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Kunstraub vor der Aufklärung : Aber wo sind die Rembrandts?

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Auf einer heißen Spur: In einer Pressekonferenz versichert das FBI, die Kunsträuber zu kennen. Bild: AP

Der größte Kunstraub aller Zeiten steht vor der Aufklärung: Als Polizisten verkleidet raubten Verbrecher in Boston 1990 Gemälde im Wert von 500 Millionen Euro. Nun hat das FBI die Täter ermittelt - die trotzdem straffrei ausgehen könnten.

          Die beiden Männer kamen verkleidet als Polizisten. Sie begehrten Einlass und machten sich an die Arbeit. Zuerst wurden die beiden Wächter mit Klebeband gefesselt und in den Keller geschafft. Dann schnitten sie die alten Bilder aus ihren Rahmen an den Wänden. Nach knapp anderthalb Stunden verschwanden sie mit drei Rembrandts, einem Vermeer, einem Manet und einer Reihe von Degas.

          Das Verbrechen in der März-Nacht des Jahres 1990 auf das schlecht gesicherte und nicht versicherte Isabella Stewart Gardner Museum in Boston gilt als der größte Kunstraub aller Zeiten. Mit einer Beute, die nach Schätzung von Fachleuten heute bei einem legalen Verkauf in den Auktionshäusern mindestens 500 Millionen Dollar bringen würde.

          Gestohlen: Selbstporträt von Rembrandt

          Mehrere Generationen von Ermittlern waren trotz vielversprechender Hinweise auf das Mafia-Milieu von Boston in all den Jahren nicht in der Lage, den Fall aufzuklären. Um so überraschender kam die Pressekonferenz, in der das Bostoner FBI am Montag erklärte: Man könne endlich „mit einem hohen Grad an Zuversicht“ einen Teil des Weges der Meisterwerke nachvollziehen - darunter das Öl-Gemälde „Das Konzert“ von Jan Vermeer und „Christus im Sturm auf dem See Genezareth“ von Rembrandt.

          Polizei und Staatsanwaltschaft sind sich sicher in ihrem Wissen, wer die Tat begangen hat. Öffentlich nennen wollen die Behörden die Verdächtigen zur Zeit jedoch nicht. Es gibt da nämlich noch immer ein kniffliges Problem: „Das wichtigste Ziel ist es, diese Gemälde zurückzubringen“, sagte Bundesstaatsanwältin Carmen Ortiz.

          Die Strafverfolgungsbehörden sind erstaunlich machtlos: Der Raubüberfall ist nach amerikanischem Recht verjährt. Nur der Besitz des Diebesguts steht unter Strafe. Doch von einer Strafverfolgung, so ließ Anthony Armore, der Sicherheitschef des Museums, durchblicken, könnte die Justiz auch aus taktischen Gründen absehen. Vorausgesetzt, die Kunstwerke kehren unbeschadet wieder nach Boston zurück, dorthin, wo an den Museumswänden seit 1990 an ihren angestammten Plätzen nur leere Rahmen hängen.

          Christus im Sturm auf dem See von Galiläa, ebenfalls von Rembrandt

          Die Belohnung für entscheidende Hinweise beläuft sich seit Jahren auf fünf Millionen Dollar. Bislang hat die Summe keinen der Mitwisser motiviert, den Aufbewahrungsort der Bilder zu verraten. Die letzte Spur, die das FBI nachzeichnen kann, gab es vor rund zehn Jahren, als die Werke mutmaßlich in Philadelphia zum Kauf angeboten wurden.

          Die Initiative des FBI, zum gegenwärtigen Zeitpunkt die amerikanische Öffentlichkeit einzuschalten, die seit der Tat den Fall fasziniert verfolgt, könnte durchaus Resultate bringen. So hatte die Bundespolizei erst 2011 mit einer ähnlichen Kampagne Erfolg, als sie den untergetauchten Bostoner Mafia-Boss James Bulger, dem 19 Morde zur Last gelegt werden, in Kalifornien aufstöbern konnte. Der entscheidende Tipp kam von einer Person, die Bulgers Gesicht anhand der im großen Stil plakatierten Fahndungsfotos erkannte.

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