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Polizeipanne : Alles auf Anfang im Fall Maria Bögerl?

Bis heute ungeklärt: der Mord an Maria Bögerl Bild: dpa

Sieben Jahre nach dem Mord an Maria Börgerl gab es erstmals eine Festnahme. Doch der vermeintliche Tatverdächtige ist wohl ein drogenabhängiger Aufschneider. Eine weitere Schlappe für die baden-württembergische Polizei.

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          Von der Öffentlichkeitsfahndung in der Sendung „Aktenzeichen XY“ am Mittwochabend bis zur Festnahme in Königsbronn waren es nur wenige Stunden. Zum ersten Mal seit sieben Jahren gab es eine vorläufige Festnahme im Entführungs- und Mordfall Maria Bögerl. Wenigstens für ein paar Stunden sah es so aus, als ob das Heidenheimer Verbrechen nun endlich vor der Aufklärung stehen könnte.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          „Wir wissen nicht, ob es sich um den Täter oder einen Schwätzer handelt“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Ellwangen am Donnerstagmorgen noch mit gebotener Vorsicht. Nach vielen Rückschlägen und Fehlern waren die Ermittler skeptisch – trotz des großen und vielversprechenden neuen Fahndungsansatzes. Die ernüchternde Mitteilung kam dann schon am späten Vormittag: Der Vergleich der DNA vom Tatort mit einer DNA-Probe des vorläufig festgenommenen Mannes im krimimaltechnischen Labor des Stuttgarter Landeskriminalamtes ergab keine Übereinstimmung. Ein dringender Tatverdacht gegen den in Königsbronn stadtbekannten, 47 Jahre alten Mann, der oft in Tarnkleidung herumlief, ein Suchtproblem hat und im Wald gern „Wehrspiele“ veranstalten soll, ließ sich nicht erhärten. Das Ermittlungsverfahren läuft vorläufig weiter, einen Haftbefehl wird die Staatsanwaltschaft aber nicht mehr beantragen.

          Im Juli vergangenen Jahres war der Mann von der Ostalb in der Innenstadt von Hagen in Nordrhein-Westfalen aufgefallen. Zu nächtlicher Stunde hatte er – mehr gelallt als gesprochen – behauptet, er habe Kenntnis von der Ermordung Maria Bögerls. Außerdem hasse er die Familie Bögerl. In einer Handy-Aufnahme zweier junger Zeugen erzählt er etwas von seinem Heimatort Ochsenberg, einem tollen Survival-Messer vom Typ „Aitor Jungle King III“ und den Maulwurfshügeln in den Wäldern der Ostalb. Sein schwäbischer Dialekt ist stark ausgeprägt. Merkwürdigerweise gelang es der Polizei nicht, den Mann vor der öffentlichen Fahndung ausfindig zu machen. Erst nach der Ausstrahlung in „Aktenzeichen XY“ erkannten Mitbürger aus Ochsenberg seine Stimme und lieferten der Polizei Hinweise, die zur Festnahme in einer Privatwohnung führten.

          Polizeipannen werfen viele Fragen auf

          Ob er vielleicht von der Entführung und Ermordung der Bankiersgattin aus Heidenheim-Schnaitheim im Mai 2010 etwas mitbekommen hatte oder sogar an der Tat beteiligt war, wollen die Ermittler noch genauer prüfen, besonders vielversprechend sind die Aussichten aber nicht. In Königsbronn und dem Teilort Ochsenberg ist der Mann bekannt und wird als „einfach strukturiert“, „psychisch verwirrt“ und „drogenabhängig“ beschrieben. Als Kronzeuge taugt er gewiss nicht. „Unter Umständen“, sagte der Sprecher der Ellwanger Staatsanwaltschaft dieser Zeitung, „stehen wir wieder ganz am Anfang der Ermittlungen.“

          Das wäre in den vergangenen sieben Jahren nicht das erste Mal. Vieles ist ungewöhnlich am Fall Maria Bögerl: dass der Täter das Auto seines Opfers zur Flucht nutzte, dass er eher amateurhaft nur ein geringes Lösegeld in Höhe von 300.000 Euro forderte, dass Spekulationen über eine Beziehungstat schließlich zum tragischen Selbstmord des Witwers der Ermordeten führten. Und für die baden-württembergische Polizei ist der spektakuläre Fall eine schwere Belastung. Schon vor dem Verbrechen hatten der bis heute unaufgeklärte Polizistenmord in Heilbronn, der ungelöste Mordfall Armani in Freiburg und die „Wattestäbchen-Panne“ nicht unbedingt ein gutes Licht auf die Polizei im Südwesten geworfen. Und auch bei den Ermittlungen im Fall Bögerl lief nicht alles glatt.

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