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Landgericht Chemnitz : Lange Haftstrafen für Totschlag an Homosexuellem

  • -Aktualisiert am

Die Zeugenaussagen sorgten im Landgericht Chemnitz für Entsetzen unter den Zuhörern. Bild: dpa

Die drei Täter hatten das Opfer im April vergangenen Jahres in ein Abrisshaus gelockt und dort zu Tode geprügelt. Der Haupttäter muss für 14 Jahre ins Gefängnis.

          Im Prozess um den brutalen Tod eines 27 Jahre alten homosexuellen Mannes aus Aue hat das Landgericht Chemnitz am Freitag drei Männer zu langen Haftstrafen verurteilt. Der 27 Jahre alte Haupttäter muss wegen Totschlags für 14 Jahre ins Gefängnis, die beiden anderen Täter, 22 Jahre alt, erhielten ebenfalls wegen Totschlags jeweils elf Jahre Haft. Die beiden jüngeren Männer müssen aufgrund ihrer Alkoholsucht zudem für jeweils zwei Jahre und fünf Monate in eine Entziehungsanstalt.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Die drei Täter hatten das spätere Opfer im April 2018 in ein Abrisshaus auf einem Bahngelände in Aue gelockt und dort zu Tode geprügelt. Der junge Mann erlitt schwerste Verletzungen am Kopf und im Gesicht und starb schließlich an einer Zertrümmerung des Hirnstamms.

          Die Staatsanwaltschaft hatte die drei Männer des gemeinschaftlichen Mordes angeklagt und für den Hauptangeklagten lebenslange Haft gefordert. In dem seit Dezember dauernden Prozess kamen immer wieder grausame Details der Tat ans Licht, die Entsetzen unter den Zuhörern auslösten. So schilderte eine Polizistin aus der Vernehmung der Angeklagten, wie diese ihr Opfer zunächst in einen 1,80 Meter tiefen Schacht gestürzt und anschließend mit einer Tür auf den Mann eingeprügelt hatten. Dabei sei die Tür im Körper des Mannes stecken geblieben.

          Nach Zeugenaussagen waren zwei der Angeklagten und das Opfer beste Freunde gewesen. Der dritte Angeklagte habe eine starke rechtsradikale Einstellung, weshalb die Tat auch in der Statistik für Opfer rechtsextremer Gewalt geführt wird. Er soll dem Opfer gedroht und ihm Schnittverletzungen beigefügt haben. Alle drei Täter hatten in der Verhandlung Teilgeständnisse abgelegt. Gutachter hatten indes nicht die rechtsextreme Einstellung eines der Täter, sondern den exzessiven Alkoholkonsum der Männer als Tatursache festgestellt. Dieser habe jedoch nicht zu einer Steuerungsunfähigkeit geführt.

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