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Kupferklau nimmt zu : Metalldiebe legen Bahnverkehr lahm

  • -Aktualisiert am

Techniker der Bahn bringen an der Linie zwischen Frankfurt (Oder) und Berlin neue Kupferkabel an - weil auch hier Metalldiebe zugeschlagen hatten. Bild: dpa

Für acht Stunden war die wichtigste Bahnstrecke Norddeutschlands lahmgelegt - weil Metalldiebe Kabel von Strommasten und Signalanlagen gestohlen hatten. Mit dem hohen Kupferpreis steigt die Zahl der Taten. An manchen Strecken schlagen die Diebe fast täglich zu.

          Metalldiebe haben die wichtigste Bahnstrecke Norddeutschlands, die Verbindung von Hamburg und Hannover, in der Nacht zum Mittwoch für acht Stunden lahmgelegt. Mitarbeiter der Bahn hatten bei einem Kontrollgang bemerkt, dass die Diebe etwa 80 Kabel auf den zwei Kilometern zwischen Isernhagen und Großburgwedel gestohlen hatten. Der Strom musste abgestellt werden, bis 80 Erdungskabel an Strommasten und Signalanlagen ersetzt waren. Rechtzeitig zum Berufsverkehr konnte die Strecke um 4 Uhr wieder befahren werden. Zuvor waren der Fern- und Güterverkehr umgeleitet worden, der Nahverkehr fiel teils aus.

          Ohne die Sperrung hätten Signale ausfallen und Strom von 15.000-Volt-Leitungen überschlagen können. Allein im Juni hatten die Bahnstrecken zwischen Hannover und Berlin sowie zwischen Braunschweig und Hildesheim nach Kabeldiebstählen gesperrt werden müssen. Der Bahnbereich Bremen meldet fast täglich Diebstähle an den Strecken. Viele Verspätungen beruhen auf Metalldiebstählen.

          Der Preisanstieg bei Kupfer und anderen Buntmetallen führte in den vergangenen Jahren zu immer mehr Metalldiebstählen. Die Schäden an den Bahnanlagen und die Gefahren für den Verkehr sind dabei meist wesentlich größer als der „Ertrag“ der Täter. So ähneln die Taten Armutsdelikten in anderen Weltregionen wie Afrika. Die Diebe sind oft „regionale Kleinkriminelle“. Nach einer Untersuchung des Innenministeriums von Sachsen-Anhalt wohnen Schrottdiebe häufig nicht mehr als zwei Kilometer vom Tatort entfernt. Vor allem in Grenznähe zum Osten gibt es indes organisierte Banden, die mit Gabelstaplern kommen. In den vergangenen Wochen wurden mehrfach Diebe nach Zeugenhinweisen auf frischer Tat ertappt, in Sachsen-Anhalt auch bei nächtlichen Hubschrauberpatrouillen mit Nachtsichtgeräten.

          Die Bahn markiert seit dem Sommer 2011 einige Metallteile mit künstlicher DNA, die unsichtbar einen Eigentums-Code der Bahn zeigt; sie bleibt an der Kleidung und den Werkzeugen der Täter haften. Die DNA kann von Schrotthändlern mit Hilfe spezieller Geräte identifiziert werden - was aber bislang selten geschah. Mehrere Wirtschaftsministerien lehnen eine Buchführungspflicht für Buntmetalle ab, weil sie zu bürokratisch sei und nur selten der Aufklärung diene. Vier Bundesländer, die sie eingeführt hatten - Bayern, Niedersachsen, Berlin und Brandenburg -, hoben sie wieder auf. Die rot-schwarze Koalition in Schwerin dagegen bereitet eine Buchführungspflicht vor. An den Grenzen kann Schrott problemlos befördert werden - es gilt als Abfall, für den ein einfaches Begleitpapier reicht, das der Fahrer ausfertigen darf. Dieben bringt Kupferschrott etwa sieben Euro je Kilogramm.

          Die Polizei in Sachsen-Anhalt hat Sonderermittlungsgruppen eingesetzt, weil sich die Zahl der Diebstahlsanzeigen bei Metallen innerhalb eines Jahres nahezu verdoppelte. Teils wird die Landespolizei in der Umgebung von Bahngleisen von Bundespolizisten verstärkt, die auch auf Schrottplätzen nach Diebesgut fahnden. Schrotthändler fühlen sich unter einen Generalverdacht des nachlässigen Umgangs oder gar der Hehlerei gestellt.

          Gestohlen werden neben Bahn-Kabeln auch Geländer von Straßenbahn-Haltestellen, Stahlseile von Fußgängerbrücken, Gullydeckel sowie Fallrohre an unbewachten Baustellen. Selbst vor Kirchen schrecken die Diebe nicht zurück - neben Regenrinnen haben sie es auf Glocken und historische Grabstellen abgesehen. Mehrfach mussten Windparks stillgelegt werden, weil Kupferspulen in Trafohäuschen gestohlen wurden. Bisweilen bringen die Diebe sich selbst in Lebensgefahr, etwa wenn sie Messingventile an Gasleitungen abschrauben und dann Gas ausströmt. Deshalb mussten unlängst in Halberstadt mehrere Häuser geräumt werden.

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