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Schuldspruch in Tübingen : Lange Haftstrafen nach gemeinschaftlicher Vergewaltigung

Die Große Jugendkammer des Landgerichts Tübingen musste über den Fall befinden, weil drei der vier Angeklagten bei der Tat noch minderjährig waren. Bild: dpa

Wegen der Vergewaltigung einer jungen Frau in Tübingen sind vier Männer zu langen Haftstrafen verurteilt worden. Sie haben die Vierundzwanzigjährige auf einen dunklen Schulhof gelockt und dann vergewaltigt.

          Das Gericht wollte den vier jungen Männern aus Dußlingen, Nehren und Mössingen nicht auch noch eine Bühne zur Selbstdarstellung geben. Deshalb verurteilte die dritte große Jugendkammer des Landgerichts Tübingen am Donnerstag die vier Männer unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu Jugendstrafen zwischen sechs und sieben Jahren und den ältesten Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren wegen einer „gemeinschaftlich begangenen Vergewaltigung“. Auch auf eine öffentliche Urteilsbegründung verzichtete die Kammer.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Die Angeklagten hatten am 29. März 2015 eine 24 Jahre alte Frau nach einer Party auf dem Schulhof der Tübinger Albert-Schweitzer-Realschule gemeinsam sexuell missbraucht und vergewaltigt. Die Frau war danach verletzt und orientierungslos durch die Tübinger Weststadt gelaufen, bis sie schließlich von zwei Frauen gefunden und ins Krankenhaus gebracht wurde. Kurz nach der Tat war das Vorgehen mit einer „Gruppenvergewaltigung“ verglichen worden, von der Staatsanwaltschaft war das damals zurückgewiesen worden. In jedem Fall gibt es für das abgesprochene Vorgehen der Männer in Deutschland wohl kaum Präzedenzfälle.

          Täter stritten die Handlungen ab

          Die Männer hatten die alkoholisierte Frau in der Turnhalle, in der eine öffentliche Party stattfand, angesprochen und unter einem Vorwand auf den Schulhof gelockt. Weil ein Täter schon einmal straffällig geworden war und es eine DNA-Spur gab, konnten die Vergewaltiger von einer Sonderermittlungsgruppe mit 15 Beamten schon gut vier Wochen nach der Tat verhaftet werden. Mitte Oktober hatte dann der Strafprozess in Tübingen begonnen. Der Vorsitzende Richter hatte entschieden, dass der Schutz der drei zur Tatzeit noch nicht erwachsenen Angeklagten wichtiger sei als das Interesse der Öffentlichkeit. Die Vertreterin der Nebenklage und die Staatsanwaltschaft hatten sich dieser Auffassung angeschlossen. Das Gericht wollte auch die Privatsphäre der vergewaltigten Frau schützen, die durch das Verbrechen so schwer traumatisiert ist, dass sie für eine gewisse Zeit stationär behandelt werden musste.

          Alle Täter wohnten zur Tatzeit noch bei ihren Eltern, sie sollen häufig Fitness-Studios aufgesucht haben. In den Gerichtssaal wurden sie mit Fußfesseln geführt. Die Angeklagten hatten die sexuellen Handlungen entweder abgestritten oder behauptet, diese seien freiwillig zustande gekommen. Über die Herkunftsmilieus der Täter war wenig zu erfahren, allerdings leidet Tübingen darunter, dass sozial benachteiligte Jugendliche aus den Umlandgemeinden auf der Schwäbischen Alb am Wochenende gern zum Feiern in die Universitätsstadt kommen.

          Der jüngste Angeklagte soll sich auch in der Haft auffällig verhalten haben: Er habe wenig Respekt gegenüber den Justizvollzugsbeamten gehabt und sei nicht in der Lage gewesen, Konflikte sachlich zu lösen, hieß es.

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