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38 mysteriöse Todesfälle : Der Todesengel von Lugo

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Eine italienische Krankenschwester wurde wegen 38 mutmaßlichen Morden an Patienten verhaftet. (Symbolbild) Bild: Picture-Alliance

Eine Krankenschwester wurde in Norditalien festgenommen. Sie steht im Verdacht bis zu 38 Patienten umgebracht zu haben. Sie sei oft großzügig mit sedierenden Medikamenten umgegangen, um selbst eine ruhige Nacht zu haben, sagen ihre Kollegen.

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          Vielleicht wäre die Sache nie ans Licht gekommen, doch dann starb Anfang April unvermutet die 78 Jahre alte Rosa Calderoni im Krankenhaus von Lugo, obwohl sie nur an einer Routinekrankheit gelitten hatte. Wenige Wochen zuvor war bereits Faustino Taglioni gestorben, wiewohl der auf dem Weg der Genesung gewesen war. Eine Krankenschwester ging nach dem Ableben von Rosa Calderoni zur Polizei und berichtete – der örtlichen Presse zufolge – von mehreren seltsamen Todesfällen in ihrer Klinik bei Ravenna in Norditalien und ihrem Verdacht gegen ihre Kollegin Daniela Poggiali. Am vergangenen Donnerstag wurde die 42 Jahre alte Poggiali festgenommen.

          Die blonde Frau aus Faenza wird des mutmaßlichen Mordes in bis zu 38 Fällen verdächtigt. Ermittlungsrichterin Rossella Materia bestätigte jetzt ihre Untersuchungshaft. Zum Tode Rosa Calderonis war aufgefallen, dass der verdächtige „Todesengel“ Poggiali einmal behauptet hatte, dieser „Fall“ lasse sich mit zwei Spritzen Kalium „erledigen“; freilich will die Schwester dabei „nur einen Scherz“ gemacht haben. Der älteren Frau soll sie dann tatsächlich Kalium gespritzt und anschließend versucht haben, die Beweise zu vernichten. Ihre Arbeitskollegen sagen, die Poggiali sei oft großzügig mit sedierenden Medikamenten umgegangen, um selbst eine ruhige Nacht zu haben; sie wird als „kalt aber diensteifrig“ beschrieben. Richterin Materia hält sie für eine „selbstgefällige Person“, die nicht davor zurückschrecke, Schwächere zu drangsalieren.

          Sie soll mithin umgebracht haben, wen sie aus welchen Gründen auch immer nicht mochte, schreibt die Presse. Staatsanwalt Mancini spricht von einem Tatverdacht bei bis zu 38 Todesfällen. Zehn Fälle wurden als „sehr verdächtig“ eingestuft. Allerdings werde es schwer sein, die Schuldfrage definitiv zu beantworten, weil inzwischen viel Zeit vergangen sei. Schon einige Tage nach der Injektion von Kalium gebe es von der Substanz keine Spur mehr im Körper; auch dürften einige der Patienten auf der Todesliste auf natürliche Art gestorben sein.

          Schon seit April war Schwester Daniela nach zwei Todesfällen in zwei aufeinander folgenden Nächten nicht mehr für die Nachtschicht eingesetzt worden, nachdem sie sich offenbar zuvor oft zu Nachtdiensten gedrängt hatte. Seit dem Frühling ist niemand mehr im Krankenhaus von Lugo auf verdächtige Art verblichen, schreiben die Zeitungen und fragen sich gleichwohl, warum Schwester Daniela erst jetzt verhaftet wurde. Die Verdächtige nahm ihre Verhaftung ungerührt und gelassen hin; sie sei unschuldig, soll sie gesagt haben.

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