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Finanzskandal am Hof : Staatsanwalt will Infantin Kristina nicht anklagen

  • Aktualisiert am

Kommt wohl mit einer Geldstrafe davon: Infantin Cristina Bild: dpa

Es wird immer unwahrscheinlicher, dass im Finanzskandal am spanischen Hof gegen die Schwester des Königs Anklage erhoben wird. Cristina soll nur knapp 600.000 Euro Schadensersatz zahlen. Ihren Mann hingegen will der Staatsanwalt lange hinter Gittern sehen.

          Die spanische Infantin Cristina soll nach Forderung der Staatsanwaltschaft wegen ihrer Rolle im Finanzskandal um ihren Ehemann fast 600.000 Euro Schadenersatz zahlen. Die 49 Jahre alte Schwester von König Felipe VI. habe von den Geldern profitiert, die ihr Mann Iñaki Urdangarin unterschlagen habe. Dies stellte der Staatsanwalt für Korruptionsvergehen, Pedro Horrach, in seinen Schlussfolgerungen fest, die er am Dienstag dem Ermittlungsrichter José Castro in Palma de Mallorca vorlegte.

          Cristinas Rechtsanwalt Miquel Roca kündigte an, dass die Infantin zahlen und die vom Staatsanwalt geforderte Summe sofort an das Gericht überweisen werde. Die Schwester des Königs vertraue darauf, dass für sie die Sache damit erledigt sei und keine Anklage gegen sie erhoben werde, sagte Roca in Barcelona.

          Auch der Staatsanwalt sprach sich dagegen aus, Cristina unter Anklage zu stellen. „Ich habe beantragt, das Verfahren gegen sie einzustellen“, sagte Horrach. Für Cristinas Mann forderte er knapp 20 Jahre Haft. Er soll als Präsident einer gemeinnützigen Stiftung zusammen mit Komplizen rund sechs Millionen Euro Steuergelder unterschlagen haben.

          Anwalt hält geforderte Strafe für „völlig überzogen“

          Urdangarins Anwalt Mario Pascual Vives sagte, das geforderte Strafmaß sei völlig überzogen. „Das sieht so aus, als hätte mein Mandant jemanden umgebracht.“ Cristina hatte zusammen mit ihrem Mann eine Firma geleitet, die nach Ansicht der Ermittler dazu gedient haben soll, Gelder aus der Stiftung Nóos abzuziehen. Die Infantin hatte bei ihrer Vernehmung ausgesagt, sich um die Geschäfte ihres Mannes nicht gekümmert und ihren Namen nur pro forma hergegeben zu haben.

          Auch das Finanzamt - als der angeblich Geschädigte - ist dagegen, Cristina auf die Anklagebank zu setzen. Allein die Gewerkschaft Manos Limpias (Saubere Hände) plädierte als Nebenkläger für eine Anklageerhebung und verlangte acht Jahre Haft.

          Aufgrund der Schlussfolgerungen der Kläger muss der Ermittlungsrichter nun entscheiden, welchen Beschuldigten der Prozess gemacht wird. Dazu gehört auch der ehemalige Regierungschef der Balearen und frühere spanische Umweltminister Jaume Matas, für den der Staatsanwalt elf Jahre Haft forderte.

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