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Erste Festnahmen : Lesbisches Paar in Londoner Bus attackiert

  • Aktualisiert am

Bild: Reuters

Ein lesbisches Paar wurde von einer Gruppe Männern in einem Bus in London angegriffen. Zunächst forderten die Täter, die Frauen sollten sich küssen. Dann prügelten sie auf sie ein.

          Zwei Frauen wurden in einem Londoner Bus Opfer einer homophoben Attacke. „Letzten Mittwoch hatte ich ein Date mit Chris“, schrieb die 28 Jahre alte Melania Geymonat am Mittwoch auf ihrem Facebook-Account. Sie und ihre Freundin hätten auf dem oberen Deck eines Busses Platz genommen, wohin ihnen eine Gruppe junger Männer gefolgt sei, wohl „weil wir uns geküsst haben oder so ähnlich. Es waren mindestens vier Männer. Sie fingen an, sich wie Hooligans zu benehmen und forderten uns auf, uns zu küssen, damit sie uns zuschauen könnten“. Die Männer hätten sie nicht nur „Lesben“ genannt, sondern auch sexuelle Stellungen der beiden beschrieben, sie mit Münzen beworfen und seien dabei immer „enthusiastischer“ geworden.

          Sie habe versucht, die Situation mit Humor zu entschärfen, ihre Freundin habe sogar so getan, als sei ihr schlecht. Doch die Attacken hätten nicht aufgehört. Schließlich hätten drei Männer auf ihre Freundin eingeschlagen, die daraufhin im Gesicht blutete, dann sei sie selbst geschlagen worden, ihr sei  schlecht vom Anblick ihres eigenen Bluts geworden.

          Geymonat postete dazu ein Bild von sich und ihrer Freundin, das sie unmittelbar nach der Attacke zeigt, blutüberströmt. „Was mich am meisten aufregt“, schreibt Geymonat, „ist, dass Gewalt eine alltägliche Sache geworden ist“. Manchmal sei es nötig, ergänzt sie im Hinblick auf das inzwischen viral gegangene Bild, eine Frau bluten zu sehen, die geschlagen wurde, um echte Wirkung zu erzielen. „Ich bin es leid, als sexuelles Objekt betrachtet zu werden, ich bin es leid, dass diese Situationen gewöhnlich werden, dass homosexuelle Freunde verprügelt werden. Wir müssen verbale Belästigung und chauvinistische, misogyne und homophobe Gewalt ertragen, denn wenn du für dich selbst einstehst, passiert Mist wie dieser.“

          Inzwischen wurden der „BBC“ zufolge vier männliche Teenager im Alter zwischen 15 und 18 Jahren festgenommen. „Ich habe keine Angst davor,  Homosexualität zu zeigen“, sagte die Freundin Geymonats, Chris, der „BBC“. „Wenn überhaupt, sollten wir es mehr tun. Ich bin noch immer wütend. Es war beängstigend, doch dies ist keine besonders neue Situation.“ Den mutmaßlichen Tätern wird der Polizei zufolge Körperverletzung und Diebstahl vorgeworfen – sie hatten den beiden Frauen auch eine Tasche und ein Handy weggenommen.

          Die öffentliche Anteilnahme an dem Vorfall ist derweil groß. Der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan schrieb auf Twitter, es handele sich um eine „ekelhafte, misogyne Attacke“. Hassverbrechen gegen die LGBT+-Community würden in London nicht toleriert. Auch Labour-Vorsitzender Jeremy Corbyn twitterte seine Solidarität mit den beiden Opfern: „Absolut schockierend. Wir dürfen und werden homophobe und misogyne Gewalt in unserer Gesellschaft nicht akzeptieren.“

          Laut Statistiken der Metropolitan Police ist die Zahl homophober Verbrechen in London in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Während 2014 noch 1488 Fälle gemeldet wurden, lag die Zahl 2018 schon bei 2308 gemeldeten Taten.

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