https://www.faz.net/-gum-7nfv4

Landgericht Bonn : Die Frau erwürgt und im Keller einbetoniert

  • Aktualisiert am

Dem Angeklagten werden zu Beginn des Prozesstags die Handschellen gelöst. Bild: dpa

Im Februar 2008 verschwand Sigrid G. aus Königswinter spurlos. Ihr Ehemann erzählte den Kindern jahrelang, sie habe die Familie verlassen. Nun ist er wegen Totschlags verurteilt worden.

          Das Landgericht Bonn hat am Montag den 52 Jahre alten Gerd P. aus Königswinter, der seine Frau 2008 erwürgt und im Keller einbetoniert hatte, wegen Totschlags zu acht Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. P. hatte seinen Kindern und seinen Bekannten jahrelang weisgemacht, dass seine Frau Sigrid die Familie nach einem Streit verlassen habe. Erst Anfang 2012 meldete die mittlerweile 21 Jahre alte Tochter ihre Mutter als vermisst.

          Die Polizei nahm Ermittlungen auf. Als Kriminalbeamte im vergangenen Oktober den Garten der Familie P. umgraben wollten, gestand der mittlerweile wieder verheiratete Gerd P. die Tat und führte die Polizisten im Keller seines Hauses zu einem Betonsockel unter einem Weinregal. Nach mehrstündiger Arbeit gelang es Spezialisten, den Leichnam aus dem Betonbehältnis zu bergen.

          Im Prozess schilderte P. nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft den Tatablauf geradezu „analytisch“. Demnach hatten Gerd und Sigrid P. Geldsorgen und stritten sich regelmäßig. Gerd P. hatte mehrfach versucht, sich als Gastronom selbständig zu machen, scheiterte aber jeweils und häufte immer neue Schulden an. Am 14. Februar 2008 eskalierte der Konflikt. P. würgte seine Frau minutenlang, weil er ihre Vorhaltungen nicht mehr ertragen haben will. „Ich wollte nur noch meine Ruhe haben“, sagte P. zu Prozessbeginn Anfang März. Nach dem Tod seiner Frau habe P. die Sache dann, wie die Staatsanwaltschaft vergangene Woche in ihrem Plädoyer formulierte, „systematisch abgearbeitet“ und den Leichnam im Keller einbetoniert.

          Für den Sohn und die Tochter von P. war die jahrelange Ungewissheit eine dauernde Tortur. Vor allem die Tochter Ps. quälte sich fortwährend mit Schuldgefühlen und der Hoffnung, ihre Mutter komme doch noch irgendwann zurück. Die junge Frau wandte sich schließlich auch ans Fernsehen.

          Im Sender „RTL“ gab ihr Vater Anfang 2013 ein aufsehenerregendes Interview und noch kurz vor dem Fund des Leichnams berichtete auch die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ über den Fall. „Was ist besser: Die Ungewissheit oder das Wissen, dass der Vater die Mutter tötete“, wollte der Richter von der jungen Frau im Prozess wissen. Das frage sie sich täglich; beides sei schrecklich, antwortete sie.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Nach Unwettern : Verkehr in Teilen Deutschlands gestört

          Ein starkes Unwetter sorgt in Teilen Deutschlands für Störungen und Ausfälle im Bahnverkehr. Auch auf vielen Autobahnen gibt es massive Behinderungen. Am Frankfurter Flughafen wird die Abfertigung zwischenzeitlich eingestellt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.