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Kriminalitätsstatistik : Polizei zählt Zehntausende Einbrüche

  • Aktualisiert am

Die Zahl der Wohnungseinbrüche in Deutschland steigt vielerorts rasant an. Bild: dpa

Die Zahl der Einbrüche in Deutschland steigt. Im vergangenen Jahr haben die Beamten bis zu 30 Prozent mehr Fälle bearbeitet. Kriminologen sprechen von einer „Renaissance des Einbruchs“.

          In den meisten Bundesländern nimmt die Zahl der Wohnungseinbrüche deutlich zu. Das geht aus Daten der Landeskriminalämter für das vergangene Jahr hervor. Besonders Baden-Württemberg fällt negativ auf: Dort schnellten die erfassten Fälle um mehr als 30 Prozent nach oben - auf jetzt etwa 11.300.

          Auch in Nordrhein-Westfalen stieg die Zahl der Einbrüche um eineinhalb Prozent auf fast 55.000. Das ist der Polizei zufolge der höchste Stand seit 1995. Der Stadtstaat Berlin meldet beim „Wohnungseinbruchdiebstahl“, so der polizeiliche Fachbegriff, zwar einen Rückgang um fast sechs Prozent, es handele sich aber immer noch um den zweithöchsten Wert im Zehn-Jahres-Vergleich.

          Entwicklung der Wohnungseinbrüche seit 1993

          In Bremen gingen die Einbrüche binnen eines Jahres um 12,1 Prozent auf 2577 zurück. „Viele Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer sowie Mieterinnen und Mieter lassen sich inzwischen beraten und sichern ihre Häuser und Wohnungen“, erklärte Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) bei der Präsentation der Kriminalstatistik 2013. Auch die Nachbarschaft sei aufmerksam und trage oft dazu bei, dass Täter häufiger als früher bei ihren Taten gestört würden.

          Die endgültige bundesweite Kriminalitätsstatistik wird erst im Juni veröffentlicht. Betrachtet man die bisherigen Zahlen der Bundesländer, scheint sich insgesamt aber ein Negativtrend fortzusetzen: Bereits im Jahr 2012 stieg die Zahl der Einbrüche um fast neun Prozent auf 144.000.

          "Renaissance des Einbruchs"

          Der Kriminologe Thomas Feltes spricht von einem „nicht unerheblichen Dunkelfeld“: Es gebe wesentlich mehr Taten als die registrierten. Bis etwa 2005 gingen die Fallzahlen zurück - seither gebe es eine „Renaissance des Einbruchs“. Das sei auch deshalb beachtenswert, „da die Zahl der polizeilich registrierten Straftaten insgesamt rückläufig ist“, heißt es in einem Bericht des Wissenschaftlers.Dennoch warnt der Professor von der Ruhr-Universität Bochum vor Panikmache. Die Zahlen seien vor 2005 teils deutlich höher gewesen. Im Jahr 1993 gab es laut Kriminalstatistik 227.090 Wohnungseinbrüche in Deutschland.

          Die Ermittler führen die seit einigen Jahren wieder steigenden Zahlen auch auf gut organisierte Einbrecherbanden zurück. „Zunehmend werden überregional und arbeitsteilig vorgehende mobile Intensivtäter und Banden als Tatverdächtige ermittelt“, berichtet etwa das nordrhein-westfälische Landeskriminalamt. Die Ermittler im bevölkerungsreichsten Bundesland versuchen unter anderem, bei großangelegten Verkehrskontrollen - etwa an Autobahnen - Verdächtige aufzuspüren.

          Kriminologe Feltes sieht solche Aktionen kritisch und spricht von medienwirksamer „Symbolpolitik“. „Natürlich haben wir diese Gruppierungen, diese sogenannten Banden - aber nicht in dem Umfang, wie die Politik es glauben machen will.“ Der typische Einbrecher sei „jung, männlich und drogenabhängig“. Oft schlügen Einbrecher im eigenen sozialen Umfeld zu. Als Beispiel nennt Feltes Täter, die sich in den Wohnungen der Eltern von Freunden vergreifen - weil sie wissen, was dort zu holen ist.

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