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Polizei dementiert : Kunstschätze aus Grünem Gewölbe im Internet angeboten?

  • Aktualisiert am

Polizisten verlassen nach dem Einbruch das Residenzschloss Bild: dpa

Zwei Monate nach dem Juwelendiebstahl im Grünen Gewölbe soll es erste Hinweise auf die gestohlenen Kunstschätze geben. Per Mail hätten Unbekannte neun Millionen für Teile des Diebesguts gefordert. Doch die Polizei winkt ab.

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          Der Fall um gestohlene Schmuckstücke aus dem Grünen Gewölbe in Dresden wächst zum Mysterium heran: Erstmals seit dem spektakulären Einbruch Ende November soll es einen Hinweis auf Teile des Diebesguts geben, hieß es am Freitagmorgen Medienberichten zufolge. Eine israelische Sicherheitsfirma habe nach eigenen Angaben wertvolle Stücke von Unbekannten angeboten bekommen. Diese hätten in E-Mails neun Millionen Euro für den Bruststern des Polnischen Weißen Adler-Ordens und den „Sächsischen Weißen“ verlangt, erklärt der Geschäftsführer der israelischen Sicherheitsfirma CGI, Zvika Nave, gegenüber der „Bild“-Zeitung.

          Man habe auf eine erste Mail bereits geantwortet, um die Verhandlungen mit den unbekannten Erpressern aufzunehmen, führte CGI-Chef Jacob Perry im Interview mit dem „mdr Sachsen“ aus. „Ihre Antwort ist aber etwas kompliziert, sodass wir (die Firma CGI) beschlossen haben, alle E-Mails an den Staatsanwalt in Dresden zu senden.“ Eine weitere Antwort läge CGI bislang nicht vor.

          Die Polizei und Staatsanwaltschaft Dresden dementieren die Berichte der israelischen Sicherheitsfirma in einer Pressemittlung: „Hinweise darauf, dass im Grünen Gewölbe gestohlener Schmuck der Firma zum Kauf angeboten wurde, liegen den Ermittlungsbehörden nicht vor.“ Staatsanwaltschaft und Polizei behaupten, seitens der Firma wären keine Erkenntnisse übermittelt worden.

          Zahlung in Digitalwährung Bitcoin gefordert

          Nach eigenen Angaben der CGI-Gruppe mit Sitz in Tel Aviv habe sie eine Anwaltsfirma von Vorstandsmitgliedern des Museums mit der Überprüfung der Sicherheitsmaßnahmen im Grünen Gewölbe beauftragt sowie mit der Untersuchung des Einbruchs. Auch diese Darstellung wiesen die Ermittlungsbehörden strikt zurück: „Die Staatsanwaltschaft Dresden, die Polizeidirektion Dresden und die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden haben die israelische Firma CGI nicht mit der Überprüfung des Sicherheitskonzeptes im Grünen Gewölbe oder mit sonstigen Ermittlungen beauftragt“, erklärte die Dresdner Staatsanwaltschaft.

          Auch die Staatlichen Kunstsammlungen (SKD), zu denen das Grüne Gewölbe gehört, zeigten sich überrascht. Von dem angeblichen Sachverhalt habe man keine Kenntnis, erklärte SKD-Sprecher Stephan Adam. „Die Firma hat zu uns auch keinen Kontakt aufgenommen.“

          Laut der Darstellung der Sicherheitsfirma soll die Zahlung an die Unbekannten in der Internetwährung Bitcoin erfolgen. „Alle Informationen wurden in Echtzeit an die Dresdner Staatsanwaltschaft übergeben“, sagte der Geschäftsführer der israelischen Sicherheitsfirma. Warum diese der Polizei Dresden mach eigenen Angaben nicht vorliegen, ist nicht bekannt. Demnach erhielt die Firma sechs, sieben E-Mails. Die erste sei vergangene Woche eingegangen. Die Absender hätten geschrieben, ihre Nachricht sei nicht nachzuverfolgen, sie hätten verschiedene Verschlüsselungstechniken verwendet. Die Dresdner Staatsanwaltschaft, die die Ermittlungen zum Einbruch leitet, teilte mit, sie wisse von davon all dem nach eigenem Bekunden nichts: Es seien seitens CGI keinerlei Erkenntnisse übermittelt worden, hieß es.

          Eines der beiden Schmuckstücke, die die Einbrecher der Sicherheitsfirma anbieten: Ein Bruststern des Polnischen Weißen Adler-Ordens

          Zwei Unbekannte waren am frühen Morgen des 25. November in das berühmte Schatzkammermuseum des 18. Jahrhunderts im Erdgeschoss des Residenzschlosses eingedrungen. Das Achselband mit dem „Sächsischen Weißen“ und der Bruststern des Polnischen Weißen Adler-Ordens gehören zu gut zwei Dutzend erbeuteten barocken Schmuckstücken mit Diamanten und Brillanten. Der Coup, der auch international Schlagzeilen machte, dauerte nur wenige Minuten. Als die Polizei eintraf, waren Diebe und Beute verschwunden.

          Im Dresdner Schloss ist am Freitag das Sicherheitspersonal aufgestockt worden. Genaue Zahlen würden „aus Sicherheitsgründen“ jedoch nicht genannt, teilten die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) am Freitag mit. Neben dem vom Einbruch betroffenen Historischen Grünen Gewölbe befinden sich im Schloss weitere Museen der SKD. Das historische Gebäude werde jetzt auch von außen bewacht, hieß es. Die SKD bestätigten einen Bericht der „Dresdner Morgenpost“, wonach gepanzerte Minibusse einer Sicherheitsfirma Tag und Nacht vor dem Schloss stehen.

          Rund 1200 Hinweise aus dem In- und Ausland sind nach Polizeiangaben bis zum Donnerstag bei der Sonderkommission „Epaulette“– benannt nach einem der erbeuteten Schmuckstücke – eingegangen. Eine heiße Spur gibt es den Ermittlern zufolge bisher nicht.

          Die Dresdner Behörden gehen angesichts von insgesamt vier Tätern – zwei fuhren das später in Brand gesetzte Fluchtauto – von einer Bande aus. Es wurde eine Belohnung von 500.000 Euro für Hinweise ausgesetzt. Noch ist das historische Grüne Gewölbe, in dem sich auch das Juwelenzimmer befindet, für Besucher geschlossen. Wann es wieder öffnet, steht noch nicht fest.

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