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Kriminalität : Südwind trägt Kokain heran

  • -Aktualisiert am

Auch die argentinische Fluggesellschaft „Lafsa” steht unter Verdacht Bild: AP

Ein Fall von Rauschgiftschmuggel sorgt für Aufruhr in Argentinien: Aus dem scheinbaren Zufallsfund ist mittlerweile eine Affäre geworden, die sogar die Regierung in Mitleidenschaft ziehen könnte.

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          Am 16. September vergangenen Jahres kreisten vier herrenlose Gepäckstücke auf den Bändern in der Ankunftshalle des Flughafens Barajas in Madrid. Sie waren mit einem Flug der argentinischen Gesellschaft „Southern Winds“ aus Buenos Aires eingetroffen. Obwohl sie die hochamtlich anmutende Aufschrift „Argentinische Botschaft in Madrid“ trugen, interessierte sich niemand für sie.

          Sie könnten möglichen Abholern zu heiß vorgekommen sein, oder die Empfänger kamen wegen der intensiven Kontrollen in Barajas nicht an das Gepäckband heran. Laut Presseberichten wußte die spanische Polizei schon, was sich in den Koffern befand, bevor sie auf dem Laufband landeten: 60 Kilogramm Kokain.

          Drahtzieher: Sohn des Flughafenchefs

          Sie ließ das Gepäck ungewöhnlich lange auf dem Transportband liegen, um zu sehen, ob es nicht doch noch jemand abholen würde. Aus dem scheinbaren Zufallsfund ist in Argentinien inzwischen eine Affäre geworden, die das gesamte Sicherheitssystem am internationalen Flughafen Ezeiza in Buenos Aires in Frage stellt, die Fluggesellschaft ins Zwielicht bringt und selbst die Regierung in Mitleidenschaft ziehen könnte.

          Einer der möglichen Organisatoren und vermutlich auch Drahtzieher des Drogenschmuggels ist Walter Beltrame, der Sohn des inzwischen abgesetzten Flughafenchefs Alberto Beltrame. Der junge Mann ist abgetaucht. Er war, wie richterliche Ermittlungen ergaben, am 14. September nach Madrid gereist und kehrte mit der Maschine, die das Rauschgiftgepäck transportiert hatte, nach Buenos Aires zurück. Walter Beltrame war häufig nach Madrid geflogen. Der Vizepräsident von „Southern Winds“, Enrique Montero, befand sich während des „Drogenflugs“ an Bord.

          Zwangsverwaltung für Luftfahrtpolizei

          Eine Schlüsselrolle bei dem Schmuggel spielte offenbar auch die argentinische Luftfahrtpolizei, eine Sonderbehörde, die der Luftwaffe des Landes angegliedert ist. Sie ist in Ezeiza vor allem für die Sicherheitskontrollen verantwortlich, die bei dem Rauschgifttransport Mitte September und vermutlich auch noch bei anderen Gelegenheiten eklatant versagt haben. Angeblich sind die Videobänder mit den Bildern, die von den Sicherheitskameras im Flughafen zum fraglichen Zeitpunkt aufgenommen worden waren, nicht mehr aufzufinden oder gelöscht.

          Präsident Nestor Kirchner ließ inzwischen die Luftfahrtpolizei unter Zwangsverwaltung stellen. Jaime Garreta, der Stellvertreter des Verteidigungsministers, wurde zum vorübergehenden Chef berufen. Er ist damit der erste Zivilist, der die 1977, mitten in der Diktatur, gegründete militärische Behörde leitet. Die gerichtlichen Ermittlungen erstrecken sich inzwischen auch auf den argentinischen Zoll und die Privatfirma, die die Fluggesellschaft mit der Gepäckkontrolle beauftragt hat. Zwei Angestellte von „Southern Winds“ sind inzwischen verhaftet worden.

          Berührungspunkte mit der Regierung

          Die Fluggesellschaft wird verdächtigt, Drehscheibe des Rauschgiftschmuggels gewesen zu sein und besonders den Transport des unbegleiteten Gepäcks zugelassen zu haben. Zwei Passagiere, die häufig mit „Southern Winds“ geflogen sind und die Adressaten der Kokainkoffer waren, sind in Spanien inhaftiert. Die in finanzielle Schwierigkeiten geratene Firma „Southern Winds“ wird vorübergehend vom argentinischen Staat in Form einer „Unternehmenszusammenarbeit“ mit der staatlichen Fluggesellschaft „Lafsa“ gestützt, die sich im Prozeß der Reprivatisierung befindet. Daraus ergeben sich auch Berührungspunkte mit der Regierung.

          Noch nicht zu übersehen ist, wie oft die Flugzeuge von „Southern Winds“ für den Drogentransport nach Europa genutzt wurden. Das Kokain stammte vermutlich aus Kolumbien, doch ist nicht klar, wie es nach Buenos Aires kam. Und noch verwunderlicher ist schließlich, warum seit der Entdeckung der Rauschgiftkoffer auf den Gepäckbändern in Madrid-Barajas so viel Zeit verstrich, bis jetzt der Skandal publik wurde.

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