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Kunstraub in Paris : Museumsalarm fiel mangels Ersatzteilen aus

  • Aktualisiert am

Polizisten versuchen den Ablauf des Raubes nachzuempfinden Bild: dpa

Die französische Polizei hat im Fall des Pariser Kunstdiebstahls noch keine konkreten Anhaltspunkte. Einig sind sich die Ermittler nur darin, dass die Diebe sehr professionell waren. Erleichtert wurde der Diebstahl allerdings durch eine defekte Alarmanlage.

          Nach dem Kunstdiebstahl im Städtischen Museum für Moderne Kunst in Paris herrscht betretenes Schweigen im französischen Kulturministerium. Minister Frédéric Mitterrand weigerte sich am Freitag, den Raub zu kommentieren. Das Ministerium verwies auf die Verantwortung der Stadt Paris, die das Museum verwaltet. Der sozialistische Bürgermeister von Paris, Bertrand Delano, hatte in einem Kommuniqué den teilweisen Ausfall der Alarmanlage des Museums bekanntgegeben. So soll der Defekt in der Alarmanlage schon am 30. März der Betreiberfirma mitgeteilt worden sein. Die Alarmanlage sei jedoch nicht sofort repariert worden, weil Ersatzteile fehlten. Bürgermeister Delano kündigte eine interne Untersuchung an, um mögliche Versäumnisse der Museumsleitung aufzudecken.

          Der Direktor des Museums für Moderne Kunst durfte sich gegenüber der Presse nicht äußern. Stattdessen sprach der Kulturbeauftragte der Stadt Paris, Christophe Girard, von einem „sehr raffinierten Vorgehen“ des oder der Diebe. Zum Tatzeitpunkt - in der Nacht zum Donnerstag - waren drei Wächter im Museum. „Sie haben nichts gemerkt“, sagte Girard. Die Ermittler der auf Kunstkriminalität spezialisierten Einheit der Polizei wollen jetzt prüfen, warum keiner der drei Wächter während des Tatzeitraums zwischen vier und sieben Uhr morgens die Ausstellungsräume inspizierte.

          „Bilder auf dem Hehlermarkt nicht abzusetzen“

          Die fünf gestohlenen Bilder von Picasso, Modigliani, Braque, Matisse und Léger hingen in drei verschiedenen Ausstellungssälen. Einer der Säle lag weit von dem Einstiegsort des Diebes - einem aufgebrochenen Fenster - entfernt. Die Ermittler wollen die Wachleute verhören. Es wird nicht ausgeschlossen, dass der Kunstdieb über die Mängel bei der Wartung der Alarmanlagen unterrichtet war. Auch die Überwachungskameras, die bei der Renovierung zwischen 2004 und 2006 eingebaut worden waren, sollen so schlecht gewartet worden sein, dass ein Teil der Aufnahmen nicht verwertbar ist. Unterdessen rätselt man weiter über das Profil der Täter. Ein Mitarbeiter des Kunstauktionshauses Christie's, Thomas Seydoux, sagte, es sei eine Legende, dass Sammler Kunstdiebstähle beauftragten. Es sei jedoch nicht auszuschließen, dass die Bilder in einem Tauschhandel im Mafiamilieu einen hohen Wert erzielten.

          Gestohlen: „La femme à l'éventail” von Amedeo Modigliani

          Ob die Bilder versichert waren, ist nicht klar. „Nach unserem Kenntnisstand ist das Museum nicht versichert“, sagte Stefan Horsthemke, Geschäftsführer von Axa Art, einem Spezialversicherer für Kunst- und Sammlungsobjekte, am Freitag. Das sei bei den meisten staatlichen Sammlungen so, bei den Dieben habe sich das jedoch noch nicht unbedingt herumgesprochen. Über die Motive könne man nur spekulieren, sagte Horsthemke. „Das sind professionelle Kriminelle, aber Dilettanten, wenn es um Kunstwerke geht.“ Oft erhofften sich Diebe grandiose Erlöse auf dem Hehlermarkt, befeuert nicht zuletzt von Medienberichten über Rekordsummen bei Versteigerungen. „Es stellt sich dann aber oft heraus, dass die Bilder auf dem Hehlermarkt nicht abzusetzen sind.“ Oft ist auch von Artnapping die Rede, das Erpressen von Lösegeld, ihm sei das hingegen noch nie untergekommen. Allerdings war er an der Aufdeckung eines Falles vor gut zehn Jahren beteiligt, bei dem Kunst in Moskau gegen Drogen getauscht wurde. Die Regel sei das jedoch nicht.

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