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Kunstfälschungsskandal : Vom Kellner zum Kunstverbrecher

Dieses Gemälde à la Pollock aus der Quelle der New Yorker Kunstfälscherbande wurde von der Galerie Knoedler für siebzehn Millionen Dollar vermittelt. Bild: Archiv

Der Mann, der den vermutlichen größten Fälschungsskandal der Geschichte ins Rollen brachte, ist gefasst. Jose Carlos Bergantiños Diaz steht für eine unglaubliche Geschichte um Betrug und Fälschung.

          Die Firma Knoedler & Company war eine der ehrwürdigsten Institutionen des Kunstlebens von New York und älter als das Metropolitan Museum of Art. Der Ölmagnat Armand Hammer kaufte das Kunsthandelshaus 1971. Seit Mitte der neunziger Jahre besetzte Knoedler eine Marktnische für krisenfeste Qualitätsware. Wundersamerweise brachte man immer wieder unbekannte Werke der Helden des Abstrakten Expressionismus auf den Markt: Jackson Pollock, Mark Rothko, Willem de Kooning. Diese Bravourstücke vermittelte man an die Sorte von Neureichen, die besonders gut rechnen können, an Hedgefondsgründer, Goldman-Sachs-Manager und den Vorstandschef der Luxusmodefirma Tom Ford International. Am 28. November 2011 stellte Knoedler von einem Tag auf den anderen den Betrieb ein, obwohl man gerade damit beschäftigt war, eine Ausstellung zu hängen.

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

          Der Mann, der die älteste Galerie von New York zerstört hat, ist ein Spanier, der 1984 mit seiner mexikanischen Freundin in die Stadt kam und zunächst als Kellner arbeitete. Jose Carlos Bergantiños Diaz gründete eine Galerie in Chelsea mit dem Namen King Fine Arts und eine wohltätige Stiftung, die Geld für Armenspeisungen in der Dominikanischen Republik sammelt, gab sich als Freund von Andy Warhol aus - und erhielt Hausverbot im Auktionshaus Christie’s. Am Karfreitag ist Jose Carlos Bergantiños Diaz in Sevilla verhaftet worden. Gleichzeitig wurde in Lugo sein älterer Bruder Jesus Angel Bergantiños Diaz festgenommen, der verdächtigt wird, beim Verbergen der Erlöse geholfen zu haben. Ihr Strafprozess in New York wird zum dramatischen Finale eines jahrelang schwelenden Fälschungsskandals werden.

          Ein Skandal im Beltracchi-Format

          Pei Shen Qian, ein aus China gebürtiger, in New York ausgebildeter Maler, soll in einem Atelier in Queens die Gemälde hergestellt haben. Die Ausmaße des Falls scheinen weitaus größer als der Schaden, den der deutsche Fälscher Wolfgang Beltracchi anrichtete: Für die Fälschungen wurden insgesamt 33 Millionen Dollar gezahlt. Die Richter sind mit einer Serie von Zivilklagen befasst, die immer weitere Kreise ziehen und peinliche Einblicke in die Usancen der Abwicklung von Geschäften mit höchstpreisiger Kunst bieten. Wie bei Beltracchi und seiner erfundenen „Sammlung Jäger“ fußt dieser Betrug auf Legenden, in die aus dem Nichts auftauchende Meisterwerke eingesponnen wurden.

          Die New Yorker Geschichte geht so: Es gab einen Geschäftsmann, der in der Schweiz und in Mexiko lebte, der starb und dessen Kunstbesitz sein Sohn verkaufte. Glafira Rosales, die frühere Lebensgefährtin von Jose Carlos Bergantiños Diaz, hat sich schuldig bekannt und kooperiert mit den Behörden. Während sie gegenüber Knoedler als die Kunsthändlerkollegin auftrat, die den Kontakt mit dem Eigentümer des Bilderschatzes hielt, der von seinem Vater angeblich auch eine pathologische Neigung zur Geheimniskrämerei geerbt hatte, überwachte Bergantiños Diaz die Herstellung.

          Der Beltracchi von New York: Jose Carlos Bergantinos Diaz

          Er war es, der Pei Shen Qian Ende der achtziger Jahre entdeckte, als dieser auf der Straße in Manhattan seine Bilder verkaufte, er versorgte ihn mit alten Leinwänden, alten Farbvorräten und Masonit, einem Material, das einige Maler der Jahrhundertmitte als Malgrundlage schätzten. Nach Abnahme der Ware bearbeitete Bergantiños die Bilder zur Erzeugung von Alterungsmerkmalen: Er setzte sie der Witterung aus, hielt sie unter einen Föhn und verpasste ihnen mit Teebeuteln eine künstliche Patina. Bei einigen Bildern soll er die Signaturen hinzugefügt haben. Pei hat sich nach China abgesetzt und behauptet, seine Auftraggeber hätten ihm gesagt, die Werke seien für Kunstliebhaber bestimmt, die sich Originale nicht leisten könnten. Gegenüber dem FBI hatte er im Juni 2013 aber erklärt, er kenne Glafira Rosales nicht und habe auch die Namen von Sam Francis und Mark Rothko noch nie gehört. Bei der Durchsuchung seines Ateliers wurden Bücher über die Maltechnik der Abstrakten Expressionisten sowie Gemälde in der Art von Jackson Pollock und Barnett Newman sichergestellt. Zwischen den Malutensilien fand sich ein Briefumschlag mit rostigen Nägeln und der Aufschrift „Mark Rothko“. Anfangs erhielt Pei ein paar hundert Dollar pro Bild, später das Zehnfache, nachdem er auf einer Kunstmesse gesehen hatte, zu welchem Preis seine Arbeiten Sammlern angeboten wurden.

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