begleichen, durch Schreiben von vermeintlichen Inkasso-Unternehmen so unter Druck gesetzt, dass nicht wenige die geforderten Beträge zahlen. Unter anderem wird mit einem schlechten Schufa-Eintrag gedroht.

          Das hessische Landeskriminalamt (LKA) warnt nun vor dieser perfiden Masche. Noch gebe es in Hessen zwar keine angezeigten Fälle, sagt Sprecher Christoph Schulte. Es sei aber wohl nur eine Frage der Zeit. Mehrere Versuche, auf diese Weise an Geld zu kommen, hat es in anderen Bundesländern schon gegeben. So wurde gestern ein Fall aus Bonn bekannt, wie die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen mitteilt. Christine Steffen, die in der Behörde als Juristin arbeitet, sagt: „Wir bekommen immer wieder Beschwerden von Verbrauchern, die sich am Telefon dazu gezwungen sehen, ,ja‘ zu sagen.“

          Grundsätzlich seien Vertragsschlüsse am Telefon zwar möglich, so Steffen. „Hat der Verbraucher aber gar keine Vertragserklärung abgegeben, kommt ein Vertrag auch nicht wirksam zustande.“ Demzufolge müsse der Verbraucher auf unberechtigte Forderungen nicht reagieren. „Hilfsweise empfehlen wir dennoch, den Vertrag zu widerrufen.“ Das sei innerhalb einer Frist von 14 Tagen möglich. Sollte einem der Anruf ohnehin merkwürdig erscheinen, „raten wir dringend, auf keinen Fall auf Fragen zu antworten und im Zweifel einfach aufzulegen“.

          Vor allem ältere Menschen sind beliebte Telefon-Opfer

          Das rät auch das LKA, das auf immer neue Maschen aufmerksam macht. Viele von ihnen beginnen am Telefon, etwa der bekannte Enkel-Trick, der in jüngerer Zeit vom sogenannten Call-ID-Spoofing „abgelöst“ worden ist. Bei dieser Masche geben sich die Anrufer als Polizisten aus und untermauern dies, indem sie im Display des Opfers die Nummer 110 erscheinen lassen. Sie erschleichen sich das Vertrauen vor allem älterer Menschen und nutzen es dann aus, um mit Hilfe erfundener Geschichten an Geld zu gelangen.

          „Ganz gleich, mit welcher Masche jemand betrogen worden ist, in jedem Fall sollte immer Anzeige erstattet werden“, sagt Christoph Schulte vom LKA. Auf die Schreiben sollte nicht reagiert werden, im Zweifel sei es gut, sich einen Anwalt zu nehmen. In der Regel gäben die Täter dann auf. Nach den Worten von Christine Steffen braucht der Geschädigte vor allem eins: „starke Nerven“.

          Weitere Themen

          Taylor Swift und ihr Master-Plan

          Streit um Rechte : Taylor Swift und ihr Master-Plan

          Taylor Swift kämpft zurzeit mit dem Musikmanager Scooter Braun – denn er hat die Rechte an ihren ersten sechs Alben. Nun überlegt die Sängerin, die Lieder einfach nochmal einzuspielen.

          Topmeldungen

          Es ist das erste Mal, dass Emmanuel Macron einen G-7-Gipfel ausrichtet.

          G-7-Gipfel : Wer reden will, soll ruhig reden

          In Biarritz inszeniert Emmanuel Macron einen G-7-Gipfel voller Überraschungen. Er überrumpelt Trump und lässt den iranischen Außenminister einfliegen. Ganz offensichtlich hat der französische Präsident aus seinem Anfängerfehler gelernt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.