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Kriminalität : Stolz auf jeden einzelnen Mord

  • -Aktualisiert am

Ein ehemaliges Maras-Mitglied Bild: picture-alliance / dpa

„Wir sind eine Seuche“: Die Maras sind zum Schrecken der mittelamerikanischen Länder geworden - die Regierungen versuchen verzweifelt, der Jugendbanden Herr zu werden.

          "Wir sterben nicht aus. Wir sind eine Seuche. Es kommen mehr dazu als gehen", sagt der frühere Anführer "El Recio" (Der Rauhe) und verschwindet wieder in seiner Gefängniszelle in Tegucigalpa. Als Chef der Gruppe "Mara 18" hatte er in Honduras mehr als 20.000 Gefolgsleute im Alter zwischen zehn und 20 Jahren hinter sich.

          Sie sind in einzelnen "Clikas" (Cliquen) organisiert. Diese Unterorganisationen, die aus noch kleineren Zellen zusammengesetzt sind, dienen keinem anderen Zweck, als Raubüberfälle, Vergewaltigungen, Morde und andere Verbrechen zu begehen. Ein Mitglied der "M 18" soll innerhalb von sechs Monaten 180 Personen getötet haben. Im Nachbarland Guatemala sind kürzlich in nur sechs Tagen 25 Personen von jugendlichen Kriminellen umgebracht worden, vorwiegend Mitglieder rivalisierender Gruppen.

          Honduras leidet am meisten unter der „Seuche“

          Die Maras sind zum Schrecken der mittelamerikanischen Länder geworden. Alle Versuche der Regierungen in der Region, mit "harter Hand" gegen die Banden vorzugehen, sie länderübergreifend zu verfolgen und ihnen den Garaus zu machen, sind bisher gescheitert. Am Donnerstag kündigten die Präsidenten der Karibikstaaten bei ihrem Gipfeltreffen in Tegucigalpa an, künftig gemeinsam gegen die Banden kämpfen zu wollen. Die "Anti-Mara-Gesetze", die Honduras und El Salvador 2003 beschlossen, haben zwar dazu geführt, daß die Macht der Banden dort ein wenig zurückgegangen ist. Dafür sind sie in die Nachbarländer ausgewichen, besonders nach Guatemala und Mexiko. Nach neuesten Schätzungen sind in Mittelamerika mittlerweile 100.000 Jugendliche in den "Maras" organisiert, in Mexiko und in den Vereinigten Staaten mindestens noch einmal so viele.

          Polizeirazzia gegen die Jugendbande „Mara 18” in Honduras

          Vor einem Jahr warnte der Präsident von Honduras, Ricardo Maduro, dessen Land neben El Salvador und Guatemala am meisten unter der "Seuche" leidet, vor der Gefahr, die Maras könnten mit dem internationalen Terrorismus in Verbindung geraten und von ihm für seine Ziele benutzt werden. Die Befürchtung teilt auch die internationale Polizeiorganisation Interpol. Bei ihrer jüngsten regionalen Jahrestagung in der peruanischen Hauptstadt Lima berichteten leitende Interpol-Mitglieder, es gebe im Augenblick zwar noch keine Beweise dafür, doch starke Indizien. Für das Mara-Problem sieht Interpol keine Lösung in naher Zukunft. Im Gegenteil, es werde sich weiter verschärfen, hieß es in Lima.

          „Für meine Mutter lebe ich, für meine Mara sterbe ich“

          "Für meine Mutter lebe ich, für meine Mara sterbe ich" lautet der Wahlspruch der "Mareros". Die kalifornische Polizei hatte 1992 die "Mara Salvatrucha" (Salva: El Salvador, trucho: gewitzt) als Haupturheber eines Aufstands in Los Angeles ausgemacht. Die anderen Hispanos jener Jahre organisierten sich in der "Mara 18", einer Bande von Mexikanern, zu denen sich Flüchtlinge aus Honduras, Guatemala und Nicaragua gesellten. Sie wurden festgenommen und eingesperrt, in den kalifornischen Gefängnissen fanden sie sich wieder zusammen. Der amerikanische Kongreß erließ 1996 ein Gesetz, wonach jeder Ausländer, der länger als ein Jahr im Gefängnis sitzt, in sein Heimatland deportiert werden muß. Zwischen 2000 und 2004 kamen auf diese Weise 20.000 jugendliche Kriminelle in die mittelamerikanischen Staaten zurück. Dort fanden sie die besten Voraussetzungen, um ihr kriminelles Unwesen weiter treiben zu können: Arbeitslosigkeit von mehr als 50Prozent, extreme Armut, Unterernährung und Analphabetismus, korrupte Regierungen und eine kurzsichtige herrschende Oberschicht.

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