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Landgericht Düsseldorf : Was Schüler never ever posten sollten

  • -Aktualisiert am

Ein Lehrer hat seine Schülerin wegen eines Facebook-Eintrags vor Gericht gebracht. Bild: dpa

Eine Schülerin beschimpft ihren Lehrer auf Facebook – und muss sich vor Gericht verantworten. Ihr Lehrer hatte einen Strafantrag gestellt. Das Urteil fällt im Sinne der Generalprävention aus.

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          Manchmal ist schon der Gang zum Gericht eine Strafe. Als höchst unangenehm dürfte es jedenfalls eine 14 Jahre alte Schülerin aus Düsseldorf empfunden haben, dass am Dienstagmorgen im Flur des Amtsgerichts mehrere Fotografen und Fernsehteams auf sie warteten, um sich im Wortsinn ein Bild von ihr zu machen. Die Sonderschülerin musste sich vor Gericht verantworten, weil sie im vergangenen Herbst einen ihrer Lehrer heimlich im Unterricht fotografiert und das Bild mit dem Kommentar „Behinderter Lehrer ever“ auf Facebook verbreitet hatte.

          Reiner Burger
          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Immer wieder kommt es vor, dass Schüler ihre Lehrer in den sogenannten sozialen Medien beleidigen. Meist werden solche Verfehlungen mit einem Eintrag ins Klassenbuch oder anderen „schulinternen Sanktionen“ geahndet, wie Marcel Dué, der Sprecher des Düsseldorfer Amtsgerichts formuliert. Der Lehrer der Jugendlichen aus Düsseldorf, ein 64 Jahre alter Sonderschul-Pädagoge, stellte Strafantrag. Obwohl oder gerade weil seine Schülerin eben erst strafmündig geworden war, fand er, dass es an der Zeit sei, ein Zeichen zu setzen.

          Die Hauptverhandlung am Dienstag fand zum Schutz der minderjährigen Angeklagten unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. „Aber weil der Fall schon in den vergangenen Tagen ein großes mediales Echo fand, waren vor dem Saal so viele Fotografen und Kameraleute“, berichtet Gerichtssprecher Dué. „Die Richterin äußerte zu Beginn der Verhandlung: ‚Nun haben Sie mitbekommen, wie es ist, öffentlich zur Schau gestellt zu werden.“

          Allzu oft wird Cybermobbing zum Privatproblem heruntergespielt

          Die junge Angeklagte habe die Tat sogleich gestanden und „ehrliche Reue“ gezeigt, was ihr das Gericht zugutehielt. Zu ihren Ungunsten bewertete es den Umstand, dass die Schülerin das Foto mit dem beleidigen Kommentar einem größerem Personenkreis zugänglich machte: Nicht nur ihre eigenen Facebook-Freunde konnten den Eintrag sehe, sondern auch deren Freunde. Das Gericht bezeichnete das Verhalten der 14 Jahre alten Schülerin als „inakzeptable Straftat“ und verurteilte sie zu 20 Stunden gemeinnütziger Arbeit.

          Es ist ein Urteil im Sinne der Generalprävention. Man braucht nur in einschlägige Online-Foren zu klicken, um einen Eindruck davon zu bekommen, wie viele Pädagogen sich hilflos den übelsten Beleidigungen mancher Schüler ausgesetzt sehen. Viele Lehrer stehen nach Einschätzung des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) durch ihre Schule oder die Schulaufsicht unter Druck, in der Öffentlichkeit nicht über solche Vorfälle zu sprechen, weil das ein schlechtes Licht auf ihre Schule werfen könnte. Allzu oft werde Internet-Mobbing zum Privatproblem der Betreffenden heruntergespielt, sagte Udo Beckmann, der Vorsitzende des nordrhein-westfälischen VBE-Landesverbands. Beckmann hieß das Urteil ausdrücklich gut.

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