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Lebenslange Freiheitsstrafe : Mord aus Habgier

Talib O. war Verbindungsmann des Landeskriminalamts in Rheinland-Pfalz Bild: dpa

Ein ehemaliger V-Mann des rheinland-pfälzischen Landeskriminalamts und ein Komplize sind wegen der Morde an drei Georgiern zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Am Tatort befanden sich auch DNA-Spuren des „Phantoms“.

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          Letztlich waren es offenbar die Taschen voller Geld, die den drei Männern aus Georgien zum Verhängnis wurden. Mit etwa 12000 Euro in bar stiegen sie am 30. Januar 2008 in Ludwigshafen zu Talib O. ins Auto. Die Autohändler wollten in Deutschland gebrauchte Fahrzeuge kaufen, um sie in ihrer Heimat wieder zu veräußern. Talib O. hatte wohl vorgegeben, mit ihnen ins Geschäft kommen zu wollen. Also fuhren sie los. In Frankenthal stieg noch der Somalier Ahmed H. dazu. Doch ein paar Stunden später waren die drei Georgier tot und ausgeraubt.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Wegen Mordes aus Habgier sind nun am Montag Ahmed H. und Talib O. vom Landgericht Frankenthal zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt worden. Im Fall des Talib O. wurde zudem die besondere Schwere der Schuld festgestellt. Der Vorsitzende Richter bezeichnete Talib O. in der Urteilsbegründung als die treibende Kraft hinter dem Verbrechen. Er sei im Januar 2008 in finanziellen Schwierigkeiten gewesen. Geld musste her, wie es hieß. Also habe er die drei georgischen Autohändler am Abend des 30. Januar 2008 mit dem Angebot eines Mercedes ins südhessische Heppenheim gelockt.

          Die toten Männer wurden in den Rhein geworfen

          Dort angekommen, habe Talib O. die drei Georgier mit einer Pistole bedroht und gezwungen, sich auf die Erde zu legen. Ahmed H. hat daraufhin nach den Worten des Richters die Männer gefesselt. Als nun O. damit begonnen habe, den ältesten der Georgier vor den Augen seiner Bekannten zu erdrosseln, hätten diese versucht zu fliehen. Daraufhin habe Talib O. diese beiden erschossen. Später habe er den Toten mindestens 11900 Euro Bargeld abgenommen. Dann hätten die beiden Angeklagten die Leichen in O.s Wagen gewuchtet und sie nach Mannheim gefahren. Dort wurden die toten Männer in den Rhein geworfen, wie es im Urteil heißt. Am Abend hätten beide gemeinsam einen Fitnessclub besucht und seien essen gegangen. Ahmed H. bezeichnete der Richter als Mittäter, auch wenn er keines der Opfer getötet habe. Für seine Mithilfe habe er 2000 Euro erhalten.

          Ahmed H. soll der islamistischen Sauerland-Gruppe zugearbeitet haben.

          Bis zuletzt hatten die beiden Angeklagten sich gegenseitig der Morde bezichtigt. Der 27 Jahre alte Ahmed H. etwa ließ durch seinen Verteidiger seine Version darlegen: Demnach habe der 40 Jahre alte Talib O. zwei Männer erschossen und einen erdrosselt. Aus Furcht vor ihm habe er nicht eingegriffen. Daher habe er auch - stark eingeschüchtert - dabei geholfen, die Leichen zu beseitigen. Das sieht Talib O. ganz anders. Er brachte wiederum religiöse Motive in das Geschehen. Denn nach seinen Aussagen sind am besagten 30. Januar plötzlich zwei vermummte Islamisten erschienen und haben zusammen mit dem Somalier Ahmed H. die drei Georgier getötet - weil sie Christen seien.

          DNA-Spuren des Phantoms

          Mit Islamisten indes hatte Talib O. schon von „Berufs wegen“ zu tun. Der aus dem Irak stammende Mann war einige Jahre lang ein Verbindungsmann des Landeskriminalamtes (LKA) in Rheinland-Pfalz. Er soll Informationen aus der islamistischen Szene in Ludwigshafen an das LKA geliefert haben. Auch Ahmed H. soll er beobachtet haben. Denn H. stand offenbar im Verdacht, Geld für islamistische Aktionen zu sammeln. Für seine Tätigkeiten als Informant hatte das LKA Talib O. nach Medienberichten ein Auto zur Verfügung gestellt - das Auto, in das die drei Georgier am 30. Januar gestiegen sind. So hatte der Staatsanwalt darauf hingewiesen, dass das LKA entscheidende Informationen über die Fahrtroute des Autos mitgeteilt hatte - ein GPS-Gerät war in dem Fahrzeug installiert. Nur so habe man die Männer überhaupt anklagen können.

          Der Ford Escort Kombi gibt indes weitere Rätsel auf. So wurden in dem Wagen auch DNA-Spuren des „Phantoms“ gesichert. Das „Phantom“ ist die unbekannte Serientäterin, nach der die Polizei seit 1993 in ganz Deutschland sucht. Sie soll an dem Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter in Heilbronn beteiligt gewesen sein - auch an diesem Tatort wurden ihre Spuren gefunden. Doch ob sie jemals in dem Auto gesessen hat oder ob eine andere Person ihre DNA-Spuren bewusst oder unbewusst in das Auto gebracht hat, gehört zu den vielen Fragen, die auch nach der Urteilsverkündung noch nicht beantwortet sind.

          Der islamistischen Sauerland-Gruppe zugearbeitet

          Denn der Fall scheint weit mehr zu sein als ein Raubmord in den Untiefen der deutschen Provinz. Dafür spricht zum einen schon die Tatsache, dass ein Informant des LKA wegen Mordes verurteilt wurde. Zum anderen weist auch die Person des Somaliers Ahmed H. weit über Heppenheim und Ludwigshafen hinaus. So ermittelt der Generalbundesanwalt gegen ihn. Ahmed H. soll der islamistischen Sauerland-Gruppe zugearbeitet haben. Die drei Mitglieder dieser Gruppe werden verdächtigt, im September 2007 in einem Ferienhaus im Sauerland aus verdünntem Wasserstoffperoxyd Sprengstoff für terroristische Anschläge mit Autobomben hergestellt zu haben. Bei ihrer Festnahme am 4. September wurden 26 Sprengzünder sichergestellt. An der Beschaffung von sechs dieser Zünder könnte indes Ahmed H. beteiligt gewesen sein, heißt es in einer Stellungnahme des Generalbundesanwaltes. Der Verdacht besteht, die Ermittlungen dauern an.

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