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Kriminalität : Soko Halbmond: Mordserie gibt Polizei Rätsel auf

  • Aktualisiert am

Phantombild: Gesuchter in Nürnberg (Fall 2) Bild: Polizeidirektion Mittelfranken

Die Morde werden stets mit der selben Waffe verübt und gleichen kaltblütigen Hinrichtungen am hellichten Tag: Seit fünf Jahren sucht die Soko Halbmond die Täter einer bundesweiten Mordserie an ausländischen Ladenbesitzern.

          Die Morde tragen stets dieselbe Handschrift: Die Opfer werden kaltblütig am hellichten Tag in ihrem Geschäft mit mehreren Kopfschüssen niedergestreckt. Die volle Ladenkasse bleibt stets unberührt. Seit fast fünf Jahren hält die bundesweite Mordserie an ausländischen Ladenbesitzern die Polizei in Atem.

          Siebtes Opfer wurde am vergangenen Mittwoch ein Grieche in München. Nur eines wissen die Ermittler sicher: Tatwaffe war immer eine tschechische Pistole der Marke „Ceska“ vom Kaliber 7,65. Spekuliert wird, ob Mafia-Killer aus dem internationalen Drogenmilieu hinter den Morden stecken - und vielleicht Abtrünnige mundtot machen wollen. Jedoch gibt es dafür keinerlei Beweise.

          Besitzer lag tot hinter dem Tresen

          Jetzt schlugen die Mörder gleich zwei Mal binnen einer Woche zu. Am Donnerstag der vergangenen Woche fand ein Kunde an einem Nürnberger Dönerstand den 50 Jahre alte Besitzer tot hinter dem Tresen. Am vergangenen Mittwoch starb in München ein 41jähriger Grieche in seinem gerade eröffneten Schlüsseldienst. Der Mörder muß den Laden betreten und sofort geschossen haben: Es gab keine Spuren eines Kampfes.

          Phantombild: Gesuchter in Hamburg (Fall 3)

          Der Mord trage die Züge einer „Hinrichtung“, sagte Oberstaatsanwalt Peter Boie. Beim Motiv tappt die Polizei im Dunkeln. Vor der Eröffnung des Schlüsseldienstes hatte der Grieche als Schaffner bei der Bahn gearbeitet. Seine deutsche Frau lernte er vor 20 Jahren kennen, auch nach der kürzlichen Scheidung hatte er zu ihr und den 15 und 18 Jahre alten Töchtern ein sehr gutes Verhältnis. „Er hat in gutbürgerlichen Verhältnissen gelebt und war ein völlig unauffälliger Mensch“, sagt Polizeisprecher Peter Reichl.

          Opfer galten als „unauffällig“

          Das gilt auch für die anderen Opfer. Sie galten als unauffällig, waren bei Nachbarn und Kunden beliebt. An der Dönerbude des vor einer Woche in Nürnberg ermordeten Türken hängen Hunderte Abschiedsbriefe. „Er war überall anerkannt, hatte für jeden ein offenes Ohr“, berichtet Polizeisprecher Peter Grösch. Die Verbrechensserie begann 2000 in Nürnberg. Damals wurde ein türkischer Blumenhändler erschossen. Passanten fanden den Familienvater sterbend in seinem Lieferwagen. Seitdem schlugen die Täter weitere zwei Mal in Nürnberg sowie zwei Mal in München zu. Zudem starben ein Gemüsehändler in Hamburg und ein Dönerverkäufer Rostock.

          Für Hinweise zur Aufklärung sind 20.000 Euro Belohnung ausgesetzt. Mit der Mordserie befassen sich die Sonderkommissionen „Halbmond“ in Nürnberg und „Theo“ in München, Ermittler der anderen Städte und das Bundeskriminalamt - bisher ohne entscheidenden Erfolg.

          Verbindungen zu Drogen-Mafia?

          „In den ersten vier Fällen ist eine Verbindung zu Rauschgifthändlern in den Niederlanden denkbar“, sagt Grösch. Der Drogenhintergrund sei derzeit die wahrscheinlichste Möglichkeit gegenüber Schutzgeld, Geldwäsche, Rache oder anderen Motiven. Die Polizei geht davon aus, daß eine organisierte Struktur hinter den Taten steckt. „Es ist kaum anzunehmen, daß es sich um einen Einzeltäter handelt“, sagt Grösch. Was die Ermittler mit am meisten überrascht: Daß die Täter jahrelang mit derselben Waffe morden, ohne sich darum zu sorgen, damit eines Tages überführt zu werden. „Wir hätten nicht geglaubt, daß sich jemand nicht rasch der Waffe entledigt.“

          Die Nürnberger Polizei prüft rund 100 Hinweise; sie sucht vor allem zwei Radfahrer, die zuletzt an dem Dönerstand gesehen wurden. Parallel dazu arbeitet die Münchner Soko rund 30 Hinweise ab. Hier sucht die Polizei besonders einen Mann, mit dem der Grieche kurz vor seinem Tod vor dem Laden gestritten hatte. „Das ist für uns eine wichtige Spur“, sagte Polizeisprecher Reichl. „Wir hoffen, daß sich dieser Mann meldet - wenn es sich nicht meldet, wird das von der Kripo auch bewertet.“

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