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Korruptionsverdacht : Zweitausend Juraexamen werden geprüft

  • Aktualisiert am

Das Niedersächsische Justizministerium will schnell reagiert haben Bild: dpa

Der Fall des niedersächsischen Richters, der Prüfungsaufgaben verkauft haben soll, zieht weitere Kreise. Womöglich waren noch mehr Personen in den Skandal involviert.

          Der Fall eines in Italien festgenommenen niedersächsischen Richters, der Prüfungsunterlagen verkauft haben soll, zieht möglicherweise noch weitere Kreise. So könnten auch juristische Referendare außerhalb Niedersachsens vor ihrem Zweiten Staatsexamen Zugang zu den Klausuren und den Lösungswegen gehabt haben.

          Das niedersächsische Justizministerium bestätigte, dass der wegen Korruptionsverdachts festgenommene Richter diese auch in andere Bundesländer verkauft haben könnte. In Niedersachsen werden derzeit die Examen von 2000 Juristen überprüft, die nach 2011 ihr Zweites Staatsexamen abschlossen. Niedersachsen tauscht seine Examens-Klausuren mit anderen Ländern; es hat alle vom Ringtausch betroffenen Länder informiert. Das Justizministerium in Erfurt teilte allerdings bereits mit, Thüringen sei von diesem Betrug nicht betroffen.

          Erster Verdacht schon im vergangenen Jahr

          Der 48 Jahre alte Richter, der früher am Amtsgericht in Dannenberg/Elbe und seit 2011 im Justizministerium in Hannover und am Landesjustizprüfungsamt in Celle eingesetzt war, soll Kandidaten – vor allem jenen, die ihre Prüfungen wiederholten – Prüfungsfragen gegen jeweils einige tausend Euro verkauft haben. Da zu diesen nur sehr wenige Personen Zugang haben, kamen die Ermittler rasch auf ihn.

          Einen ersten unkonkreten Verdacht gab es schon im vergangenen Jahr. Dieser konkretisierte sich, als eine Referendarin im Justizministerium anrief und von einem entsprechenden Angebot berichtete. Bei diesem Anruf im Justizministerium soll der Richter anwesend gewesen sein und so von drohenden Ermittlungen gewarnt worden sein. Dennoch soll er noch vor zwei Wochen weitere Prüfungsaufgaben verkauft haben.

          Das Justizministerium teilte mit, es habe wegen der Schwere der Tat besonders schnell reagiert; zwischen dem ersten konkreten Vorwurf, drei Durchsuchungen und dem Haftbefehl habe nur eine Woche gelegen. Dem Richter gelang allerdings die Flucht. Er wurde dann in einem Mailänder Luxushotel verhaftet – nach italienischen Medienberichten in Begleitung einer jungen Rumänin und im Besitz von 30.000 Euro Bargeld. Möglicherweise ermittelt gegen den Richter auch noch die italienische Polizei wegen der geladenen Pistole, die der Tatverdächtige bei sich hatte. Ermittelt wird auch gegen einen Repetitor, der an den Verkäufen beteiligt gewesen sein soll – auch der Richter war früher Repetitor.

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